Geschnappt hat die Polizei vier Männer, die in den vergangenen Wochen und Monaten dutzende Einrichtungen mit radikalen Schriften beschmiert haben sollen. Taten und Täter ordnet die Polizei in ein politisch rechtes Spektrum ein.

Burg/Genthin l Jedes Ding hat seinen Namen. Wenn ein Gebäude mit Kritzeleien oder Parolen beschmiert wird, nennen dies die Beamten "politisch motivierte Sachbeschädigung". 38 solcher Schmierereien registrierte die Polizei seit März allein in Burg. Sprecher Thomas Kriebitzsch: "Drei von diesen Taten waren links gerichtet, der große Rest gehört zum rechten Spektrum."

Die Schmierfinken-Tatorte liegen über das gesamten Stadtgebiet verteilt. Unter anderem am Weltkriegs-Mahnmal, am jüdischen Friedhof, an verschiedenen Supermärkten oder auch an Bahnschranken. "Bei den rechts motivierten Schmierereien handelte es sich um szenetypische Symbole bis hin zu großflächig aufgebrachten Parolen", sagte Kriebitzsch gestern auf Volksstimme-Anfrage.

Jetzt haben die Polizisten vier junge Männer überführt, die für die Schmierereien verantwortlich sein sollen. Es handelt sich um Leute im Alter von 21 bis 28 Jahren. Kriebitzsch: "Gefunden haben wir bei den Durchsuchungen von zwei Wohnungen unter anderem Spraydosen und Farbe, die zu den Taten passen. Auch Schablonen haben wir sichergestellt." Aus Sicht der Polizei sind die Täter anhand der Beweise überführt. Jetzt liegen die Ermittlungsakten bei der Staatsanwaltschaft in Stendal, die vermutlich ein Verfahren eröffnen wird.

Gefahndet hat die Abteilung Staatsschutz des Burger Polizeireviers. Bereits Anfang April wurde die Ermittlungsgruppe "Sprayer" installiert. Die Beamten stützten sich unter anderem auf Aussagen von Zeugen, die sich nach diversen Veröffentlichungen in der Volksstimme im Revier gemeldet hatte.

Einer der vier jungen Männer ist der Polizei schon häufiger ins Netz gegangen. Kriebitzsch zufolge hat der 21-Jährige etliche rechte Delikte aus der Vergangenheit auf dem Kerbholz. Die drei anderen seien hingegen wegen anderer Vorfälle aufgefallen, unter anderem wegen Diebstahls. Alle vier wohnen in Burg.

Eine der hässlichen Schmierereien betraf im April das sogenannte Panzerdenkmal am Goethepark. Nachdem dort etliche Parolen beseitigt wurden, haben die Männer das stillgelegte Fahrzeug abermal besprüht. Wieder waren es rechtsmotivierte Schriftzüge. Gleiches galt in der Straße Kaiterling für ein Grundstückstor. In derselben Nacht beobachteten Zeugen in der Deichstraße zwei dunkel gekleidete Männer mit Spraydosen in den Händen, die sich eilig in Richtung Kapellenstraße entfernten. Sie hatten eine Hauswand in der Deichstraße mit Rechtsparolen beschmiert. Die Zeugen beschrieben seinerzeit die Männer als 180 bis 190 Zentimeter groß , dunkelblonde Haare mit einem sogenannten Igelschnitt. Im März dieses Jahres gab es mehrere Vorfälle an der Magdeburger Chaussee in Burg, wo die Täter Schmierereien in Form von rechten Schriftzügen auf einer Mauer, einem Verkehrsschild, einem Schaltkasten sowie auf Glascontainer gesprüht hatten. Wegen der Farbe, der sich wiederholenden Symbole und Schriftzüge sowie nach Analyse des Schriftbildes war der Polizei klar, dass es sich um immer dieselbe Tätergruppe handelt.

Im Jerichower Land gab es im vergangenen Jahr laut Polizei 109 politisch motivierte Straftaten. Der größte Teil (79) stammt aus der rechten Szene. Den Rest (25) ordnen die Beamten des Reviers als linksgerichtet ein. 60 Anzeigen gab es wegen Schmierereien im Landkreis.

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