Schopsdorf l Die Wölfe haben innerhalb von drei Wochen das zweite Mal in unmittelbarer Nähe des Truppenübungsplatzes Altengrabow zugeschlagen. Am Wochenende war ein Kalb einer Mutterkuh-Herde der Agrargenossenschaft Schopsdorf das Opfer (Volksstimme berichtete). "Wir sind ja froh, dass nicht eine Mutterkuh dran glauben musste", so Uwe Menge, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Schopsdorf.

Die Herde steht auf einer Koppel auf dem Klingeberg zwischen Drewitz und Dörnitz. Uwe Menge: "Die Tiere waren in den letzten Tagen schon unruhig. Das war deutlich zu merken."

Vermutlich streiften da bereits die Wölfe um die Koppel herum. Die Kühe mit ihren Kälbern können nicht von der Koppel entweichen. "Da war es sicher ein leichtes Spiel für die Angreifer, sich ein Kalb zu holen", so der Vorsitzende. Sofort nach Entdecken der Überreste des Kalbes informierte Uwe Menge Andreas Berbig. Er ist Ansprechpartner für Schadensfälle an Nutztieren bei der Referenzstelle Wolfsschutz des Landes Sachsen-Anhalt. "Da die Beine des Tieres durchgebissen waren, konnte auch er davon ausgehen, dass hier Wölfe am Werk gewesen waren", erklärte Uwe Menge.

"Die Tiere waren in den letzten Tagen schon unruhig."

Uwe Menge, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Schopsdorf

Noch am Sonnabend zum Tag der offenen Tür auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow hatte sich der Vorsitzende der Agrargenossenschaft noch etwas über das Wolfsmonotoring in einem Vortrag angehört. "Und dann so etwas. Das ist schon kurios." Die Agrargenossenschaft Schopsdorf hat nun die Möglichkeit, Antrag auf Schadensersatz zu stellen.

Bei dem Wolfsangriff im Damwildgatter bei Wüstenjerichow Mitte April waren zwei Hirsche und vier trächtige weibliche Tiere getötet worden. Auch das Damwildgatter befindet sich in unmittelbarer Nähe des Truppenübungsplatzes Altengrabow, auf dem Wölfe leben.

Die Wölfe hatten sich damals unter der Einzäunung an mehreren Stellen des Geheges durchgegraben und waren so in das Gehege eingedrungen. Edmund Herrmann: "Nach drei Wochen hat die Besitzerin des Damwildgatters die Bestätigung erhalten, dass sie einen Antrag auf Entschädigung stellen kann."

Edmund Herrmann, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, wird ab sofort die Koordinierung derartiger Schadensfälle in die Hand nehmen. "Betroffene melden sich bitte sofort nach dem Bemerken eines möglichen Wolfsangriffes bei mir. Wir werden dann gemeinsam die weiteren Schritte einleiten", so Herrmann. Er ist telefonisch unter der Rufnummer 03921/99 02 84 zu erreichen.

Ein knappes Jahrhundert hatte der Mensch in Deutschland Ruhe vor dem Wolf. Am 27. Februar 1904 war in der Lausitz das letzte frei lebende Exemplar erschossen worden. 90 Jahre später tauchte der Wolf genau dort wieder auf. Seither breitet er sich in einem atemberaubenden Tempo vom Osten in Richtung Westen aus. Die intensive Landwirtschaft mästet auch Rehe, Rotwild und Wildschweine - und deckt damit den Wölfen den Tisch. Inzwischen ist ihr Bestand bundesweit auf 25 Rudel mit etwa 200 Tieren angewachsen.

Heute gilt das Rudel Altengrabow mit 14 von einst 16 Tieren als größtes im Land - aber längst nicht mehr als einziges.

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