Die Weidmänner und -frauen der Jägerschaft Burg (312 Mitglieder) haben am Sonnabend das zurückliegende Jagdjahr, das am 31. März endete, ausgewertet. Der Vorsitzende Jörg Geißler verwies darauf, dass die Wildschäden weiter zugenommen haben. Deshalb sei eine noch engere Kooperation zwischen Jägern, Landeigentümern und -pächtern notwendig.

Burg. Seit Bestehen des Landesjagdverbandes habe es in keinem Jahr so massive Klagen über Wildschäden in der Land- und Forstwirtschaft gegeben wie 2010. Und das, obwohl es außer bei den Wildschweinen neue Rekordstrecken zu verzeichnen gebe. Geißler mahnte deshalb, das "ureigenste Betätigungsfeld realistisch und kritisch unter die Lupe zu nehmen". Immerhin häuften sich auch die Anfragen von Pächtern, die wegen nicht beherrschbarer Wildschäden ihre Pachtverträge lösen wollen. Zwar müsse zwischen wildreichen Waldregionen und großen Ackerebenen mit Rehen als Hauptwildart unterschieden werden, dennoch könne das Problem nur in Zusammenarbeit mit den Landwirten gelöst werden.

Ein Schlüssel seien unter anderem Bejagungsschneisen in großen Maisschlägen, also dort, wo in der Regel in kürzester Zeit die größten Schäden entstehen. Allerdings würden Bauern nur bereit sein, Schneisen anzulegen, wenn ihnen dadurch keine finanziellen Verluste drohten. Hierbei zeichne sich jetzt eine Lösung ab. "Bejagungsschneisen müssen künftig im Antrag auf Agrarzuschläge nicht mehr gesondert ausgewiesen werden, wenn die Bundesländer entsprechende Nutzungscodes anbieten und für die Flächen die Betriebsprämie beantragt wird", sagte Geißler.

Von Vorteil sei zudem das überarbeitete Landesjagdgesetz, das der Landtag verabschiedet hat, weil die Abschussplanung von bürokratischen Details entschlackt und die Eigenverantwortung der Pächter gestärkt worden sei.

Während die Wildschäden in Feld und Wald zunehmen, sei die Zahl der Wildunfälle - zumindest im Jerichower Land - erstmals seit 20 Jahren rückläufig, wie der Leiter des Polizeirevieres, Philipp Salow, detailliert erläuterte. "Konkret gab es im vergangenen Jahr 46 weniger Zusammenstöße mit Wild als 2009." Das ist ein Rückgang von 5,9 Prozent. Die meisten Unfälle verursachen Rehe, auch Schwarzkittel laufen zunehmend in die Fahrzeuge. "Wir sind grundsätzlich zufrieden, dass die Wildunfälle nicht weiter angestiegen sind", sagte Salow.

Als positiv konnte der Vorsitzende der Jägerschaft zudem die Arbeit der Rotwild-Hegeringe einschätzen. Die beiden Gemeinschaften Nord und Süd, die eigenverantwortlich Bewirtschaftungsrahmen festlegten, leisteten "hervorragende Arbeit". Auch die Neubildung der Hegeringe Burg und Niegripp sei ein richtiger Schritt, betonte Geißler.

Überhaupt sei es wichtiger denn je, dass die Jäger aktiv und geschlossen auftreten. Schon deshalb, weil neben der Jagd als Form der Bestandspflege auch Natur- und Umweltschutz zu den Kernthemen gehörten. Nicht von ungefähr unterstütze die Jägerschaft beispielsweise das "Grüne Klassenzimmer" in der Pestalozzi-Grundschule Burg oder den Naturlehrpfad in Wörmlitz.

Die geplante Fällung von rund 200 Pappeln im Fiener Bruch zum Schutze der Großtrappen, die in den vergangenen Wochen für großes Aufsehen sorgte (Volksstimme berichtete), sei jedoch unverständlich. "Leider haben wir Jäger so gut wie keinen Einfluss auf die Biotopgestaltung dieser wunderbaren Vögel", kritisierte Geißler. Künftig sollten die Jägerschaften als Naturschutzverbände bei solchen Entscheidungen mit einbezogen werden.

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