Loburg l Von "kaum zu überbietender Absurdität" ist in einem Leseranruf die Rede, der für zynische Kommentare bekannte Zeppernicker Autor Ludwig Schumann fühlte sich an Raubrittertum erinnert: "Wir öffnen die Burg, indem wir herausschmeißen und anschließend darf herein, wer in die Kasse zahlt."

Der aus der Loburger Burg herauskomplimentierte Burgförderverein bedauert in einem Schreiben den Beschluss des Ortschaftsrates, dass die Burg künftig dem Verein "Loburger Weg" als alleinigem Nutzer kostenfrei zur Verfügung gestellt wird: "In den letzten zehn Jahren war es dem Förderverein nicht gelungen, gemeinsam mit dem Loburger Weg ein Konzept für eine öffentliche Nutzung der Burg zu erarbeiten", schreibt der Vorsitzende Ulrich von Wulffen. Der Förderverein wolle sich nun, seiner Satzung entsprechend, um andere historisch wertvolle Gebäude der Stadt Loburg kümmern. Erwähnt werden Eigenleistungen in Höhe von 40 000 Euro, die der Förderverein eigentlich in die Burg, nun aber in andere Projekte einbringen werde.

Vorwurf zurückgewiesen

Den Vorwurf, nicht mit dem Burgförderverein kooperieren zu wollen, lässt Ludwig Dommroese, Vorsitzender des "Loburger Weges", nicht gelten: "Das ist ein Alibi-Argument, um uns den Schwarzen Peter zuzuschieben", sagte er der Volksstimme. Als noch Winfried Moschkau Vorsitzender des Burgfördervereines war, sei ein gemeinsames Konzept für die Entwicklung der Burg erarbeitet worden, wenn auch "unter Krampf". Doch in den Jahren seit 2005 sei schlichtweg zu wenig bis gar nichts passiert. Seitens des Burgfördervereines sei wenig dafür getan worden, die Burg voranzubringen, so der "Loburger-Weg"-Vorsitzende. Auch deshalb sei es zu einem Treffen beider Vereine, Mitgliedern des Ortschaftsrates und Ortsbürgermeister Bernd Wünschmann gekommen, so Dommroese: "Beide Vereine wurden aufgefordert, entsprechend ihrer Satzung zu handeln".

Der Entwurf des Beschlusses sei das Ergebnis einer Beratung aller Beteiligten gewesen, verfasst vom Ortschef Bernd Wünschmann, mit nachträglichen Korrekturen durch den Stadtbürgermeister Frank von Holly. Der Stadtchef sagte gestern im Volksstimme-Gespräch: "Die Aufgabenteilung der beiden Vereine sah ich eigentlich als eine sehr gute Lösung für die Burg." Auch er vermisst sichtbare Ergebnisse des Burgfördervereines in den vergangenen Jahren.

"Bürgerhaus ist Murks"

Im Satzungszweck des "Loburger Wegs" liegt der Schwerpunkt auf Heimatpflege und der Vermittlung von Regionalität. Der Burgförderverein hat dagegen den Ausbau und die Unterhaltung der Burg ins Visier genommen. Dabei sieht er eine Chance darin, dass die Burg und ihr Umfeld verstärkt durch Bürger, Vereine und Firmen genutzt werden. Bei einem solchen "Vereinshaus" auf der Loburger Burg will Ludwig Dommroese aber nicht mitmachen: "Das ist doch völliger Murks."

Nicht die zu melkende Kuh

Dem nun vom Ortschaftsrat gefassten Beschluss steht auch der Vereinschef des Loburger Weges mehr als skeptisch gegenüber: "So wie das da formuliert ist, kann es nicht laufen. Wir sind doch nicht die zu melkende Kuh!" Es könne nicht angehen, dass der "Loburger Weg" die Betriebskosten für die Burg aufbringen und erforderliche Unterhaltungsarbeiten am Objekt und Umfeld ausführen solle, aber alle Spenden und Einnahmen aus Vermietung und Veranstaltungen auf ein Konto der Stadt eingezahlt werden müssen, um damit bauliche Maßnahmen zu bezahlen.

Mit dieser Aussage bestätigt Dommroese die Sorge von Loburgs Ortschaftsratsmitglied (und Burgfördervereinsvorstandsmitglied) Andreas Vogler. Der hatte in der jüngsten Ortschaftsratssitzung gefordert, dass der "Loburger Weg" zu dem Beschluss angehört werde: "Weiß denn der Loburger Weg, was da auf ihn zukommt?", hatte Vogler gefragt.

Dommroese sagt dazu im Nachgang: "Ich bin davon ausgegangen, dass der Beschluss im nichtöffentlichen Teil der Sitzung gefasst wird und war deshalb nicht am Sitzungsabend dabei." Dommroese ist sicher, dass sich die beiden Vereine eigentlich gar nicht hätten in die Quere kommen müssen. Zu unterschiedlich seien die Zielsetzungen. Zu den bisherigen Unstimmigkeiten sollen auch Terminüberschneidungen bei der Burgnutzung durch die Vereine zählen.

"Miteinander" als Optimum

In einem als "offenen Brief" an den Vereinsvorsitzenden des Loburger Weg und den Loburger Ortsbürgermeister verfassten Schreiben geht auch der Zeppernicker Ludwig Schumann - Mitglied im Burgförderverein - darauf ein: "Ich sah, dass die beiden Vereine von ihrer Zielstellung eigentlich nur miteinander die Burg vor dem Verfall bewahren können. Der Förderverein hat keine laute Arbeit, aber eine stetige, leise Arbeit gemacht."

Zu dem Konzept des Burgfördervereines gehörte, dass auf der Burg auch eine Art Bürgerhaus entsteht. Ein eigens für Veranstaltungen und Vereine konzipiertes Bürgerhaus fehlt in Loburg. Stattdessen wird etwa für den Neujahrsempfang die Sekundarschule genutzt, die Vereine suchen sich für ihre größeren Feiern Gaststätten in den umliegenden Dörfern.

"Offen für alle Bürger, war das Ziel. Freilich erst nach Instandsetzung der Burg. Dieses Ziel kann freilich nicht Herrn Wünschmanns sein. Dann hätten wir zwei öffentliche Gebäude nebst Rathaus und bald überflüssiger Schule zu unterhalten", schreibt Schumann und zielt dabei auf ein noch im Anfangsstadium befindliches Konzept ab: Es ist bekannt, dass es seitens des Ortsbürgermeisters Bernd Wünschmann die Idee gibt, die ungenutzte Baracke an der "Kesselspringe" für solche Zwecke zu nutzen. Doch auch die müsste erst baulich und mit Kosten verbunden hergerichtet werden.

Wie es auf der Burg weitergehen soll, will der "Loburger Weg" jetzt erst einmal offen lassen. Zuerst müsse mit dem Ortschaftsrat Loburg Klarheit über den gefassten Beschluss geschaffen werden. Dommroese betont: "Ich habe nicht daran gearbeitet, dass der Burgverein jetzt die Segel streicht."

Auf der Internetseite des Burgfördervereines sind die "Offenen Briefe" von Burgverein und Ludwig Schumann komplett nachzulesen. www.burg-loburg.de