Noch sind die Würfel, ob es in Lostau einen Zebrastreifen oder Querungshilfen gibt, nicht gefallen. Der Landkreis stimmt sich mit dem Landesbaubetrieb ab.

Lostau l Als vor drei Wochen auf der Sitzung des Bauausschusses bekannt wurde, dass es in Lostau eventuell keinen Zebrastreifen geben könnte, schlugen die Wellen hoch. Lostau und der Bauausschuss protestierten: Wir wollen diesen Zebrastreifen haben, damit vor allem die Senioren aus dem Wohnpark "Zur Heide" sicher über die Straße kommen.

Auf der Sitzung ist informiert worden, dass der Landkreis sich für die Errichtung von zwei Querungshilfen entschieden habe. Sie würden im Mai gebaut werden.

Auch auf der Sitzung des Lostauer Ortschaftsrates am Dienstagabend gab es zu diesem Thema wieder Fragen, aber keine konkreten Antworten.

Zur vermeintlichen Entscheidung des Landkreises sagt Vorstandsmitglied Bernd Girke, dass der Landkreis ein gewisses Risiko sieht, einen Zebrastreifen durchzubekommen. Die Anlage sei an bestimmte Zahlen der Fahrzeug- und Fußgängerfrequenz gebunden. Girke: "Wir haben eingeschätzt, dass wir mit zwei Querungshilfen am Seniorenheim und in der Nähe des Supermarktes zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und dem Ansatz zum gefahrlosen Überqueren der Straße dennoch folgen." Ein Zebrastreifen, so Girke, würde eine Gefährdung auch nicht 100-prozentig ausschließen, wenn zum Beispiel ein Autofahrer nicht rechtzeitig zum Stehen kommt, weil er zu schnell unterwegs oder nicht aufmerksam genug war.

Der Landkreis habe den Landesbaubetrieb nun schriftlich um eine Stellungnahme zur Errichtung dieser zwei Querungshilfen ersucht. Wenn der Errichtung zugestimmt wird, bauseitig und kostenseitig, dann würde der Landkreis die Errichtung anordnen, sowie das Wetter frei ist.

Girke fasst zusammen, dass nach fachlicher Ansicht des Landkreises der Forderung nach sicherer Überwindung der Straße mit Querungshilfe wirksamer gerecht wird als mit einem Zebrastreifen - und das noch an zwei Stellen.

Dem folgt Zebrastreifen-Initiator Wolfgang Rust nicht. Er hatte im letzten Herbst für die Errichtunge eines Fußgängerüberweges in der Nähe des Seniorenheimes eine große Unterschriftensammlung in Lostau organisiert. Mehr als 700 Lostauer und Einwohner umliegender Dörfer haben ihren Schriftzug unter die gelben Listen gesetzt. Abgesehen davon, dass Querungshilfen viel teurer sind als Zebrastreifen, hält Rust sie für sicherer und vor allem für ältere Menschen mit Rollator oder Rollstuhl besser geeignet.

Er folgt, was die besagten gesetzlichen Voraussetzungen zur Anzahl von Fußgängern und Autofahrern angeht, lieber einer Studie des Gesamtverbandes der Schadensversicherer aus dem Jahr 2013. Die Forscher haben erarbeitet, dass nicht die Verkehrsbelastung oder die Anzahl querender Fußgänger maßgebend für die Sicherheit von Zebrastreifen sind sollten, sondern eher eine Abschätzung des Einflusses auf die Leistungsfähigkeit und die Wartezeiten von Fußgängern und Kraftfahrern. Am besten müssten jene Fußgänger geschützt werden, die aufgrund ihrer körperlichen Verfassung die allerschwächsten Teilnehmer im Straßen- und Fußgängerverkehr sind.

Dem schließt sich auch Wulf Hoffmann an. Der Hohenwarther Verkehrsicherheitsexperte hatten sich zusammen mit Rust für einen Zebrastreifen in Lostau stark gemacht. In den letzten zehn Jahren seiner Berufstätigkeit war der jetzige Polizeidirektor a.D. Hoffmann im Innenministerium für Verkehrssicherheitsfragen tätig. Jetzt unterrichtet er Mitarbeiter von Straßenbaubehörden als Dozent des Studieninstitutes für Kommunale Verwaltung - Sikosa. Wulf Hoffmann meint, dass auch Querungsübergänge einen guten Fußgängerschutz bieten. Sie haben gegenüber Fußgängerschutzwegen den Vorteil, dass der Fußgänger immer nur eine Fahrbahn vor sich hat. In der Mitte angekommen, kann er sich neu orientieren. Und Hoffmann stellt heraus, dass Fußgänger an Querungshilfen an ihrer Sicherheit aktiv teilhaben und sich nicht - wie an einem Zebrastreifen - blind darauf verlassen, dass die Autofahrer auch anhalten werden. Jedoch könne man durch eine kluge Anordnung eines Zebrastreifens mit guten Sichtbeziehungen zwischen Autofahrern und Fußgängern, auffälliger Beschilderung und Markierung und zusätzlicher Beleuchtung diese Nachteile wieder wett machen.

Verwaltungsvorstand Bernd Girke zeichnet die nächsten Arbeitsschritte vor. Wenn die positive Stellungnahme des Straßenbaubetrieb vorliegt, werde der Landkreis die Errichtung der beiden Querungsübergänge anordnen. Gebaut werde, wenn es die Witterung zulässt.

Girke sagt aber auch, dass wenn aus irgendeinem Grund, den er jetzt nicht erahnen könne, der Landesbaubetrieb die Querungshilfen ablehne, der Landkreis wieder auf den Zebrastreifen zurück kommen würde.

Girke fügt an, er werde auf der nächsten Sitzung des Gemeinderates am 17. Februar den Räten die Position des Landkreises persönlich erläutern. In seinem Terminkalender habe er diese Sitzung schon vorgemerkt.

   

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