Burg. Es ist ein Thema und es wird eines für die nächsten Jahre bleiben, prognostiziert Dr. Wolfgang Laßmann. Der juristische Mitarbeiter und Referent beim Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen in Sachsen-Anhalt bot in dieser Woche mit drei seiner Kollegen einen Beratungstag in Burg an. Etwa 50 Leute nutzten die Gelegenheit, Anträge verschiedener Art zu stellen.

Noch immer machen laut Laßmann Anträge auf Einsicht in die eigene Stasi-Akte den Großteil der Anfragen, 80 bis 90 Prozent, aus. "Da gibt es zwei Gruppen: Die, die zum ersten Mal die Einsicht beantragen und die, die einen Wiederholungsantrag stellen." Da erst nach und nach die Bestände in den Stasi-Unterlagenbehörden erschlossen werden, mache ein Wiederholungsantrag aller zwei Jahre Sinn. Der Kreisbestand von Burg sei zu 99 Prozent erschlossen, der in Genthin zu 84 Prozent. "Neue Anträge gibt es auch heutzutage noch oft, weil die Menschen sich im Alter an das Bilanzziehen machen und mit Abstand auf die Ereignisse in ihrem Leben den Wunsch verspüren, genauer zu wissen, was passiert ist", berichtet Laßmann von seinen Erfahrungen.

Die übrigen Anträge, die bei den Beratungstagen erfasst werden, beschäftigen sich zumeist mit den Rehabilitierungs- und Pensionsansprüchen wie Opferrente für politisch Inhaftierte oder Heimunter- bringung.

Die Beratungstage werden landesweit durchgeführt, im Schnitt sind es 40 im Jahr. "Wir versuchen, aller zwei Jahre vor Ort zu sein", erklärt Laßmann. In Burg war man zuletzt 2009, insgesamt gab es in der Stadt fünf Beratungstage. Im Schnitt kommen 50 bis 60 Bürger. In den Jahren 2007 und 2009 war das Interesse jedoch deutlich höher. "Das lag zum einen an dem Gesetz der Opferpension, dass 2007 erlassen wurde und 2009 an dem 20. Jahrestag des Mauerfalls", begründet Laßmann.

Der Referent des Landesbeauftragten sieht auch für die kommenden Jahre den Bedarf der Beratungstage vor Ort. Das habe zum einen pragmatische Gründe: "Zu uns kommen vor allem ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind, in unser Haus in Magdeburg zu kommen." Außerdem sei die Antragstellung einfacher, da neben dem Ausfüllen der Formulare auch die Identität nachzuweisen ist. "Das erledigen wir hier gleich mit."

Aber auch psychologische Gründe spielten eine Rolle: "Auch die Einwohnermeldeämter führen den Identitätsnachweis. Aber die Menschen wollen keinen Tratsch in ihrer Gemeinde. Sie nutzen die Anonymität unserer Beratung", so Laßmann. Tatsächlich scheuten die Interessierten auch das Gespräch mit der Volksstimme. Keiner der Besucher wollte seine Geschichte erzählen, auch nicht in anonymisierter Form.

Zusätzlich sei auch die Gesetzeslage ein Grund, warum die Beratungstage weiterhin angeboten würden: "Bis 2019 können Rentenansprüche geltend gemacht werden. Viele beschäftigen sich erst, wenn es soweit ist, mit diesem Thema", erklärt Laßmann.