Der Wohnungsmarkt im Jerichower Land ist auf die ältere Bevölkerung nicht vorbereitet. Das machen Zahlen des Pestel-Institutes deutlich. Doch die Wohnungsbaugesellschaften haben das Problem erkannt. In Gommern wird ein seit vier Jahren geplantes Projekt ab 2015 umgesetzt.

Möckern/Parey/Gommern l Das Institut hat eine regionale Untersuchung zum Senioren-Wohnen ausgewertet. Demnach leben mittlerweile in 34 Prozent aller Haushalte im Landkreis mindestens ein Mensch, der 65 Jahre oder älter ist. "Der Wohnungsmarkt ist darauf jedoch nicht vorbereitet", sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Frank Müller, Vorsitzender des Landesverbandes Mitteldeutschland vom Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen ergänzt: "Nur ein geringer Teil der insgesamt rund 50500 Wohnungen im Jerichower Land ist überhaupt seniorengerecht". Er spricht von einem "enormen Nachholbedarf" beim altersgerechten Sanieren und Bauen.

Das allerdings sei sehr schwierig, heißt es von regionalen Wohnungsbaugesellschaften, die das Problem längst erkannt haben. "Die sogenannte Wohnraumanpassung war in der Vergangenheit nur in Einzelfällen möglich. Hier wurden in erster Linie Bäder barrierefrei umgebaut, Schwellen beseitigt und Austritte zum Balkon ebenerdig gestaltet", sagt Sigrid Meyer, Geschäftsführerin der Wohnungsgesellschaft Gommern, die rund 500 Wohnungen im eigenen Bestand hat. Wohnungen, die weitgehend barrierefrei ohne Treppenstufe erreichbar sind, sind auch bei der Wohnungsbaugesellschaft Möckern eher die Seltenheit. "Im eigenen Bestand haben wir in Möckern und Parey je ein Objekt mit Aufzug und einzelne Wohnungen mit Rampe oder Treppenlift", erklärt Geschäftsführer Gerald Köhler. Und das, zusammen mit den Wohnungsbaugesellschaften Loburg und Parey sowie Fremdverwaltung, bei insgesamt 2400 Wohnungen. Die Demografie führe zu einem steigenden Anteil älterer Mieter, so Köhler, der damit die Zahlen des Instituts auch ein stückweit bestätigt. "Allerdings sehe ich auch einen zunehmenden Anteil von Senioren mit niedrigem Einkommen, die sich kostspielige altersgerechte Wohnungen schlicht nicht leisten können und so lange wie möglich in ihrem bisherigen Umfeld bleiben werden", sagt der Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Möckern. Er hält eine konkrete Bedarfsanalyse vor Ort für sehr wichtig, "um keine Blase entstehen zu lassen".

Die Wohnungsbaugesellschaft Möckern hat bereits 2013 und 2014 15 "weitgehend barrierefreie Wohnungen" durch Umbaumaßnahmen und Anbau eines Aufzuges geschaffen und dafür 580000 Euro investiert. Im kommenden Jahr werden weitere fünf Wohnungen im innerstädtischen Bereich umgebaut. "In der Pareyer Wohnungsbaugesellschaft werden im kommenden Jahr nach einer Bedarfsanalyse Entscheidungen zu diesem Thema getroffen", erklärt Köhler.

Eine Entscheidung bereits getroffen, hat die Wohnungsgesellschaft Gommern. Sie wird ab 2015 ein seit vier Jahren geplantes Projekt umsetzen. "Dank des jetzt vorliegenden Fördermittelbescheides werden wir die ersten zwei zivilrechtlichen Wohngemeinschaften für Senioren in Gommern schaffen", blickt Meyer bereits voraus. 16 Wohnungen sollen in dieser Wohnform bis 2016 entstehen. "Es wird hier die zusätzliche Betreuung durch einen Pflegedienst geben. Ebenfalls ist der Einzug von Demenzkranken in diese WG möglich", erklärt die Geschäftsführerin.

Beiden Gesellschaften ist die Wichtigkeit des Themas durchaus präsent. "Es hat einen sehr hohen Stellenwert, da wir uns auf die demografische Entwicklung einstellen und unser Vermietungsangebot entsprechend anpassen müssen", sagt Köhler und ergänzt: "Dabei dürfen wir allerdings auch die Wirtschaftlichkeit und die Bezahlbarkeit der Mieten nicht aus dem Auge verlieren."

Die ebenfalls wiederholt angefragten Wohnungsbaugesellschaft Burg und die Städtische Wohnungsbaugesellschaft Genthin haben bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu dem Thema abgegeben.