Gommern hat eine neue Adresse zum Treffen, Schimpfen und in gewisser Weise zum Fithalten. Der neue Grünschnittplatz zwischen der Kleingartenanlage und der Ehle wird bestens angenommen. Und das nach nur zwei Tagen.

Gommern. Der ältere Herr, der gerade eine Schubkarre voller Koniferen-Gestrüpp abgeladen hat, ist skeptisch: "Ja wenn es dabei bliebe, dass hier nur Grünschnitt abgelagert wird, dann ging es ja..." Tatsächlich sei zu befürchten, dass "schon morgen hier die ersten Kühlschränke stehen".

Schon bald droht Mengenproblem

"Hier", das ist Gommerns neue Top-Adresse für Kleingartenbesitzer, die das Brennverbot eiskalt erwischt hat. Dass es sich eigentlich um die "Aufhebung der Ausnahmeregelung des Brennverbotes" handelt, ist den Leuten hier schnurzegal. Wie am Fließband geht es hier schon den ganzen Tag so, und gestern auch: Mit Schubkarren kommen die aus den benachbarten Gärten, die von weiter weg mit dem Auto, im Kofferraum die Grünschnittsäcke.

Die Kleingärtner am "Weinberg" sind insofern zufrieden, als dass sie endlich wieder einen Ablageplatz haben. Den gab es bis vor zwei Tagen nämlich noch nicht. Innerhalb von zwei Tagen hat sich der neue Platz am ehemaligen Klärwerk dermaßen gefüllt, dass ein erstes Abholen durch die AJL fällig wird. Auch Gommerns Bürgermeister Wolfgang Rauls (FDP) bemerkt: "Wir haben hier wahrscheinlich bald ein Mengenproblem."

Das Stadtoberhaupt findet es übrigens gar nicht angebracht, was der Landrat Lothar Finzelberg über die Medien verkünden ließ: "Nur weil keiner sofort lautstark protestiert hat, heißt das noch lange nicht Zustimmung zu der jüngst erlassenen Aufhebung der Gartenfeuer- regelung." Er sei auch nicht vorab informiert worden.

Wolfgang Rauls erinnert daran, dass die Stadtverwaltung von Gommern schon vor Monaten der Abfallwirtschaft AJL den Platz am alten Klärwerk bei den Kleingärten vorgeschlagen hatte. Man habe dann allerdings ewig auf eine Reaktion gewartet. "Doch dann kam lange nichts." Erst am vergangenen Freitag habe der Landkreis sich gemeldet, ob der Platz noch aktuell sei.

Rauls: "Zeitpunkt unklug gewählt"

Die Stadt Gommern hatte bereits vor längerem die als freiwillige Leistung betriebene Kompostierungsanlage an der Straße nach Vehlitz aus Kostengründen schließen müssen. Die AJL hatte angeregt, eine neue, kommunale Fläche auszuweisen, die dann regelmäßig beräumt werden würde. Rauls verwehrt sich gegen die offenkundige Erwartungshaltung des Landkreises, dass die Stadt den Grünschnittplatz einrichtet: "Das ist ja wohl Sache des Landkreises. Wir stellen maximal die Schilder auf." Den vom Landrat Lothar Finzelberg gewählten Zeitpunkt zur Aufhebung des Brennverbotes hält auch Gommerns Bürgermeister für äußerst unklug gewählt.