Mitglieder mehrerer historischer Darstellungsgruppen haben am Wochenende eine Tradition der Region fortgesetzt und mit Biwakleben, Gefechtsdarstellungen und Kranzniederlegungen an die Befreiungskriege erinnert, die vor gut 200 Jahren auch in unserer Region tobten.

Vehlitz/Dannigkow/Ladeburg. Mit einem Zug zum 1813-Denkmal von Vehlitz endete am Sonntag das Biwak, welches in der Ortsmitte von Vehlitz aufgebaut worden war. Mit dem Kranz gedenke man der Opfer beider Seiten, betonte Marco Thiele, der als Vereinsvorstand der "6-pfündigen Fußbatterie Nr. 16 der brandenburgischen Artilleriebrigade 1813" die Gesamtleitung des Biwaks inne hatte. Auch an die vielen Opfer der zivilen Bevölkerung wird bei den Ehrungen an den Gedenksteinen in Dannigkow, Ladeburg und Vehlitz erinnert.

Wenngleich es Skeptiker gibt, verstehen die historischen Darsteller ihre Veranstaltungen als Erinnerung und Mahnung zugleich. Es gehe ihnen nicht um Kriegsverherrlichung oder Kriegsspiel, betonen sie. Mit der Vorführung historischer Waffen und den Gefechtsdarstellungen solle vielmehr gezeigt werden, wie vor 200 Jahren Krieg geführt wurde, teils mit Taktiken, die heute kaum nachvollzogen werden können.

Auch das Biwakleben ist allen interessierten Bürgern offen. Die Teilnehmer sind bemüht, ihr Lager authentisch einzurichten. Gekocht wird auf dem offenen Feuer, als Lagerstätte dienen manchem selbstgefertigte Liegen mit Fellen. In Vehlitz bereicherte in diesem Jahr der optisch ins Ensemble passende Stand von Andreas Focke das Biwak. Hier konnten "Soldaten" und Zivilisten nicht nur einen Imbiss zu sich nehmen, sondern sich auch das unfiltrierte und nicht pasteurisierte Bier einer kleinen Bördebrauerei schmecken lassen.

Bis in die Abendstunden saßen hier Einwohner der gastgebenden Gemeinde und die Gäste zusammen. Am Sonntag- morgen vermissten jedoch manche Vehlitzer das angekündigte Trommeln zum Wecken.

Die Vehlitzer Ortsbürgermeisterin Brunhilde Kölbel dankte am Sonntag allen Bürgerinnen und Bürgern für deren Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft bei den Vorbereitungen des Biwaks. Als ein Dankeschön hatten die Vehlitzer einen Verpflegungsbeutel anfertigen lassen, der an das Biwak im Jubiläumsjahr erinnert. Den historischen Truppen wünschte sie ein Wiedersehen "spätestens in zwei Jahren". Man bereite sich derzeit im Ort schon auf den Tag im Jahr 2013 vor, wenn das erste siegreiche Gefecht der verbündeten Truppen gegen Napoleon sich zum 200. Male jährt.

In dem Vehlitzer Biwak lebten die einst verfeindeten Truppenteile friedlich nebeneinander. Für Lacher sorgten etwa bei der Gefechtsdarstellung am Sonnabend beim Vehlitzer Denkmal die erfolglosen Versuche eines "Preußen", einem "gefallenen" Franzosen die Stiefel zu rauben. "Sogar zum Schuheklauen sind die Preußen zu blöde", schimpfte der vermeintlich tote Franzose los.

Am Lauf der Geschichte konnten oder wollten die Darsteller von heute aber nicht drehen. Am Ende der gut einstündigen Schlacht ergaben sich die Franzosen ihren Feinden.

Im Verlaufe des Wochenendes wurde in Dannigkow die erweiterte Heimatstube wieder eröffnet, die sich mit dem Thema Befreiungskriege beschäftigt. Lesen Sie dazu mehr in einer der folgenden Ausgaben.