Etwa 600 Familien haben bislang im Jerichower Land einen Zuschuss aus dem Bildungspaket der Bundesregierung beantragt (Stichtag 30. April). Anrecht auf das Geld haben laut Kreissprecher Henry Liebe jedoch rund 3700 Kinder und Jugendliche. Über die finanziellen Fördermöglichkeiten diskutierten in dieser Woche die Mitglieder des Kreistages in den einzelnen Ausschüssen.

Burg/Genthin. Nicht mal 20 Prozent der förderfähigen Familien haben für ihre Kinder bislang einen Antrag beim Landkreis oder dem Jobcenter JL gestellt. Und das, obwohl ein formloser Antrag reicht und dieser rückwirkend zum Jahresanfang noch bis Ende Juni eingereicht werden kann. "Das ist ja sehr wenig. Woran liegt das?", fragte Klaus Bock (SPD).

Eine plausible Antwort gibt es nicht. Nur so viel: "Es wird noch einen spürbaren Anstieg geben", kündigte Kreisvorstand Bernhard Braun an. Erfahrungsgemäß würde es eine Weile dauern, bis nach der Einführung eines neuen Gesetzes entsprechende Anträge von den Bürgern gestellt werden. Auch in diesem Fall könnte dies so sein.

Immerhin sei die Zahl der Anträge in den vergangenen Tagen schon deutlich gestiegen. Allein beim Landkreis hätte sie sich seit Anfang Mai verdoppelt. Bis Ende April waren hier erst 55 Anträge eingegangen, im Jobcenter JL seien es 563 gewesen.

Mit dem Bildungspaket sollen Kinder aus armen Familien gefördert werden. Per Gutschein werden Zuschüsse für das gemeinsame Mittagessen in der Schule, eine Vereinsmitgliedschaft bis zu 10 Euro im Monat, Schulbedarf bis zu 100 Euro im Jahr sowie Nachhilfeunterricht gezahlt.

Doch wonach richtet sich die Förderung? "Wir wissen beispielsweise gar nicht, wie viele Kinder Nachhilfeunterricht brauchen", meinte Dr. Michael Krause (SPD). "Das könnte noch ein Fass ohne Boden werden." Und Parteigenossin Elke Fenger-Schwindack ergänzte: "Wer soll den Bedarf feststellen? Die Eltern stellen zwar die Anträge, aber ob sie auch die Notwendigkeit für ihre Kinder erkennen?"

Diese Schlüsselaufgabe, so Braun, komme auf den Lehrer zu. "Meist kennt er die sozialen Verhältnisse der Kinder und kann einen Anstoß zur Nachhilfe geben", sagte er. Aber auch Sozialarbeiter könnten intervenieren.

Doch darf ein Lehrer zu einem Antrag nach dem Bildungspaket raten? "Er weiß doch gar nicht, welcher seiner Schüler Anspruch hat", warf Krause ein.

Und überhaupt sei Nachhilfe ja nicht gleich Nachhilfe. Wer dürfe diese geben? Ältere Schüler? Vereine? Private Lehrer? "Wir werden einen bestimmten Pool an Personen haben, aus dem wir schöpfen können", erklärte Hans-Jürgen Conrady von der Verwaltung. Das Jobcenter habe schon bei ehemaligen Lehrern nachgefragt, ob diese bereit zur Nachhilfe wären. Auch ältere Schüler könnten durchaus eine Option sein.

Diskutiert wurde auch über die Förderung von Sport, Kultur und Freizeit. "10 Euro pro Monat - reicht das aus?", fragte Fenger-Schwindack. "Für einen Kurs in der Musikschule könnte das zu wenig sein." Für manch einen Verein vielleicht auch. Doch um eine anspruchsvolle Ausbildung zum Profisportler gehe es gar nicht. "Entscheidend ist, dass das Kind überhaupt erst einmal in einen Verein kommt", sagte Braun und erntete zustimmendes Nicken. Und die Beiträge in den Vereinen seien oftmals auch niedriger als 10 Euro pro Monat.

Für die Umsetzung des Bildungspaketes wurden 1,14 Millionen Euro im Kreishaushalt freigegeben, erklärte Liebe.