Zwei Vertreter des Indianerstammes der Irokesen waren am Sonnabend in Friedensau zu Gast. Am frühen Nachmittag hielt der Mohawk-Irokese Dough George-Kanentiio einen Vortrag über die Irokesen, am Abend sang Joanne Shenandoah indianische Lieder.

Friedensau l Die beiden Gäste brachten nicht weniger mit nach Friedensau, als ihre Kultur und ihre Religion. Was Dough George-Kanentiio in der Kulturscheune Friedensau zu berichten wusste, erinnerte stark an den weltbekannten Indianerspruch, demzufolge die Menschen erst dann begreifen, dass man Geld nicht essen kann, wenn sie die Natur zerstört haben. Der Mohawk-Irokese appellierte an seine Zuhörer, die Rechte von Mutter Erde (siehe Info-Kasten) zu wahren: "Wir sind unseren nachfolgenden Generationen gegenüber verpflichtet, diese Erde zu bewahren. Jeder unserer Nachgeborenen hat das Recht auf sauberes Wasser, saubere Luft und eine intakte Erde."

Ihm zufolge besteht zwischen Deutschen und Irokesen eine besondere Verbindung. Sie rührt von ersten Siedlern aus dem Rheinland her, die im 18. Jahrhundert bei den Irokesen siedelten, weil sie vom friedlichen Zusammenleben der Indianer mit der Natur gehört hatten. "Aus den Freundschaften gingen Ehen hervor. Manch ein Irokese heißt daher Müller oder Schmidt", sagt Dough George-Kanentiio.

Viele Spuren in der Zivilisation hinterlassen

Die Irokesen haben in der "zivilisierten" Welt tatsächlich Spuren hinterlassen: Ihre Kultur inspirierte die Friedens- und Frauenpolitik, ebenso die "grüne" Politik. Der Irokesenschnitt (eigentlich ein Symbol für nahenden Kriegspfad) begeistert Jugendliche und ohne die schwindelfreien Indianer gäbe es New Yorks Skyline nicht.

Die Religion der Irokesen fußt auf dem Glauben, dass sie von Plejaden auf die Erde gekommen sind und dorthin die Seelen der Verstorbenen zurückkehren. Erster Mensch auf der Erde war die Himmelsfrau, welche von Vögeln auf die Erde geleitet wurde, auf einer Schildkröte (Turtle Island = Nordamerika) landete und eine Tochter in sich trug. Die Tochter wiederum gebar zwei Söhne, welche die Welt letztlich einrichteten. Der eine Sohn machte die Dinge guten Wesens, der andere die schlechten. "Mit den Männern fing auf der Erde der Kummer an", sagt Dough George-Kanentiio, "bis heute kämpft in unseren Köpfen das Gute gegen das Böse".

Bei den Irokesen treffen die Stammesmütter wichtige Entscheidungen, erklärt George-Kanentiio den Zuhörern.

Mit der Musikerin Joanne Shenandoah trat am Abend eine weitere Vertreterin der "Irokesen-Liga" an das Mikrofon der Friedensauer Festscheune. Die Tochter einer solchen Stammesmutter der Oneida-Irokesen ist eine der anerkanntesten Interpretinnen der Musik amerikanischer Ureinwohner. Wenngleich auch Gitarre und E-Piano zum Einsatz kamen, so waren es doch vor allem die unbegleiteten indianischen Gesänge, bei denen Joanne Shenandoah mit ihrer kräftigen Stimme ihr Publikum in ihren Bann zog. Auch beeindruckend: der Klang einer Flöte aus 300 Jahre unter Wasser gelagertem Holz, welche auch bei medizinischen Riten verwendet wird.

Mal ließ Joanne Shenandoah ihr Publikum mit geschlossenen Augen meditieren, dann ließ sie es mitsingen, letztlich sogar in einem riesigen Kreis um die Stuhlreihen tanzen.

Dass es in Friedensau erneut zu einem herzlichen Kontakt zwischen Deutschen und Irokesen kam, ist der Leiterin des Friedensauer Zeltplatzes und Hochseilgartens zu verdanken. Sabine Schorcht hatte Dough George-Kanentiio und Joanne Shenandoah bei einer USA-Reise kennengelernt und eingeladen.

"Wenn Sie wollen, kommen wir im nächsten Jahr gerne wieder", boten die Gäste aus Nordamerika den Besuchern der Scheune an. Der Applaus machte deutlich: die Deutschen wollen es.

 

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