Was wird aus dem alten Fabrikgebäude an der Burger Franzosenstraße 29/30? Die Stadt Burg wollte den Abriss bis zur Landesgartenschau 2018 (Volksstimme berichtete). Der Eigentümer setzt dagegen auf den Erhalt eines etwa zwölf Meter langen Gebäudeteils der Franzosenstraße 29, der straßenseitig an das Haus Nr. 28 grenzt.

Burg l Im Jahre 2005 hatte die Familie Zablocki den Gebäudekomplex Franzosenstraße 28/29/30 gekauft und ist nach der Durchführung von Sanierungsmaßnahmen nach Burg gezogen.

"Von Anfang an hatten wir vor", so Adam Zablocki, "die Ruine am Ihleufer abzureißen und den Rest zu sanieren." Diese Pläne wurden bisher nicht realisiert, auch weil es keine Födermittel dafür gab. Man habe aber versucht, die alte Lederwarenfabrik, später Stadtwirtschaft, baulich zu sichern und den weiteren Verfall zu stoppen.

2012 erhielt die Stadt Burg dann den Zuschlag für die Landesgartenschau 2018. Die Kommune verstärkte ihre städtebaulichen Anstrengungen.

Da das Grundstück der Familie Zablocki nun an das Laga-Gelände "Weinberg" grenzt und im derzeitigen Zustand das geplante Gesamtbild erheblich stört, unterbreitete die Stadt im Jahr 2013 der Eigentümerfamilie den Vorschlag, die Gebäude 29/30 sowie den hinteren Teil der Nummer 28 auf Kosten der Kommune und mit Fördermitteln abreißen zu lassen. 200 000 Euro waren veranschlagt. Zu einer Unterschrift seitens der Eigentümer unter den entsprechenden Bauerlaubnisvertrag kam es aber nicht.

Bei einem Bürgerspaziergang entlang der geplanten Laga-Laufstrecke im September dieses Jahres rückte das alte Industriegebäude dann in den Fokus der Öffentlichkeit. Es gab Nachfragen von Bürgern. Seitens der Stadtverwaltung wurde erklärt, dass ein Komplettabriss nach wie vor angestrebt wird, es aber keine Einigung mit den Eigentümern gab.

Inzwischen sind weitere drei Monate ins Land gegangen. Warum stimmen Adam Zablocki und seine Frau einem Abriss auf Kosten der Stadt nicht zu? "Weil der Komplettabriss für uns nicht wirtschaftlich ist", erklärt Zablocki. Denn nach einem Komplettabriss könne er mit dem Grundstück nichts mehr anfangen. "Ich hätte möglicherweise keine Baurechte mehr, müsste mich um die jetzt überbaute Stadtmauer kümmern und würde womöglich auch noch auf mit Fördermitteln zubetonierten Altlasten sitzenbleiben", so der Eigentümer. Das wäre sein Ruin. Er und seine Frau könnten einem Abriss nur zustimmen, wenn besagter Gebäudeteil an der Franzosenstraße als Rohbau erhalten bleiben würde, als Grundlage für die Wiederbebauung des Grundstücks. "Dieser 400- bis 500-Quadratmeter-Rohbau hat für mich einen Wert von 200 000 Euro", so Zablocki.

Sein Konzept sieht vor, auf dem Grundstück 29/30 "zehn bis 20 Wohnungen in Top-Lage" zu bauen. "Statt den Komplettabriss zu fördern, sollte die Stadt mir helfen, dass viel mehr Fördermittel nach Burg kommen und Investitionen getätigt werden können", so Zablocki.

"Könnte im Falle der Franzosenstraße nicht auch ein Teilabriss von der Stadt gefördert werden?", wollte die Volksstimme von Sonnhild Noack, zuständige Fachbereichsleiterin in der Stadtverwaltung wissen. "Natürlich haben wir auch über die Berücksichtigung eines Teilabrisses nachgedacht, ihn aber aufgrund der Mehrkosten, die durch die statischen Bedingungen entstehen, verworfen", erläutert die Fachbereichleiterin und sagt, dass an den Gebäuden auch seitens der Stadt Erinnerungen hingen, denn "es war mal Teil des Verwaltungssitzes".

Bis zum Ende der Stadtsanierung und auch bis zur Laga 2018 stehe ein Budget zur Verfügung, mit dem vielfältige Aufgaben (Straßen, Wege, Plätze, Grünanlagen) zu bewältigen seien, so Noack.

Und weiter: "Die Mehrkosten, die durch die baulichen Voraussetzungen zum vom Eigentümer angestrebten Erhalt des Gebäudes an der Franzosenstraße entstehen, sind erheblich. Die Stadt konnte und wollte das nicht tragen. Der Eigentümer steht damit heute in der Pflicht. Für die Laga 2018 werden wir eine eigene Lösung finden müssen, sollte dem Eigentümer bis dahin keine Sanierung nach seinen Vorstellungen gelungen sein."

Eigentümer Adam Zablocki hat die Hoffnung auf einen Kompromiss noch nicht aufgegeben. "Wir haben ein Angebot für den manuellen Teilabriss abgegeben. Wir haben ein Gutachten eines Statikers übergeben. Wir haben ein Gutachten über die Altlasten machen lassen. Und als Antwort hören wir Floskeln wie Mehrkosten usw. Wir erwarten endlich belastbare Zahlen. Nur so können wir gemeinsam einen Kompromiss erarbeiten, mit dem beide Seiten leben können", so Zablocki.

Und weiter: "Wenn die Stadt sagt, die Mehrkosten könne und wolle man nicht tragen, frage ich, warum man uns bisher nicht gefragt hat, ob und in welcher Höhe wir diese Mehrkosten mittragen würden."

Der Eigentümer fordert, "dass die Stadtverwaltung im Sinne der Bewohner, Grundstückseigentümer und Gewerbetreibenden, die ihre Steuern bezahlen, handelt. Nichts weniger, aber auch nichts mehr".