Das Thema Privatisierung erhitzte während der Mitgliederversammlung am Freitag alle Gemüter. Die Frage, ob die Stiftung Zukunft Altmark das Zichtauer Bad übernehmen solle oder nicht, spaltet offenbar den Förderverein.

Zichtau l Jahresrückblick, Vorstandswahl, Rechenschaftsbericht - zunächst verlief sie gewohnt friedlich, die Jahressitzung des Zichtauer Waldbadfördervereines. Doch es brodelt offenbar unter der Oberfläche.

Es geht um das Angebot der Stiftung Zukunft Altmark, die im vergangenen Jahr signalisiert hatte, das Bad übernehmen zu wollen. Zur Freude der Gardeleger Stadtväter als Träger, denn die Einrichtung ist, wie jede andere Badeanstalt auch, ein Zuschussgeschäft.

Andererseits sucht das Engagement des Fördervereines in Zichtau seinesgleichen. Mit beachtenswerter Kontinuität, unzähligen Ideen und Arbeitsstunden kämpfen die Mitglieder seit Jahren um den Erhalt des Bades. Immerhin war es in den 1960er Jahren von den Zichtauern selbst gebaut worden, der Gedanke an eine Privatisierung macht nun offensichtlich einigen Angst.

Und so legte Vorstand Martin Dörsing mit seinem Antrag, das Thema in die Tagesordnung aufzunehmen, dann wohl auch bewusst den Finger in die Wunde: "Wir sollten darüber diskutieren und abstimmen", schlug er vor. Was darauf folgte, zeigte deutlich, wie uneins der Förderverein in Sachen Privatisierung ist.

Was dabei zuweilen fast verdrängt wurde: Eigentlich steht eine solche Übernahme ja derzeit gar nicht mehr zur Debatte. "Das Gut ist nicht mehr dabei. Wir werden uns nicht mehr um eine Übernahme bemühen", hatte Gutsprojektleiter Magnus Staehler im Oktober überraschend dem Zichtauer Ortschaftsrat verkündet. Offenbar eine Reaktion auf die vielen ablehnenden Töne aus der Bevölkerung und dem Förderverein.

Dessen Chefin Astrid Läsecke, die eine Übernahme durch die Stiftung immer befürwortet hatte, hatte Staehlers Ablehnung damals eiskalt erwischt. Dazu habe sie sich danach auch noch Vorwürfe des Gardeleger Bürgermeisters anhören müssen, erinnerte Läsecke: "Herr Fuchs dachte, dass der Ortschaftsrat das Ganze provoziert hat." Das werde sie sich allerdings nicht nachsagen lassen. Nach wie vor sei sie selbst an einer Übernahme durch die Stiftung - hinter der Gutsbesitzer Hasso von Blücher steht - interessiert, machte sie am Freitag klar. Und sie sehe in dieser Frage den Vorstand geschlossen hinter sich. Dennoch sei ihr die Meinung der Bürger und Vereinsmitglieder natürlich wichtig, versicherte Läsecke. Und die hielten sich damit dann auch nicht zurück: Sah Martin Dörsing noch die Notwendigkeit, "einen starken Partner" für das Bad zu finden, hielten andere dagegen: "Wir sollten nicht blauäugig an die Sache herangehen", riet zum Beispiel Hermann Bendler. "Wenn es einmal privat ist, hat der Förderverein kein Mitspracherecht mehr."

Vereinskollege Jörg Michelfeit, der wie andere Mitglieder viel Zeit und Arbeitskraft in das Bad investiert hatte, wurde noch deutlicher: "Ich arbeite nicht für Herrn Staehler", betonte er. "Ich fände es schäbig, wenn wir das Bad einfach verschleudern. Die Stadt ist in der Pflicht. Sie hat sich zu kümmern."

Und mit seiner Kritik an der Stadtverwaltung stieß Michelfeit offensichtlich in ein Wespennest. Denn der Frust über die Stadt wurde in fast jedem Gesprächsbeitrag deutlich: "Wenn Astrid sich nicht gekümmert hätte, wäre hier überhaupt nichts passiert", kritisierte zum Beispiel Martin Dörsing. "Ich ärgere mich, dass wir als Steuerzahler bei der Stadt Klinken putzen müssen. Das müsste die bei uns tun", schimpfte Rainer Schmidt. "Dass es das Bad noch gibt, ist das Ergebnis der Arbeit unseres Vorstandes", schätzte auch Torsten Bombach ein: "Es sind die Veranstaltungen, die zeigen, dass wir noch da sind."

Weil aber gerade deren Organisation, genau wie die unzähligen Arbeitseinsätze, viel Kraft kosten, sei sie eben für eine Privatisierung, betonte Läsecke: "Wir machen die Arbeit, und die Stadt profitiert davon. Mit welchem Recht werden wir eigentlich so gedrückt?" Das Waldbad Zichtau habe mit seinen Besucherzahlen gezeigt, wie beliebt es sei. Und dafür habe es keinen Zuschuss in Höhe von rund 300000 Euro gegeben, wie für das Gardeleger Bad, erinnerte auch Vereinsmitglied Erika Edler: "Wie wäre es denn, wenn die Gardeleger mal in die Hufe kommen und selbst einen Förderverein für ihr teures Bad gründen würden", fragte sie provokant.

Am Ende kam es trotz der regen Diskussion nicht zu einer Abstimmung in Sachen Privatisierung. "Es besteht ja auch gar nicht die Notwendigkeit, uns jetzt zu entscheiden", schätzte Bombach ein. "Wenn die Stiftung echtes Interesse hatte, wird das ja wohl noch nicht erloschen sein. Deshalb muss man das Bad nicht aus kommunaler Hand geben."

Dem Vorstand gaben die Mitglieder den Auftrag mit, "in alle Richtungen offen zu bleiben", wie Bombach formulierte. Dass Astrid Läsecke und ihre Vorstandskollegen es gern weniger unkonkret gehabt hätten, war ihnen danach deutlich anzusehen.

(Weiterer Bericht folgt.)