Konstanten Zulauf hat der Gommeraner Unternehmerstammtisch - beim sechsten Mal kamen knapp 30 Unternehmer. Ein Erfolg, findet Bürgermeister Jens Hünerbein. Als Dozent war dieses Mal Dr. Karlhans Uhle geladen, der für kontroverse Diskussionen sorgte, aber auch Gommern in bestimmten Fragen positionierte.

Gommern l Mannöverkritik bei den Organisatoren des Unternehmerstammtisches: Auch wenn der sechste Stammtisch wieder guten Zulauf hatte, gab es Kritik an der Dozentenwahl. Dr. Karlhans Uhle, Geschäftsführer der Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH (IMG), war als Referent geladen. Sein Beschäftigungsfeld zielt aber mehr auf Sachsen-Anhalt als gesamtes Bundesland mit gewissen "Big Points" als einzelne Regionen wie Gommern.

Nichtsdestotrotz bemühte sich Dr. Uhle, lokalen Bezug zu finden. Beispiel: Gommern als Wirtschaftsstandort. Die IMG dient als Vermittler zwischen Unternehmen, die einen neuen Standort suchen und investieren wollen und Wirtschaftsstandorten wie dem Gommeraner Industriepark. Dieser steht bereits auf der Liste der IMG zur Weitervermittlung - seit zwei Jahren. Vermittelt wurde allerdings noch nichts. "Wir haben seit 2007 bereits 32 Unternehmen Gommern als neuen Standort vorgeschlagen. Besonders bei der Nachfolge für Voith waren wir sehr bemüht. Da waren auch sehr viele bekannte Namen dabei", erklärte Uhle.

Gommern ist kein Selbstläufer

Im Nachgespräch äußerte sich Uhle aber zuversichtlich für Gommern. "Mit der neuen Anbindung in Schönebeck hat auch in jedem Fall Gommern gewonnen. Aber Gommern ist kein Selbstläufer, dessen muss man sich auch bewusst sein. Aber der Industriepark ist gut und hat Vermittlungschancen - wenn vielleicht auch nicht gleich morgen."

Uhle setzt vor allem auf Netzwerke. "Die Investoren kommen mittlerweile im seltensten Fall einfach auf uns zu. Wenn also ein Unternehmer von hier über Zulieferer oder andere Aufträge Unternehmen kennt, die sich ansiedeln wollen, wäre eine Vermittlung an uns hilfreich", rief er auch die Gommeraner Unternehmer auf, sich zu beteiligen. Zu den Aufgaben der IMG zählt die Begleitung von Neu- und Erweiterungsinvestitionen.

Ein zweites großes Thema, und damit auch Aufgabenfeld für die IMG, ist das Standortmarketing. Über einen Werbeetat vom Land versuchen sie, auf vielen nationalen, aber auch internationalen Messen auf Sachsen-Anhalt aufmerksam zu machen. Dabei geht es ebenfalls um Standortwerbung, vor allem in der Wirtschaft. "Hier sind wir weg davon, nur unsere Vorzüge zu preisen, denn die habe viele andere auch. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, Erfolgsgeschichten und "Leuchttürme" herauszustellen", erklärte er.

Ist es nicht Zeit, ländliche Regionen zu stärken?

Ähnlich verhalte es sich bei dem Thema Tourismus. Themen, die in Sachsen-Anhalt den Tourismus ankurbeln können, werden von der IMG beworben. Mit einem Blick in die Zukunft sind es vor allem Dauerthemen, die aber durch einen aktuellen Anlass gepusht werden können. Als Beispiele nannte Uhle hier das Luther Jahr 2017, hier werden 500 Jahre Reformation gefeiert. Ein weiteres Beispiel liegt in 2019, hier werden 100 Jahre Bauhaus gefeiert.

Dass das aber nur die großen Höhepunkte in Sachsen-Anhalt sind, wie Wittenberg oder Dessau, die sowieso schon großen Zulauf haben, stieß vielen Gommeraner Unternehmern auf. "Ist es nicht auch langsam Zeit, einmal die ländlicheren Regionen zu stärken und Werbung für die zu machen?", fragte Jesko Vonend. "Es nützt dem Harz beispielsweise mehr, wenn wir Werbung für Quedlinburg machen, das zieht die Leute dann in die Region", argumentierte Uhle.

Gommern hat ein Highlight

Wenn es ein internationales Highlight braucht, um Menschen in die Region zu holen, dann muss im Falle von Gommern nichts Neues erdacht werden. "Wie ich jetzt weiß, hat Luther seinen Weg leicht verändert und ist über unseren Gommeraner Ortsteil Lübs gelaufen, in dem er auch eine Schenke besucht haben soll", trumpfte Bürgermeister Jens Hünerbein auf. Das stieß bei Uhle auf offene Ohren. "Damit hat Gommern gute Chancen - vor allem im Luther-Jahr. Es ist natürlich nicht so herausragend wie Wittenberg, aber etwas, mit dem Gommern punkten kann. Das hab ich mir in jedem Fall notiert", kommentierte Uhle. Die Schilderung müsse noch von einem namenhafter Lutherforscher verifiziert werden, dann aber habe er schon Ideen zur Vermarktung, so Uhle.