Das gibt es wohl auch nicht oft: Ein Schießsportleiter, der an seinen Vereinskollegen so gar nichts auszusetzen hat. So geschehen aber am Freitagabend bei den Letzlinger Heideschützen, die im vergangenen Jahr wieder einmal beeindruckende sportliche Leistungen erbracht haben.

Letzlingen l Er hatte lauter kleine Zettel vorbereitet - für jeden sportlichen Erfolg einen. Es war ein ansehnlicher Stapel, der da vor ihm lag. Und so musste Schießsportleiter Günter Freitag an diesem Abend im Letzlinger Schützendomizil mit seinem Bericht ganz schön auf die Tube drücken, zeitlich gesehen: Ein schnelles Lob für den aktuellen Kreisjugendkönig Leonard Neuber, der direkt vor ihm saß (es ist der dritte in Letzlingen), ein Kompliment an die Damenriege des Vereines, in der fast alle die Schützenschnur erwarben, zwischendurch die Mitteilung über die erfolgreiche Letzlinger Kindermannschaft, die im vergangenen Jahr erstmals an der Kreismeisterschaft im Luftgewehrschießen teilnahm und gleich auf dem zweiten Platz landete, und dann natürlich die Auswertung der 2. Landesmeisterschaft Luftgewehr/Luftpistole, die dem Verein gleich zwei neue Landesmeistertitel bescherte. Neben Armin Neels, der den 1. Platz errang, wurde Freitag selbst "nur Zweiter", wie er lächelnd zugab. Grinsend applaudierten die Heideschützen dem bescheidenen Schießsportleiter.

Der hatte dann aber auch noch eine wirklich beeindruckende Zahl auf seinem letzten Zettel: "Die Letzlinger halten derzeit sechs Landesrekorde", verkündete Freitag stolz. Insbesondere das Schießen mit Luftgewehr und Luftpistole scheint den Heideschützen nämlich zu liegen. Und so gab Freitag den Vereinskollegen als Allerletztes auch noch einen aufmunternden Rat mit auf den Weg: "Traut Euch ruhig mehr zu, nehmt an mehr Wettbewerben teil. Es muss nicht immer Groß- oder Kleinkaliber sein. Die Luft macht so viel Freude."

Dass Freitag während der Jahressitzung schließlich so gar nichts zu kritisieren fand, wunderte nach so vielen Erfolgsmeldungen natürlich niemanden. Ein bisschen Kritik gab es aber dennoch: Und zwar von Vereinschef Carsten Neuber. Er erinnerte in seinem Jahresbericht zwar auch an viele schöne Ereignisse, zivil wie sportlich, forderte aber auch mehr Engagement in der ehrenamtlichen Vereinsarbeit ein. So müsse in einem Haus, "in dem fast täglich Leute ein- und ausgehen", eben auch mal ein Besen in die Hand genommen werden. Und auch im Umfeld gebe es immer reichlich zu tun. Leider seien hier aber "immer wieder dieselben, die im und am Gebäude tätig werden." Das, so Neuber, müsse besser werden.

Zudem bat der Vereinschef auch um ein bisschen mehr Engagement für Veranstaltungen. "Unser Kalender ist schon wieder prall gefüllt", machte er klar. Jeder sei aufgerufen, sich in Veranstaltungen wie das Letzlinger Vereinsfest, Wanderungen oder Ausflüge und auch bei der Vorbereitung der sportlichen Termine einzubringen. Insbesondere gebe es in diesem Jahr ein großes Fest zu planen, erinnerte der Vereinschef die Mitglieder. Denn 2015 feiern die Letzlinger Heideschützen ihr 25. Jubiläum.

Freuen können sich die Vereinsmitglieder aber nicht nur darauf, sondern auch über ihren Nachwuchs. Der nämlich ist in Letzlingen sehr aktiv: Der Freitagnachmittag gehört wöchentlich den Kindern, "und es sind immer welche da", manchmal bis zu zehn Jungen und Mädchen, versicherte Jugendleiterin Stephanie Neuber stolz. Zwei Neuaufnahmen im vergangenen Jahr konnte der Verein verzeichnen. Und "ein Ende ist nicht abzusehen".