Mehr Unfälle, mehr Tote, aber insgesamt weniger Verletzte als noch im Jahr 2013 - das zeigen die Zahlen der Verkehrsunfallstatistik des Polizeireviers. Die Verkehrsteilnehmer über 60 Jahren werden weiter ein Schwerpunkt bleiben. Sie waren für jeden fünften Unfall im Jahr 2014 verantwortlich.

Burg/Genthin l Ein 18-Jähriger will am 28. April des vergangenen Jahres auf der Bundesstraße 1 zwischen Schermen und Burg ein anderes Fahrzeug überholen. Er unterschätzt den Gegenverkehr und es kommt zu einem Zusammenstoß, den der Fahranfänger nicht überlebt. Es war einer von sechs tödlichen Unfällen, die sich im vergangenen Jahr auf den Straßen des Jerichower Landes ereigneten.

Mehr Tote und Schwerverletzte

Die Anzahl der tödlich Verunglückten und der Schwerverletzten hat sich im Vergleich zum Vorjahr gesteigert. Sind 2013 zwei Menschen verstorben, waren es im vergangenen Jahr sechs. "Eigentlich sieben. Ein weiterer Beteiligter ist erst nach mehr als 30 Tagen nach dem Unfall verstorben und fällt damit nicht in die Statistik", erklärt Revierleiter Christian Fenderl. Den 87 Schwerverletzten stehen 68 aus dem Jahr 2013 gegenüber. Hier wurden vor allem mehr Fehler beim Abbiegen und beim Beachten der Vorfahrt gemacht. Überhöhte Geschwindigkeit und zu geringer Abstand haben bei den Ursachen zu Unfällen mit Schwerverletzten ebenfalls zugenommen. "Oft sind es individuelle Fehler, die zu schweren Unfällen führen. Da können wir nicht viel machen", so der Revierleiter. Dennoch seien die Zahlen nichts Ungewöhnliches und würden sich im Langzeittrend auch wiederfinden.

Verkehrsunfälle konstant

Einen leichten Anstieg gibt es auch bei der Anzahl aller Unfälle. Mit 2691 waren es 22 mehr als noch 2013, aber auch über 250 weniger als noch 2009. "Wir sprechen hier von einem beständigen Trend. Die Anzahl hat sich nicht wesentlich verändert", sagt Fenderl. Zurückgegangen sind allerdings die Unfälle, bei denen sich Personen verletzt haben. Mit 242 sind das fast zehn Prozent weniger als noch 2013. "Dieses Niveau hatten wir 2010 das letzte Mal", blickt der Revierleiter auf die Zahlen.

Unfälle mit Älteren nehmen zu

Jeder fünfte Unfall im Jahr 2014 wurde von einer Person über 60 Jahre verursacht. "Wir haben hier definitiv einen Schwerpunkt. Die Zahlen steigen Jahr für Jahr", betont der Revierleiter. Der Langzeittrend belegt das auch eindeutig. Waren im Jahr 2008 noch 260 Senioren ab 65 Jahren Verursacher eines Unfalls, so waren es bereits 320 im Jahr 2014. "Diese Entwicklung ist alles andere als positiv", sagt Fenderl. Fahranfänger zwischen 18 und 25 Jahren waren für jeden zehnten Unfall verantwortlich. "Das geht oft mit der fehlenden Erfahrung einher", erklärt der Revierleiter.

30 Prozent Wildunfälle

Die Hauptunfallursache im Jerichower Land bleiben die Wildunfälle. 806 Unfälle (30 Prozent) hatten 2014 mit kreuzenden Tieren zu tun. "Eine Prävention in dem Bereich ist schwer. Man kann sich wirklich kaum davor schützen", sagt Fenderl. Man könne lediglich, gerade in den Abendstunden, vorsichtiger durch den Landkreis fahren. Mit 388 Unfällen sind auch die Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren eine Hauptunfallursache im Jerichower Land. "Das sind mitunter die typischen Parkplatzunfälle", verdeutlicht der Revierleiter. Zu hohe Geschwindigkeit oder das Benutzen der falschen Fahrbahn führten zu 358 Unfällen. Diese hatten im Ergebnis den größten Anteil an schwerverletzten Personen. Mehr als jeder dritte Unfall mit einem Schwerverletzten hatte eine überhöhte Geschwindigkeit als Ursache. "Das ist ein gewaltiges Problem. Das ist die Aufgabe der Polizei. Da müssen wir im laufenden Jahr mehr machen", erklärt der Revierleiter. Abgenommen haben allerdings die Unfälle unter Alkoholeinfluss. Waren es 2008 noch 67, sind es im vergangenen Jahr nur noch 36 Unfälle gewesen.

Spiegelt Landestrend wider

Die Zahlen der Verkehrsunfallstatistik des Jerichower Landes entsprechen dem Landestrend. "Wir finden uns in den dortigen Zahlen wieder", sagt auch Fenderl. Positiv sei der Rückgang der Unfälle mit verletzten Personen. Auch dass sich durch die Bauarbeiten auf der Autobahn und den damit verbundenen Umleitungen durch den Landkreis keine zusätzlichen Unfälle ergaben, sei als Erfolg zu werten. Problematisch im Landkreis bleiben die Geschwindigkeitsverstöße und der immer mehr werdende Anteil der Senioren als Unfallverursacher. "Das ist ein Schwerpunkt, der uns die nächsten Jahre begleiten wird", fasst Fenderl zusammen.