180 Kleingärten stehen in den 50 Gartenvereinen in Burg, Gommern, Möckern, Güsen, Biederitz und Heyrothsberge, die im Kreisverband der Gartenfreunde Burg zusammengeschlossen sind, leer. Besonders in der Stadt Burg schlagen Überalterung und Einwohnerrückgang durch.

Burg. Die Präsidentin des Kreisverbandes der Gartenfreunde, Jutta Sohl (44), und ihre Vorstandskollegen stehen angesichts des zunehmenden Leerstandes in den 34 Burger Gartensparten vor zwei Herausforderungen: Sie müssen einerseits versuchen, "Nachwuchs" zu finden und sich andererseits darüber Gedanken machen, was aus Parzellen oder ganzen Anlagen werden kann, für die auch langfristig keine neuen Interessenten zu finden sind. Besondere Probleme gibt es zum Beispiel in den Vereinen "Waldeslust" mit 10000 Quadratmetern Leerstand, "Alte Lehmkuhle" mit 14000 Quadratmetern Leerstand und "Rosenfreunde", wo von 18 Parzellen nur noch vier bewirtschaftet werden. "Andererseits", so Jutta Sohl, "haben wir Vereine, in denen es überhaupt keine Probleme gibt." Die Vorsitzende nennt als Beispiele unter anderem "Pietzpuhler Weg", "An der Badeanstalt" und "Am alten Hafen", wo sie die Vereinsvorsitzende ist. Jutta Sohl beackert dort seit 13 Jahren eine 800 Quadratmeter große Parzelle - zusätzlich zum Eigenheim-Grundstück. "Ich kann und will auf selbstangebautes, frisches Obst und Gemüse nicht verzichten", so die Wirtschaftskauffrau, die ehrenamtlich die Interessen der Kleingärtner ihres Vereins und des Kreisverbandes vertritt.

Mit 800 Quadratmetern liegt die Parzelle von Jutta Sohl über dem Durchschnitt. Die Burger Kleingärten, deren Pächter zwischen 18 und über 80 Jahre alt sind, haben in der Regel eine Fläche von um die 350 Quadratmeter. Die kleinsten Parzellen haben 250 Quadratmeter, Ausreißer nach oben bringen es auf über 1000 Quadratmeter.

Der größte Kleingartenverein in Burg ist der "Pietzpuhler Weg" mit 168 Parzellen, der kleinste die "Bürgermark" mit ganzen neun Gärten. Doch ob großer oder kleiner Garten, ob großer oder kleiner Verein: Das Kleingärtnern gehört nach wie vor zu den preiswerten Hobbys, ungeachtet dessen, dass die eigene Ernte auch die Haushaltskasse entlasten kann. Jutta Sohl rechnet vor, dass ein Kleingarten in Burg im Jahr den Pächter etwa 100 bis 120 Euro kostet. Darin seien Pacht, Mitgliedsbeiträge und Umlagen enthalten. Auch die Übernahme einer Parzelle sei in vielen Anlagen für kleines Geld möglich, besonders dann, wenn es sich um eine bereits leerstehende Parzelle handelt. "Ansonsten müssen sich der bisherige und der neue Pächter einigen", erklärt Jutta Sohl. Dass das Kleingärtnern in der Stadt Burg ein günstiges Hobby ist und bleibt, dafür sorgt auch die Kommune als Verpächter der Flächen in den Anlagen. Die Stadt verlangt acht Cent für den Quadratmeter. Private Verpächter fordern bis zu 40 Cent.

Doch auch wenn die Bedingungen noch so günstig sind, viele Parzellen in den Anlagen werden auf Dauer leer bleiben. "Hier müssen kurz-, mittel- und langfristig Alternativen gefunden werden", so Jutta Sohl. "So hat zum Beispiel die Diakonie in der Anlage An der Rodelbahn vier Gärten als Tafelgärten in ihre Regie übernommen", so Sohl. Oder im "Pietzpuhler Weg" soll eine Parzelle zusammen mit dem Nabu als Schaugarten hergerichtet werden.

Eine große Herausforderung werde sich für manche Vereine mit dem notwendigen Rückbau von Parzellen stellen. Jutta Sohl: "Seit drei Jahren haben wir einen Rückbaufonds für die Vereine angespart, in dem inzwischen 6000 Euro sind. Doch wenn man weiß, was allein ein Container kostet, ist diese Summe nur eine Anfang." Ob eines Tages ganze Kleingartenvereine aus dem Stadtbild verschwinden und hier und da vielleicht Streuobstwiesen zurückbleiben, darüber stehen Entscheidungen noch aus. "Auf jeden Fall werden wir solche Fragen in einer Zusammenarbeit mit der Burger Stadtverwaltung entscheiden müssen", so Jutta Sohl.

Im Stadtentwicklungskonzept, dass zurzeit in den Gremien diskutiert wird, wird pauschal festgestellt, dass "angesichts zunehmender Überalterung und rückläufiger Mitgliedszahlen (...) die Zukunft einzelner Kleingartenanlagen gefährdet" sei.

Im vergangenen Jahr wurde im Burger Rathaus mit der Erarbeitung eines Kleingartenentwicklungskonzeptes begonnen, "das Flächenangebote kritisch bilanziert und vorhandene Standorte bewertet, um neue Pachtverhältnisse räumlich steuern zu können und Vorschläge einer Nachnutzung aufzugebender Flächen zu unterbreiten".