Nach ihrer deutlichen Wiederwahl durch die aktiven Kameraden der Ortsfeuerwehren ist die Stadtwehrleitung Gommern vom Stadtrat für weitere sechs Jahre im Amt bestätigt worden. Stadtwehrleiter Heiner Wolter erklärt, worin die Herausforderungen der nächsten Jahre liegen.

Gommern l "Es wird immer schwieriger, Berufsarbeit und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen", sagte Heiner Wolter. In der Stadt werden deshalb Ausbildungen und Übungen an den Wochenenden durchgeführt. Aber wer für einen Lehrgang an das Institut für Brand- und Katastrophenschutz Heyrothsberge muss, hat es oft schwer, für beispielsweise 14 Tage von seinem Arbeitgeber freigestellt zu werden. Obwohl von den Qualifikationen ihrer Feuerwehrmänner oder -frauen die Arbeitgeber durchaus profitieren könnten, wie Heiner Wolter hinzufügte.

Zwar funktioniere die Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt gut, aber der Prozentsatz, der tatsächlich in die aktive Wehr wechsele, sei eher gering. Das liege häufig an den mangelnden Arbeitsplatzangeboten in der Region.

Seit Jahren bilden die Ortsfeuerwehren ihre Dienstanfänger (Grundausbildung) gemeinsam aus. Das heißt, jede Ortswehr übernimmt einen Ausbildungstag. Die Vorteile liegen auf der Hand. Die künftigen Einsatzkräfte lernen nicht nur die einzelnen Feuerwehren und Verhältnisse vor Ort kennen, sondern auch die Kameraden, mit denen sie in absehbarer Zeit gemeinsam zu Einsatzen ausrücken werden. "Wenn man sich untereinander kennt, ist das ein großes Plus", betonte Heiner Wolter.

Damit ist die Zusammenarbeit in der Stadtfeuerwehr Gommern aber längst nicht zu Ende. Übungen an Schwerpunktobjekten werden ebenso gemeinsam durchgeführt wie der jährliche Ausbildungstag und die Stadtwettkämpfe im Feuerwehrsport. Die Alters- und Ehrenabteilung wird jedes Jahr zum Sommerfest eingeladen. Der Zuspruch ist gut, das Treffen beliebt.

Sehr gute Erfahrungen haben die Feuerwehrleute zudem mit der Kleiderkammer gemacht, die Einsatz- und Dienstbekleidung für alle Abteilungen von der Kinder- und Jugendfeuerwehr bis zur Alters- und Ehrenabteilung vorhält und sich auch um Reparaturen kümmert.

Neben ihren Hauptaufgaben Löschen, Bergen, Retten, Schützen sind die Feuerwehrleute in ihren Orten oftmals aus dem gesellschaftlichen Leben nicht wegzudenken. Jubiläen und Dorffeste werden verstärkt genutzt, um Mitglieder zu werben. Auch Quereinsteiger sind gern gesehen.

Dabei muss sich die Stadtwehrleitung um eines keine Sorgen machen: "Die Feuerwehr hat einen guten Ruf", sagte Heiner Wolter. Der Makel der biertrinkenden Kameraden sei lange überwunden. Das bedeute aber nicht, dass nach einem anstrengenden Dienst nicht doch mal ein Bier getrunken werde, um die Ereignisse dabei Revue passieren zu lassen.

Die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Stadtwehrleitung funktioniere sehr gut, sagte Heiner Wolter. Er sprach das Löschwasserkonzept an, für dessen Realisierung die Stadt Gommern sehr viel Geld in die Hand nehmen müsse. "Die Fahrzeugbeschaffung in den nächsten Jahren wird ebenfalls eine große Herausforderung." Zwar entsprechen derzeit alle Fahrzeuge der DIN-Technik, aber viele sind schon 15 bis 20 Jahre alt. "Da ist abzusehen, wann sie ausgetauscht werden müssen." Nach bisherigem Stand kann dabei wenig auf finanzielle Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt gesetzt werden. "Fördermittel gibt es derzeit vor allem für Spezialtechnik."

Mit hohen Kosten ist auch beim Um- und Ausbau der Feuerwehrgerätehäuser zu rechnen, die noch nicht DIN-gerecht sind. Vor allem in Dornburg und Menz muss es bauliche Veränderungen geben.

Von großem Glück sei die Personalunion des 1. stellvertretenden Stadtwehrleiters Ralf Fröhlich als Ortswehrleiter Gommern und Sachbearbeiter Feuerwehr in der Stadtverwaltung.

In der Stadtfeuerwehr Gommern wird eine Einheit für Gefahrengut unter Federführung der Ortsfeuerwehr Gommern aufgebaut. Aus den Erfahrungen der Jahrhunderthochwasser 2002 und 2013 bereitet sich die Feuerwehr zudem spezieller auf so genannte Großschadenslagen vor.

Dafür wird zum einem Personal benötigt, nicht zuletzt Führungskräfte, die jedoch wegen der IBK-Lehrgänge während der Arbeitszeit immer schwieriger auszubilden sind. Und zum anderen braucht es eine technische Einsatzleitung mit entsprechender Hard- und Software, Kartenmaterial etc. "Wir hoffen immer, dass wir von Großereignissen verschont bleiben, aber darauf vorbereitet müssen wir auf jeden Fall sein", setzte der Stadtwehrleiter hinzu. Eine Arbeitsgruppe kümmert sich um die Realisierung.

Die Stadtwehrleitung trifft sich mit den Ortswehrleitern, ihren Stellvertretern und den Jugendwarten sechsmal im Jahr. Gastgeber ist jedes Mal eine andere Ortsfeuerwehr. Bei den Vor-Ort-Terminen möchte Heiner Wolter künftig das operativ-taktische Studium intensivieren. "Es ist bislang zu kurz gekommen, dass wir uns vor Ort mit den Gegebenheiten vertraut gemacht, mal einen Betrieb oder eine andere Einrichtung besucht haben."