Das Marina-Projekt für Niegripp ist gescheitert. Die Entwicklungsgesellschaft Niegripper See wollte eine Marina mit 50 Schiffsanlegestellen, darunter eine für die Weiße Flotte, und eine Pension errichten - für 3,7 Millionen Euro. Komplizierte rechtliche Rahmenbedingungen um das Gewässer führten unter anderem dazu, dass die Investoren von dem Vorhaben abgesehen haben.

Niegripp. Als Kommunalpolitiker und Investoren im Jahr 2004 auf das Vorhaben am See anstießen, ahnte niemand, dass aus dem Marina-Projekt nichts wird. Zumindest wurde mit dem symbolischen Spatenstich für ein exklusives Wohngebiet mit 29 Grundstücken der Startschuss gegeben. Die ersten Interessenten ließen nicht lange auf sich warten. Wer es sich leisten konnte, hat direkten Zugang zum Wasser. Die Rechnung, auf diese Weise mehr Einwohner in die Elbgemeinde zu locken, ist aufgegangen. Nicht aber das Ziel, mit der Marina ein touristisches Aushängeschild und Arbeitsplätze zu schaffen.

"Ja, es wäre eine Attraktion für Niegripp gewesen, zumal der Ort auch im Regionalen Entwicklungsplan als Naherholungsgebiet eingestuft ist", sagt Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD), der selbst dort wohnt. "Die Investoren hatten ein schlüssiges Konzept und haben auch einiges getan", betont er. "Sie bauten eine Straße, ließen Vermessungsarbeiten durchführen, legten den Strand- und Sportbereich sowie eine Böschung an. Zudem wurden Privatgrundstücke aufgekauft und alle Wasserflächen der Stadt kostenfrei übertragen."

Allerdings habe eine komplizierte Rechtslage für eine Jahre andauernde Hängepartie geführt, die letztlich zur Aufgabe des Kernstücks, der Marina, führte, da bis heute kein wasserseitiges Baurecht bestehe. Beim Niegripper See handele es sich grundsätzlich um ein Gewässer mit besonderen Vorschriften, die aber nicht das gesamte Geschehen auf dem See regeln. Anlegestellen, das Hotel und eine Mole konnten an der geplanten Stelle nicht errichtet werden. Mitten in diesem schwierigen Geflecht sei es auch nicht gelungen, einen Betreiber für das Hotel zu finden.

Vergangenes Jahr zog die Entwicklungsgesellschaft den Schlussstrich unter das Marina-Projekt und unterbreitete dem Stadtrat ein Angebot, das auf Wohlwollen stieß: Für den Fall, dass das Gremium der Aufhebung der Investitionsverpflichtung zustimmt, fließen eine Million Euro zweckgebunden in die Öffnung des Niegripper Altkanals zum Elbe-Havel-Kanal. (Diese Forderung wurde auch im Stadtrat seit Jahren immer mal wieder aufgemacht.) Da die Investoren ohnehin eine Million Euro quasi als Vertragsstrafe zahlen müssten, wenn das Vorhaben scheitert, hätten in jedem Fall die Niegripper sowie Wassersportfreunde etwas davon. Der Stadtrat von Burg stimmte diesem Kompromiss zu. Nicht aber die Kommunalaufsicht des Landkreises. Grund: Da die Kreisstadt seit 2004 ihren Haushalt nicht mehr ausgleichen kann (der aktuelle Fehlbetrag beläuft sich auf über 8 Millionen Euro) müsse diese eine Million in den Etat fließen, um das Defizit zu verringern. Außerdem: Die Öffnung des Altkanals würde touristischen Zwecken dienen und wäre demzufolge eine freiwillige Aufgabe.

Gegen das Votum der Aufsichtsbehörde ist Burg machtlos. Rehbaum bleibt dennoch optimistisch: "Es gibt gute Anzeichen, dass eine Öffnung des Altkanals doch möglich ist - ohne diese Million", sagte er gestern. Über Arbeiten im Zuge der Wasserrahmenrichtlinie gebe es Möglichkeiten. Federführend wäre dafür der Ehle/Ihle-Unterhaltungsverband. Die bisherigen Gespräche stimmten optimistisch.

Auch Niegripps Ortsbürgermeister Karl-Heinz Summa hofft auf eine Kanalöffnung. Er bedauert wie Rehbaum, dass die Marina nicht mehr hochgezogen wird. "Das wäre für das Vereinsleben und den Ort ein Gewinn gewesen", meint er. Die Verträge hätten im Vorfeld allerdings zugunsten von Niegripp besser ausgestaltet werden können. Beispielsweise, dass die Ortschaft vom großen Kuchen der Vertragsstrafe etwas abbekommt. Der Investitionsbedarf sei hier größer als in den anderen Dörfern. "Immerhin sind auch Niegripper Grundstücke mit eingeflossen", begründet Summa.