Burg/Genthin. Mehrheitlich beschlossen hat der Kreistag kürzlich einen umstrittenen Punkt namens "Sportförderung". Es geht um eine mit öffentlichem Geld geförderte Stelle für eine sogenannte Fachkraft Sport beim Kreissportbund (KSB). Die soll pro Jahr rund 30 000 Euro kosten. Begründung des Landkreises: Auf diese Weise wird der Verwaltungsaufwand für den Kreis verringert. Kreisvorstand Bernhard Braun sagte: "Ohne diese Stelle läuft der Sport im Landkreis Gefahr, für die 150 Sportstätten im Jerichower Land keine Fördergelder mehr zu erhalten." Schon eine Woche vor dem Kreistag gab es im Kreisausschuss eine gehörige Portion Kritik an dieser Beschlussvorlage. Hauptvorwurf: Das Thema ist zuvor in keinem der Fachausschüsse besprochen worden.

Eine Reaktion folgte prompt: Genau eine Stunde vor dem Kreistag wurde eine Finanzausschuss-Sitzung einberufen. Hier präzisierte SPD-Fraktionsvorsitzender Matthias Graner seine Kritik aus der Vorwoche: "Die Verwaltung ist augenscheinlich nicht gewillt, nach Alternativen zu suchen." Graner hat noch eine andere Entdeckung gemacht: "Unter anderem begründet die Verwaltung diese Form der Sportförderung mit einem neuen Erlass der Landesregierung. Allerdings unterscheidet sich dieser Erlass nur marginal von seinem Vorgänger."

Und noch eine Frage machte die Runde im Kreistag: Werden auch Sportvereine gefördert, die nicht Mitglied im KSB sind? Herbert Buhe vom KSB sagte: "Mir sind keine solchen Vereine bekannt. Sie sind in der Regel schon wegen Versicherungsfragen im KSB organisiert."

Dass der Inhalt des Beschlusses nicht allen Kreistagsmitglieder klar war, zeigte die Diskussion um den Passus "... die örtlich vorhandenen Sportverbände". Etliche Kreistagsmitglieder verwechselten den Begriff mit Vereinen, die nicht im KSB organisiert sind. Tatsächlich handelt es sich um Dach-Organisationen der verschiedenen Sportarten wie Kreisfachverband Fußball, Volleyball etc.

Zum KSB gehören derzeit 135 Vereine mit 14 200 Mitgliedern. Wilmut Pflaumbaum (FDP) sagte: "Also reden wir von einer Förderung von lediglich 2,50 Euro pro Mitglied." Kreisvorstand Braun sieht es ähnlich: "Der Zuschuss des Jerichower Landes fällt im Vergleich mit anderen Landkreisen relativ gering aus." Kreistagsvorsitzender Mathias Fickel (CDU): "Mit dem wenigen Geld erreichen wir eine maximale Förderung."

KSB-Geschäftsführer Bernd Mittelstädt: "Im Rahmen der Förderung geht es auch um die Begleitung von mehr als 5000 jungen Sportlern. Ohne diese Stelle steht das Sportzentrum am Seedorfer Weg in Genthin auf der Kippe. Matthias Graner: "Die Art und Weise der Beschlussvorlage sowie der unbegründete Termindruck sind absolut fragwürdig. Zumal der KSB seit November über dieses Thema spricht."