Eine Exkursion führte die Schüler der Klasse 4 c der Grundschule Möser vor wenigen Tagen in das Gerwischer Klärwerk.

Gerwisch. Es ist ein aufwändiger Prozess, um das tägliche Schmutzwasser aus den Wohnungen und Häusern und aus den Betrieben wieder soweit zu reinigen, bis dass es in die Elbe geleitet und dem erneuten Kreislauf zugeführt werden kann, erfahren die Kinder auf ihrem Rundgang über das große Freigelände am Rande von Gerwisch. Uwe Volkmann, der in dem Klärwerk arbeitet, ist den Schülern ein auskunftsfreudiger Begleiter.

Vor dem Start ins Gelände hatten die Kinder gelernt, dass sie keine roten Knöpfe zu drücken haben. Diese Not-Aus-Schalter würden den Prozess der Wasserklärung unterbrechen und den Kreislauf in Gefahr bringen.

Die beiden großen, wie gewaltige Wassertropfen aussehenden Behälter prägen das Gelände des Klärwerkes. Natürlich wollen die Kinder zuerst wissen, wozu die Behälter da sind und wie hoch sie sind, und ob man da auch raufsteigen kann.

Die architektonisch interessanten Gebilde werden Faultürme genannt, erläutert Uwe Volkmann. In ihnen laufen chemische Prozesse zur Zersetzung von Klärschlamm ab. Die Türme sind 27 Meter hoch, erfahren die Kinder und wahre Energieerzeuger. Denn bei der Zersetzung fällt Methangas an, das in einem Blockheizkraftwerk zu Strom und Wärme umgewandelt wird. Rund 9000 Kubikmeter Schlamm befinden sich in diesen Türmen. Das entspricht rund 17 Einfamilienhäusern, macht Uwe Volkmann deutlich. Warum diese Behälter diese kuglige Form haben, wollen die Kinder wissen. Das sei eine Frage der Statik, des Volumens und der Architektur weiß Uwe Volkmann und weist auf die Farbgebung hin. Sie verläuft von dunkelbraun zu hellblau und will damit die Stufen bei der Klärung des Abwassers versinnbildlichen.

Natürlich kann man diese Türme auch besteigen. Per Lift oder über 123 Treppen wird ein Steg über den Behältern erreicht. Die Kinder werfen durch eine Glasscheibe einen Blick in den blubbernden Faulschlamm. Aus der Höhe der Türme sind die Industrieanlagen von Magdeburg-Rothensee und Abraumhalden von Zielitz deutlich zu erkennen.

Täglich kommen rund 40 000 Kubikmeter Abwasser aus Magdeburg und einige umliegenden Dörfern im Gerwischer Klärwerk an. Es ist eine stinkende, braune Brühe, die die Kinder mit zugehaltener Nase in Augenschein nehmen und entsprechend kommentieren. Ganz besonders interessant scheint die Tatsache zu sein, dass ein Kondom in der Brühe herumschwimmt...

Um den üblen Geruch zu reduzieren, gibt es auf dem Gelände eine Abluftwaschanlage, lässt der Klärwerksmitarbeiter die Kinder wissen.

Über mehrstufige mechanische und chemische Prozesse wird das Abwasser von seinen Verunreinigungen befreit. So fallen pro Jahr zum Beispiel hunderte Tonnen von Sand an, die mit dem Schmutz- und Regenwasser angekommen sind.

Es dauert nur einen Tag, um das Schmutzwasser aus den Haushalten nach Gerwisch zu pumpen und es dann so weit zu reinigen, dass es wieder in die Elbe geleitet wird, nehmen die Kinder staunend zur Kenntnis. Die letzte Reinigungsstufe ist die Nachklärung. In vier großen Becken werden 8000 Kubikmeter Wasser auf Badequalität gebracht.

Ob die Kinder die vielen Zahlen behalten und die komplizierten Vorgänge verstanden haben? Immerhin sollen die Schüler, die vor einigen Wochen beim Schmaz-Junior-Projekt (Schüler machen Zeitung) der Volksstimme mitwirkten, über den Besuch des Klärwerkes einen Bericht schreiben, setzt Kornelia Auerbach den Schlusspunkt hinter den aufschlussreichen Besuch in Gerwisch.

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