Der Verein Lebenshilfe setzt sich dafür ein, dass behinderte Menschen gleichberechtigt und so selbständig wie möglich in der Gesellschaft leben können. Seit 1999 bildet die Werkstatt das Zentrum der Einrichtung. Von deren Angebot überzeugte sich gestern der Landesbehindertenbeauftragte Adrian Maerevoet.

Burg. In der Werkstatt wird Lohnarbeit mit pädagogischen und therapeutischen Angeboten verbunden. Unter Anleitung von qualifizierten Mitarbeitern erledigen behinderte Menschen Montage- und Verpackungsarbeiten. "Sie haben hier wirklich ein vielfältiges und erstaunliches Angebot. Ich bin positiv überrascht", sagt Maerevoet beim Rundgang durch die Einrichtung mit Leiterin Renate Nicklas.

Die Angebote werden mittlerweile von 530 Behinderten und nicht behinderten Menschen genutzt. "Wir konnten unsere Produktionsbereiche so weit ausbauen, dass wir Arbeitsplätze für alle Behinderungen anbieten können", erzählt Nicklas. Der Verein Lebenshilfe hat 150 Mitglieder und 60 Mitarbeiter, die sich gemeinsam für das Ziel engagieren, dass Menschen mit Behinderung als "normal" angesehen werden.

Dem Rundgang folgte eine Gesprächsrunde, in der sich auch Betroffene mit Fragen an den Landesbehindertenbeauftragten wenden konnten. Dabei spielten Themen wie Barrierefreiheit, Behindertenausweis und persönliches Budget eine ganz wichtige Rolle. "Meine Aufgabe ist es, die Situation im Land einzuschätzen und eventuell Ratschläge zu geben". Dabei ist eine Kommunikation mit den Gemeinden sehr wichtig, weiß Maerevoet. 260000 Menschen sind in Sachsen-Anhalt behindert und für jene seien genau solche Einrichtungen wie die Werkstatt sehr wichtig, so Maerevoet. Aber aufgrund der demografischen Entwicklung sieht der Landesbehindertenbeauftragte auch Chancen auf dem 1. Arbeitsmarkt für diese Menschen. "Die Überalterung hat zur Folge, dass bald Arbeitskräfte fehlen, und dies kann eine Gelegenheit auch für Menschen mit Behinderung sein, umso wichtiger ist deren Selbstständigkeit", betont Maerevoet.

Schritt für Schritt konnte das bereits in der Lebenshilfe erreicht werden. "Erst kürzlich konnten wir zwei Jugendliche in die eigene Wohnung entlassen", erzählt Nicklas. "Dieser Weg ist ganz wichtig und dabei gibt es immer Entwicklungspotenzial", bestätigt Maerevoet.