Die Bibliothek Friedensau hatte am Sonnabend anlässlich des UNESCO-Welttags der Kulturellen Vielfalt zu einer Tandemlesung eingeladen. Zu Gast waren der Zeppernicker Autor Ludwig Schumann und der syrische Autor Wahid Nader. Im Mittelpunkt stand der Gedichtband des Syrers, bevor im Anschluss über die politische Entwicklung in den arabischen Staaten und Nordafrika diskutiert wurde.

Friedensau. "Wir kennen im Arabischen nicht den Artikel ¿das\', sondern nur ¿der\' oder ¿die\', erklärte Wahid Nader seinem Publikum im Lesesaal der Friedensauer Bibliothek. In seiner Heimat, die der Autor und Übersetzer in den 80er-Jahren verlassen hat, ist das Gedicht weiblich, "wir vergleichen es mit einer Frau."

Vielleicht sind die Gedichte von Wahid Nader deswegen so schön. Selbst alltägliche Szenen und Momente verwandelt Nader mit ausgewählten Begriffen in schöne Sätze: Auf dem Spielplatz etwa "füllt der Regen eine Pfütze für einen Spatzen", und während der Flut im Jahr 2002 "leckte der Fluss den Laib der Stadt bis zur Taille".

Wahid Nader, geboren 1955 in Bmanneh, Syrien, lebt seit 1985 in Magdeburg. Der promovierte Ingenieur ist Dozent, Übersetzer und Schriftsteller, seit Anfang der siebziger Jahre verfasst er Gedichte. 1978 wurde er in Syrien erstmals für seine Poesie ausgezeichnet. Während seiner Aspirantur an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg in den achtziger Jahren entstanden seine ersten Texte in deutscher Sprache.

Seine Heimat Damaskus hat Nader nicht vergessen, er vergleicht seine Wahlheimatstadt Magdeburg oft mit Damaskus, stellt in den Gedichten die Elbe dem Euphrat gegenüber. Der Autor lebt mit dem Kopf an der Elbe, mit dem Herzen am Euphrat.

Der Syrer konnte das Publikum mit seinem ersten deutschsprachigen Gedichtband "Ich weide meine Sterne auf trunkener Nacht" beeindrucken.

Sein Mentor an diesem Abend, Ludwig Schumann, beschrieb die Arbeit von Wahid Nader so: "Er schaut von außen auf unsere Sprache und findet andere Bilder". Der Syrer in Magdeburg sei ein Mittler zwischen Euphrat und Elbe, "ein Dichter, der über einen sehr eigenen, aus der Kenntnis seiner heimatlichen Poesie und in der Begegnung und dem Erleben mit und dem sich Erschließen der neuen Heimat erwachsenen Stil verfügt. Er ist nicht nur im kulturellen, im politischen, im sozialen Sinne Mittler. Vielmehr gilt das auch in seiner Arbeit als Sprachgestalter."

Ins Arabische übersetze Wahid Nader Romane von Herta Müller sowie Poesie von Erich Fried und Daniela Danz. Wie die Muttersprache klingt, erfuhren die Gäste bei der Übersetzung eines Ludwig-Schumann-Gedichtes ins Arabische.

Wohl der Tatsache, dass es auch in Burg eine Veranstaltung zum Kulturtag gab, war es geschuldet, dass die Zahl der Besucher in Friedensau überschaubar blieb. Dennoch hat die Kultur in Friedensau ein Zuhause, freut sich der Leiter der Hochschul-Bibliothek, Ralph Köhler, und immer wieder Menschen, die das Angebot der Einrichtung nutzen. Die angekündigte Veranstaltung "premiere duo" war tatsächlich eine Premiere, denn die Tandemlesung in Friedensau war die Auftaktveranstaltung einer neuen Reihe.

Premiereveranstaltung

Das Format "duo premiere" ist ein Projekt des Friedrich-Bödecker-Kreises in Sachsen-Anhalt in Kooperation mit dem Verband Deutscher Schriftsteller (VS) in Sachsen-Anhalt, dem Förderkreis der Schriftsteller in Sachsen-Anhaltund dem Förderverein der Schriftsteller in Sachsen- Anhalt mit finanzieller Unterstützung des Landes. Dabei führen je ein gestandener und ein junger Autor öffentliche Lesungen durch.

Im Anschluss an die Lesung wurde es politisch. Übergeleitet durch politische Gedichte entspann sich eine Diskussion über die Entwicklungen in Nordafrika und auf der Arabischen Halbinsel.

Das Buch Wahid Naders ist inzwischen auch im Bestand der in der Bibliothek der Theologischen Hochschule Friedensau zu finden.

bibliothek.thh-friedensau.de

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