Für das Wohngebiet Schenkenteich II hat der Stadtrat Gommern auf seiner jüngsten Sitzung die Aufstellung eines Bebauungsplanes beschlossen. Bedenken äußerte vor allem die Fraktion SPD/Grüne.

Gommern l Für junge Familien Bauland vorzuhalten, um sie nicht an andere Städte oder Gemeinden zu verlieren, ist der Hauptgrund für die Stadt Gommern, ein neues Wohngebiet ausweisen zu wollen. Das ging aus der dazugehörigen Beratung im Hauptausschuss im November hervor und ist nachzulesen im Beschlusstext. Aus Sicht von Walter Schmidt, Vorsitzender der Fraktion SPD/Grüne, fehlen der Beschlussvorlage die "belastbaren Zahlen". Wie viele junge Familien fragen tatsächlich Bauland in Gommern nach?

Er könne die Nachfragen nicht mit einem Aktenordner, gefüllt mit schriftlichen Anfragen nach Baugrundstücken, unterlegen. "Aber das Interesse ist nach wie vor da", sagte Bürgermeister Jens Hünerbein (parteilos). Er sieht in dem geplanten Wohngebiet eine Investition in die Zukunft. "Sonst laufen uns die Leute weg."

Auf der Suche nach einem passenden Baugebiet in der Stadt waren mehrere Faktoren ausschlaggebend: Die Fläche soll vor Hochwasser sicher sein, der Stadt gehören und nicht hinter Bahnschranken liegen.

Mit der Aufstellung des Bebauungsplanes (B-Planes) Schenkenteich II und der vorzeitigen Beteiligung der Träger öffentlicher Belange will die Stadt frühzeitig klären, ob sich das betreffende Gebiet zwischen Stadtgrenze und Wohngebiet Schenkenteich als Bauland eignet und inwieweit die vorhandenen Leitungen (Strom, Wasser- und Abwasser), das Biotop etc. für eine Einschränkung des Baugebietes sorgen.

Frank Krehan (LWGLG) teilte zwar Walter Schmidts Bedenken, wiederholte aber seine Argumentation aus dem Hauptausschuss, dass Schenkenteich II als Wohngebiet geprüft werden soll, solange der Stadt dadurch keine Kosten entstehen. "Mit Ausnahme der Briefmarken", stellte der Stadtchef klar.

Der Hauptausschuss hatte die Beschlussvorlage dahingehend geändert, dass es im Punkt "finanzielle Auswirkungen" nun ausdrücklich heißt: "Nein, als 1. Schritt nur Abfrage TÖB (Träger öffentlicher Belange) und Dritte, ob und in welchem Umfang ein Bebauungsplangebiet ausgewiesen werden kann; danach entstehen Kosten abhängig von der Größe des Gebietes".

Bevor die Stadt für den B-Plan richtig Geld ausgeben würde, würde sich jedoch der Bauausschuss wieder mit dem Thema befassen. Spätestens wenn die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange im Rathaus eingetroffen sind, wird das der Fall sein.

CDU-Fraktionschef Matthias Fickel sprach sich dafür aus, die Sache anzuschieben und "für eine hohe Akzeptanz zu werben".

Walter Schmidt fühlte sich missverstanden und betonte, dass seine Fraktion nicht generell gegen neue Baugebiete sei. Er hätte sich jedoch gern Alternativen zu Schenkenteich gewünscht.

Wie zuvor schon im Hauptausschuss erklärte Sylvia Tetzlaff aus der städtischen Bauverwaltung, dass dem Fachausschuss fünf Alternativen vorgestellt worden seien. Die Wahl der Ausschussmitglieder fiel auf Schenkenteich II.

Die Nachfrage sei da, bestätigte auch Axel Struy (FDP), der als Bauplaner mit der Materie beruflich beschäftigt ist. Wahlitz sei inzwischen an seine Grenzen geraten und hinter Bahnschranken zu bauen, sei nicht lukrativ.

Torsten Kahlo (SPD) machte sich wegen der verkehrstechnischen Anbindung des Wohngebietes seine Gedanken. Auf Antrag von Frank Krehan wurde über die Beschlussvorlage schließlich abgestimmt. Bei drei Gegenstimmen und einer Enthaltung sprach sich die große Mehrheit des Gommeraner Stadtrates für die Aufstellung des B-Planes aus.