Bis auf zwei, drei Konzerte im Jahr steht das Glashaus mit Plenarsaal am Genthiner Arbeitsamt leer. Das soll sich ändern: Der Landkreis will hier ein modernes Museum unterbringen und gestalten.

Genthin l Es muss etwas passieren mit dem gut 150 Jahre alten Haus des Kreismuseums an der Genthiner Mützelstraße. Das ehrwürdige Gebäude wirkt gebrechlich wie eine morsche Parkbank aus Holz. "Es gibt nicht nur brandschutztechnische Probleme", erklärt Amtsleiter Henry Liebe. Zu den dringend nötigen Sanierungsmaßnahmen gehört eine Außentreppe als Fluchtweg aus dem Obergeschoss. Für den Landkreis steht fest: Das Museum für viel Geld als Besucherhaus herzurichten, macht wirtschaftlich keinen Sinn. Das Dachgeschoss ist ohnehin nicht mehr für Ausstellungen nutzbar.

Diskutiert werden drei museale Zukunftsvarianten. Erstens: Das Kreismuseum wird ins Kloster Jerichow integriert. Dazu wird es jedoch nicht kommen, weil der Südflügel für drei Millionen Euro hergerichtet werden müsste. Zudem meinte Jerichows Ortsbürgermeister Andreas Dertz kürzlich im Kulturausschuss des Kreistages: "Der Museumsstandort sollte in Genthin bleiben." Zweitens: Das Museum wird in die Genthiner Multifunktions-Arena integriert. Diese Arena soll in den kommenden Jahren aus dem Stadtkulturhaus am Waschmittelwerk entstehen, mit Bildungszentrum, Kita, Krippe, Grundschule, Sporthalle und Veranstaltungssaal in einem Komplex.

Attraktivste Idee ist jedoch Variante drei: Zwischen Arbeitsamt und Sparkasse wird dem leerstehenden Glashaus neues Leben eingehaucht. Präsentiert werden sollen die Ausstellungen in den Räumen der ehemaligen Gaststätte im Erdgeschoss. Amtsleiter Henry Liebe: "Vielleicht ist es möglich, den Plenarsaal im Obergeschoss doppelt zu nutzen - sowohl fürs Museum als auch für Veranstaltungen und Konzerte."

Landrat Steffen Burchhardt meint: "Egal wie wir uns entscheiden, wenn wir das Kreismuseum als Institution erhalten wollen, müssen wir Geld in die Hand nehmen." Liebe: "Immerhin haben wir den staatlichen Auftrag, Kulturgut zu erhalten." Laut einem Vorkonzept des Landkreises wird das bisherige Museumshaus weiterhin als Archiv beziehungsweise Magazin genutzt, jedoch nicht mehr für Besucher. Museumsleiterin Antonia Beran sieht der Zukunft mit gemischten Gefühlen entgegen: "Ich habe hier sehr gern in unserem Haus mit der Dauerausstellung gearbeitet. Aber es ist auch jedem klar, dass der bauliche Zustand des Hauses nach Veränderungen schreit." Immerhin: Im Museumsarchiv lagern mehr als 25000 Exponate. Zwischen beiden Orten liegen nur wenige hunderte Meter.

Kulturausschuss-Vorsitzender Hartmut Dehne meint: "Es gibt sicher Exponate aus dem Museumsarchiv, die man Heimatvereinen überlassen könnte." Eine Idee, die Antonia Beran nicht gefällt: "Da hätte ich Sicherheitsbedenken." Sie will im Dezember eine Art Versuchsballon starten: "Wir planen im Rahmen der Weihnachtsstraße eine Eisenbahnmodell-Ausstellung im gläsernen Kreishaus."

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