Die Mitglieder des Fördervereins der Freiwilligen Ortsfeuerwehr Heyrothsberge haben auf ihrer Jahreshauptversammlung am Wochenende beschlossen, ein Ortswappen für ihre Ortschaft zu stiften.

Heyrothsberge l Mit der einstimmigen Entscheidung der Fördervereinsmitglieder am Freitagabend ist ein Schlusspunkt unter eine Posse gesetzt, mit der im Sommer des Vorjahres keiner gerechnet hatte.

Da alle Ortschaften der Einheitgemeinde Biederitz ein Ortswappen haben, weil sie es aus ihrem Status als einst selbständige Gemeinde vor der Gemeindegebietsreform vor fünf Jahren übernommen hatten, war es für die Mitglieder des Heyrothsberger Ortschaftsrates nur logisch und selbstverständlich, dass auch sie sich mit der Bildung ihrer Ortschaft im Mai 2014 ein Wappen und eine Flagge geben. Heyrothsberge war bis dahin ein Ortsteil der Ortschaft Biederitz, konnte sich aber nach dem Gebietsänderungsvertrag von 2010 ab 2014 selbständig machen.

Auf einer der ersten Sitzungen des Heyrothsberger Ortschaftsrates haben sich seine Mitglieder nach Diskussion mit den Bürgern zu einem Wappenentwurf des renommierten Kommunalheraldikers Jörg Mantzsch entschieden. Mantzsch erklärte sich bereit, das Verfahren bis zum Eintrag in die Deutsche Wappenrolle durch den Heroldausschuss zu begleiten.

Doch so weit kam es nicht. Die Kommunalaufsicht des Jerichower Landes intervenierte: Das Kommunalverfassungsgesetz Sachsen-Anhalts lässt Wappen für Ortschaften nicht zu. Ortschaftsräte könnten als Wappenstifter nicht auftreten.

Was auf Verwunderung stieß, weil das neue Wappen ja nicht für "amtliche" Zwecke verwendet werden sollte, sondern der weiteren Ausprägung von Ortsverbundenheit und Heimatstolz dienen sollte. Es ist also nicht als staatliches Hoheitszeichen zu werten. Ein solches Zeichen - das auch im Dienstsiegel geführt wird - kann nur eine Gemeinde, die eine Körperschaft öffentlichen Rechts ist, führen.

So musste man, um zum Ziel gelangen, einen Umweg nehmen. Nicht die Ortschaft oder der Ortschaftsrat agieren als Wappenstifter, sondern nun in diesem Fall ein Verein, der im Rahmen des Zivil- und nicht des Kommunalrechts handelt.

Gemeindebürgermeister Kay Gericke dankte den Vereinsmitgliedern für ihr Mitwirkung. Er forderte den Gesetzgeber auf, eine Möglichkeit zu schaffen, dass solche Umwege unnötig werden. "Sachsen-Anhalt braucht ein demokratisches, eindeutiges und durchschaubares Wappenrecht."

Auf der Jahreshauptversammlung hatte Vereinsvorsitzender Wolfgang Selk auch eine gute Bilanz der Arbeit im Vorjahr gezogen. Der Verein habe mit seinen Anschaffungen für die Feuerwehr dem weiteren Brandschutz gedient. Außerdem ermögliche der Verein mit seinen fast 80 Mitgliedern eine aktive gemeindliche Arbeit. Selk sagte, dass hinter jeder Veranstaltung für die Wehr und die Heyrothsberger Bürger und Gäste sehr viel Arbeit stecke. Deshalb sollte nach Wegen gesucht werden, um die Teilnehmerzahl weiter ansteigen zu lassen. Außerdem sollte nach Regeln gesucht werden, die dazu führen, dass nicht immer nur die gleichen Mitglieder aktiv sind, sondern möglichst alle.

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