Einmal Europaschule, immer Europaschule? Die Burger Sekundarschule "Carl von Clausewitz" hat sich den Titel 2004 zwar erkämpft, aber nicht das Recht, auf ewig sich mit der Bezeichnung schmücken zu können. Die Schule wird vom Landes-Bildungsministerium in Jahresabständen überprüft und muss sich bewegen, um mit immer neuen Ideen und Projekten den strengen Maßstäben für eine Europaschule gerecht zu werden.

Burg. "Der Weg zum Zusatz Europaschule ist kein Selbstzweck, sondern soll bei den Schülern Wichtiges an Wissen und Haltung erreichen", meint Lehrerin Ines von der Weth. Sie ist in dem fünfköpfigen Europateam, einer aus Pädagogen bestehenden Anleitungsgruppe, die Europakoordinatorin. Ihr Kollege Jürgen Wust kümmert sich um die Schulpartnerschaften. Ansonsten gibt es noch Lehrer, die die Dokumentation, die Schulprojekte und die Organisation von schulischen Höhepunkten, die in englischer Sprache stattfinden, verantworten.

"Europaschulen machen es sich zur Aufgabe, Schülern auf ein Leben im Haus Europa vorzubereiten. Es sollen europaorientierte interkulturelle Kompetenzen durch Wissensvermittlung, Begegnung und Dialog mit Menschen anderer Ländern vermittelt werden", umreißt von der Weth das große Ziel. So trocken, wie sich die Sätze anhören, wird die Europaidee den Schülern natürlich nicht nahe gebracht. Oder hätte man vermutet, dass seit einigen Jahren versucht wird, Fächer in englischer Sprache abzuhalten? Diese Form der Unterrichtsstunden nennt sich bilingualer Unterricht.

Die Europakoordinatorin: "Zugegeben, diese Lehrvariante ist an einer Sekundarschule nicht einfach umzusetzen. Begonnen haben wir mit Geografie. Der Schulstoff über Australien, auch wenn der Erdteil nicht Europa ist, wurde in Englisch unterrichtet." Als gemerkt wurde, dass die Schulstundenform bei einem Teil der Mädchen und Jungen gut ankommt, wurde ein zusätzliches Fach ausgesucht. Im Schuljahr 2007/2008 kam Biologie dazu. Ausgesucht wurde das Thema "Auge". Eine Englisch- und eine Biologielehrerin standen im Duo vor der Klasse. "Sie vermitteln, festigen und kontrollieren gemeinsam diesen Stoff und konnten feststellen, dass die Schüler mit Begeisterung bei der Sache sind", ergänzt Ines von der Weth.

Ein wichtiger Punkt des Jahresprogramms der Europaschule sind die Kontakte zu Partnerschulen. "Begonnen hat alles mit der Gummersbacher Realschule am Steinberg", sagt Jürgen Wust. Burg unterhält seit 20 Jahren eine Städtepartnerschaft zur Kreisstadt des Oberbergischen Landkreises in Nordrhein-Westfalen. Aufwendiger wurde die Suche nach geeigneten Schulen außerhalb der Grenzen Deutschlands. "In vier Ländern wurden wir fündig, so in Polen, Schweden, Dänemark und Italien", erzählt Wust. Nicht immer klappt es, die Kontakte zu halten. Aber mit dem polnischen Gymnasium Nr. 1 der Stadt Skarzysko-Kamienna und der dänischen Schule Olgod bei Esbjerg bestehen sie weiterhin bestens. Mit ihnen soll das Ende der Fahnenstange nicht erreicht sein. Über die etwinning-Internetplattform wird Ausschau nach weiteren Schulpartnerschaften gehalten. "Wir konzentrieren uns auf Osteuropa, fanden 13 Schulen verteilt unter anderem auf Bulgarien, Estland, Ungarn und die Slowakei, mit denen wir mehr als nur Datenverbindung halten möchten", schildert Jürgen Wust. Übrigens ist dies die spezielle Aufgabe der 7. Klassen.

Überhaupt wurden für jede Klassenstufe unterrichtsbezogene Europaprojekte ausgesucht: Die 5. Klassen nehmen sich europäischer Märchen und Weihnachtsbräuche an. Die Sechstklässler schauen sich näher europäische Länder und deren Besonderheiten an, die 7. Klassen erkunden "Olympia - gestern und heute" und die 8. Klassen die europäische Küche. Die 9. Klassen erforschen, warum Englisch eine Weltsprache ist und die 10. Klassen schließlich Sinn und Zweck der Europäischen Union.

"Gern würden wir erneut Treffen für unsere Partnerschulen hier in Burg organisieren. Aber damit müssen wir uns etwas gedulden. Bekanntlich ist unsere Clausewitz-Schule eine Baustelle. Aber nach dem Ende der Sanierung werden wir sie 2012 wieder an unsere Schule einladen", versprechen Ines von der Weth und Jürgen Wust.