Biederitz l Ein kleines Stiefmütterchen hier, eine Primel da. Die Imkersfrau bepflanzt den Garten mit den ersten bunten Frühblühern. "Da werden sich meine Bienen aber freuen, meine Königin", sagt Gottfried Klug zu seiner Frau Doris. Seine Frau schmunzelt. Sie ist gerne seine Königin. Hat aber in den vergangenen 31 Jahren gelernt, ihren Mann mit den Honigsammlern zu teilen. Er ist einer von rund 1600 Imkern in Sachsen-Anhalt und pflegt in seinem Garten zwölf Bienenvölker.

In einem Anbau des Schuppens stehen die Holzkästen mit zehn Völkern, im Garten weitere zwei. Unter der Überdachung am Apfelbaum herrscht seit ein paar Wochen wieder reger Betrieb. Ein monotones Summen umgibt den Imker und seine Frau beim Sonnenbad in der Frühjahrswärme.

Gierig fliegen die kleinen Bienen auf die neuen Farbtupfer im Garten, um frische Pollen und Wasser für ihre Brut zu sammeln. "Nektar gibt es noch keinen in der Natur", erklärt der Imker. Die Bienen warten auf Weiden, Kirschen und Linden, die bald blühen. Einen Besuch haben sie den Frühblühern Haselnuss und Birke schon abgestattet, weiß der Imker.

Imker lässt prüfen, ob die Bienen krank sind
Er zieht seine Imkerrobe über, um Proben von seinem Honig aus den Bienenwaben zu entnehmen. "Die kommen zum Bieneninstitut, das überprüft, ob die Völker frei von Krankheiten sind", erklärt Klug. Er züchtet die Königinnen und fährt dafür zu einer Belegstelle in Hundeluft bei Zerbst. Damit er seine Bienen an anderen Orten aufstellen darf, braucht er die Bescheinigung des Berliner Bieneninstituts.

Bisher waren seine Bienen gesund. Auch vor der Varroa-Milbe, die bundesweit in diesem Winter für hohe Verluste bei den Bienenvölkern gesorgt hat, blieben Gottfried Klugs Tiere verschont.

Ein paar Kilometer weiter muss Karl-Heinz Sperfeldt, Vorsitzender des Imkervereins Burg und Umgegend, höhere Verluste beklagen. "Viele der Imker im Verein haben gut zehn Prozent ihrer Bienenvölker verloren", erklärt Sperfeldt.

Zurück zu Gottfried Klug in den Verschlag mit dem Wellblechdach. Er hebt den Deckel der Holzkisten langsam an, während tausende Bienen um ihn herum schwirren. Jedes Volk hat eine einzelne Karteikarte, in die Gottfried Klug alles, was er bei den Bienen macht, notiert. "Entnahme Probe", schreibt der 71-Jährige diesmal auf die Kärtchen. Er öffnet die einzelnen Kästen und sucht nach einer Wabe, in der noch ordentlich Honig vorrätig ist. Zwei Spritzer Nelkenwasser aus der Sprühflasche auf die Waben sollen die Bienen beruhigen. Behutsam hebt er eine einzelne Wabe heraus. Gemeinsam bilden die Bienen eine dunkle Fläche über den kleinen Zellen. Der Imker sucht nach der Königin, schaut ob die Zellen belegt sind. Seit Februar sind die Bienen aktiv. "Das sieht gut aus", murmelt er. Die Königin hat Eier in die Zellen gelegt. Die Ammenbienen versorgen wimmelnd die Brut. Der Honig in den Waben ist zum Teil noch Reserve, den sich die Bienen für den Winter angelegt haben.

Erster Honig wird im Mai geerntet
Mit einem kleinen Löffel kratzt er eine Probe voll mit dem klebrigen Saft von der Wabe und streift ihn in einem Glas hinter sich ab. Ganz langsam. Die Bienen lassen sich von dem kleinen Raubüberfall nicht stören. "Ihr kennt mich doch", sagt er zu den Bienchen. Seine Völker züchtet er so, dass sie sich nicht aggressiv verhalten.

Bei jedem Bienenvolk entnimmt er eine Probe. Bis das Ergebnis da ist, heißt es warten. Untätig bleibt der Imker nicht. Bis er den ersten Honig "Frühjahrstracht" im Mai schleudern kann, muss er die Deckel seiner Bienenvölker noch etliche Male öffnen. Gut alle zehn Tage wird er kontrollieren, wie sich das Volk entwickelt.

"Ein Hobby, das viel Zeit kostet", weiß Doris Klug. Dafür wird ihr Mann bis August rund 60 Kilo Honig pro Volk ernten. Nun braucht es nur noch mehr Blüten in der Natur. Für klebrigen Nachschub im Hause Klug.

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