Im niedersächsischen Landkreis Wolfenbüttel ist eine rollende Arztpraxis zu Patienten in den Dörfern unterwegs. Wäre das Pilotprojekt auch etwas für die Altmark?, wollte die Volksstimme von Ärztevertretern und Landrat Michael Ziche wissen.

Salzwedel l Der Doktor kommt per Wohnmobil und verarztet die Patienten in ihrem Heimatort. Dieses Modellprojekt, die ärztliche Versorgung in einer ländlichen Region optimal zu organisieren, gibt es im Landkreis Wolfenbüttel. Bis Ende 2014 wird getestet, ob es sich bewährt (siehe Info-Kasten). Die Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt will dem Hausärztemangel in der Altmark mit Filialpraxen begegnen. Geschäftsführender Vorstand Mathias Tronnier begründet, warum: "Die Effektivität in einer stationären Praxis ist höher." Die Zeit der wenigen Ärzte, die dazu zu bewegen sind in ländlichen Regionen zu praktizieren, sei zu wertvoll, um sie mit Fahrten zu verbringen. Besser sei es Modelle zu entwickeln, Patienten, die nicht mehr mobil sind, zu den Ärzten zu bringen.

Mit Filialpraxen, in denen bei der KV angestellte Ärzte arbeiten, seien Versorgungslücken geschlossen worden. In zwei Fällen haben die Ärzte die Praxen übernommen und praktizieren inzwischen selbstständig. Tronnier: "Wir wollen das Projekt aber nicht verteufeln und abwarten, ob die Ergebnisse tragfähig sind."

Die Ärztekammer schließe keine Möglichkeit aus, "das massive Problem des Ärztemangels auf dem Land" zu lösen, sagte deren Sprecher Tobias Breme. Die rollende Arztpraxis könnte ein Mittel sein, dem entgegenzuwirken. "Alles ist besser als keine Versorgung", sagt Breme.

"Das niedersächsische Modell geht von einem festen Arzt auf dem Mobil aus, der für die ansässigen Ärzte Hausbesuche erledigt. Selbst den einen Arzt haben wir nicht. Hätten wir ihn, würde ich eher für eine Niederlassung oder Anstellung sein. In einer Praxis nützt er mehr", erklärt der Arendseer Hausarzt Dr. Ilja Karl und stellt die Frage: "Warum müssen immer die Ärzte zu den Patienten?" Nach seiner Auffassung wäre es hilfreich, beispielsweise mit einer kommunalen Dienstleistung, die Patienten - auch mobilitätseingeschränkte - zum Arzt zu fahren.

Arztsprechstunde in der Bankfiliale

Ergänzend könnten Tätigkeiten, die nicht zwingend ein Medizinstudium voraussetzen, an qualifizierte Assistenten delegiert werden. "Zum Teil machen wir das schon: mit der VERAH (Versorgungsassistentin in der Hausarztpraxis). Das wäre auszubauen", beschreibt er. Sein Fazit: "Solche mobilen Praxen halte ich für wenig sinnvoll. Besser wären für planbare Kontakte, wie Blutentnahmen, Chronikerbetreuung, Impfungen, entsprechend ausgebildete und ausgerüstete Assistenzen."

Landrat Michael Ziche kennt das Projekt schon länger. "Wir haben innerhalb der Daseinsvorsorge 2030 darüber diskutiert", sagt er. Dem Kreis sei jede Maßnahme recht, die zu einer Verbesserung der Versorgung führe. Es gebe dahin gehend eine enge Zusammenarbeit der mit der KV. Die Filialpraxen seien ein Weg. Es würden aber weitere Modelle diskutiert. So multifunktionale Außenstellen der Kreis-Sparkasse, in deren Räumen auch Ärzte Sprechstunden anbieten können.