Die besten Milchviehbetriebe aus Gardelegen, Klötze und Haldensleben wurden gestern in Zichtau ausgezeichnet. Die größte Milchleistung erreichten die 82 Kühe von Familie Francke aus Bösdorf, wo jede Kuh im Schnitt 10 171 Liter Milch im Jahr gab.

Zichtau l Ein Raunen war bei der Versammlung der Milchkontrollvereine Gardelegen/Haldensleben und Klötze sowie des Rinderzuchtvereines Gardelegen/Klötze gestern im Saal zu hören, als Hans-Jörg Rösler vom Landeskontrollverband Sachsen-Anhalt die Änderungen zum neuen Tierzuchtgesetz erläuterte und dabei den Punkt natürliche Hornlosigkeit nannte. "Es ist absehbar, dass wir die Enthornung irgendwann nicht mehr durchführen können", schätzte er ein. Das traf auf wenig Zustimmung bei den Milchbauern, die in den Saal des Zichtauer Ferienparks gekommen waren.

Mit den Änderungen im Tierzuchtgesetz werde die Verbesserung von Gesundheit und Robustheit der landwirtschaftlichen Nutztiere in den Vordergrund gestellt. Als Parameter nannte Rösler etwa die Eutergesundheit und die Nutzungsdauer der Tiere. Klare Worte richtete Rösler in Bezug auf die Antibiotikum-Nutzung an die Landwirte. "Das ist die Neuausrichtung der Politik, diesen Merkmalen wird man mehr Aufmerksamkeit widmen." Rösler warb deswegen darum, dass sich die Landwirte "dem verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika stellen müssen".

"Ob wir nicht ohne Fördermittel unser Geld am Markt verdienen."

Kritisch äußerte sich Manfred Wesche (Etingen) zu den genannten Änderungen im Tierzuchtgesetz. Ihm ging es dabei jedoch auch ums Grundsätzliche: "Wenn wir die Fördermittel als Hauptinhalt ansehen, bekommen wir die Ziele, die uns die Gesellschaft aufzwingt." Es sei zu überlegen, "ob wir nicht ohne Fördermittel wieder unser Geld am Markt verdienen".

Rösler stimmte zu, dass ein Betrieb nicht zu sehr abhängig von Fördermitteln sein solle, aber ganz ohne werde es in der globalisierten Welt nicht gehen. Von Exporten von Zuchtrindern nach Polen, Libanon, Kuwait, Türkei und Russland berichtete Frank Wienecke vom Rinderzuchtverband Sachsen-Anhalt: "Die Spannbreite, was gesucht wird, ist groß. Das geht von 8500-Liter-Kühen bis zu 6000-Liter-Kühen." Die Preise seien zurzeit auch auf einem relativ hohen Niveau.

Viel Lob gab es im Anschluss für die leistungsstärksten Betriebe der Rinderzuchtvereine. Hatte Wienecke 2013 die AG Schwiesau hervorgehoben, war es in diesem Jahr der Milchviehbetrieb von Gerrit und Nelli van Tol aus Calvörde. An diesem Beispiel sei zu sehen, wie innerhalb weniger Jahre eine große Steigerung der Milchleistung bei den Tieren möglich sei, wenn optimale Bedingungen herrschen. Die Ställe seien umgebaut sowie mit Liegematratzen ausgestattet worden und "die Fütterung ist auch optimal".