Doppik: Hinter diesem kurzen Wort versteckt sich ein ungeheurer Aufwand, nämlich die doppelte Buchführung. Um alle Anforderungen, die damit verbunden sind, bis 2014 zu schaffen, hat die Stadt Kalbe eine neue Mitarbeiterin eingestellt.

Kalbe l Anika Kirchhoff sitzt in einem kleinen Büro unter dem Dach des Kalbenser Rathauses. Hinter ihr stehen unzählige Aktenordner. Sie alle, aber nicht nur sie, wollen durchforstet werden. Denn die junge Frau ist seit gestern damit beschäftigt, sämtliche Grundstücke, Gebäude, Straßen und Wege, die der Einheitsgemeinde Stadt Kalbe gehören, zu erfassen und zu bewerten. Dafür ist sie extra eingestellt worden.

Und der Aufwand ist gesetzlich gefordert, wie die Personalverantwortliche, Marina Krüger, erläutert. Denn er erfolgt im Zuge der Doppik-Einführung. Hinter dem Begriff Doppik verbirgt sich die doppelte Buchführung, die eigentlich schon in diesem Jahr umgesetzt werden sollte. Doch hat die Stadt eine Fristverlängerung bis 2014 beantragt - und auch bewilligt bekommen.

"Neben unserer eigentlichen Arbeit ist das alles nicht zu schaffen", sagt Krüger. Deshalb seien sie und ihre Kollegen froh, dass die Stadt ein Verwaltungshilfeprogramm des Landes in Anspruch nehmen könne. Die Stelle von Anika Kirchhoff, die 30 Wochenarbeitsstunden umfasse, werde zu 100 Prozent gefördert. Allerdings sei sie bis zum 31.Dezember 2013 befristet. Und nicht nur Marina Krüger hegt berechtigte Zweifel, dass bis dahin alles restlos geschafft ist.

Anika Kirchhoff muss sich mit jeder einzelnen, kommunalen Immobilie in den 37Orten der Einheitsgemeinde genau befassen. Als Arbeitsgrundlage dienen ihr sowohl eine Landesrichtlinie als auch eine von der Stadt Kalbe erstellte Richtlinie zur Aufstellung der Doppik-Eröffnungs- bilanz.

Wie Fachfrau Marina Krüger erläutert, sei in der öffentlichen Verwaltung bislang die sogenannte kameralistische Buchführung gang und gäbe gewesen. Und diese habe die Erfassung und vor allem Bewertung des kompletten Anlagevermögens nicht in diesem Umfang gefordert. Nun aber müsse auch noch einmal nachträglich geprüft werden, wie viele Fördermittel-Euro wo zum Einsatz gekommen seien. Und das bedeute auch jede Menge Archivarbeit.

Nur gut, dass Anika Kirchhoff nicht ganz unerfahren ist. Die 21-Jährige hatte bereits als Schülerin ein Praktikum in der Stadtverwaltung Kalbe gemacht und dann im Zuge ihres Studiums an der Hochschule Harz weitere Praktika im Kalbenser Rathaus absolviert. Inzwischen darf sie sich Verwaltungsökonomin nennen und freut sich auf ihre erste berufliche Aufgabe - auch wenn diese eine sehr große Herausforderung darstellt. Marina Krüger und mit ihr auch Bürgermeister Karsten Ruth sind aber überzeugt, dass die junge Kalbenserin alles gut meistern wird.