Sie läutet wieder - die alte Bronzeglocke im Turm der Schenkenhorster Kirche. Am Mittwoch beendeten die Glockenbauer aus dem sächsischen Heidenau mit dem Probeläuten die Sanierung der Glockensteuerung und des Geläutes.

Schenkenhorst l Drei bis vier Anlagen dieser Art reparieren oder restaurieren die Glockenbauer aus dem sächsischen Heidenau, das zwischen Pirna und Dresden liegt, durchschnittlich jeden Monat. Ihr jüngst vollbrachtes Werk: die Glockensteuerung und Läuteanlage der Schenkenhorster Kirche.

Der alten Bronzeglocke im Turm haben Ronny Möllenbruck und René Müller in dieser Woche wieder zu einem traditionellen Eichenjoch, statt des bisherigen Stahljochs, verholfen. Wie alt die offenbar mit den Stifternamen verzierte Glocke ist, konnten die Fachmänner nicht genau sagen. "Manchmal steht es gut sichtbar drauf. Und manchmal ist kein eindeutiger Hinweis zu finden", erklärt Ronny Möllenbruck. So auch bei der Schenkenhorster Glocke, die ihr sicher hohes Alter partout nicht zu erkennen geben wollte.

Wesentlich leichter fiel die Recherche bei der zweiten Glocke aus. 1958 steht auf der Eisenhartgussglocke. Während die Bronzeglocke komplett ausgebaut worden ist, blieb sie in ihrem Geläut hängen. "Für diese Glocke haben wir an dem alten Stahlklöppel neue Bronzepuffer angebracht. Das ist wichtig für den Klang. Die alten Puffer waren wahrscheinlich abgenutzt", sagt der Glockenbauer.

"Ob wir alles richtig gemacht haben, erfahren wir erst, wenn geläutet wird."

Außer den glänzenden, ziemlich großen Kupferstiften hat der Klöppel aber auch eine neue Aufhängung bekommen. Lediglich drei Lagen, sehr robusten Leders halten den schweren, bei Gebrauch ständig hin und her schwingenden Klanggeber der Glocke in seiner Konstruktion. Ob der Klöppel nach der Montage auch richtig schwingen würde, das sei jedes Mal eine Überraschung, gesteht Ronny Möllenbruck. "Ob wir alles richtig gemacht haben, erfahren wir immer erst, wenn sie das erste Mal wieder geläutet wird. Das ist das Risiko dabei, wenn man etwas Altes und etwas Neues zusammenbaut", gesteht er mit einem durchaus ernst gemeinten Augenzwinkern.

Eigentlich gibt es den Beruf des Glockenbauers ja nicht, erzählt Ronny Möllenbruck noch. "Wir sind mehr so eine Symbiose aus Elektriker, Schlosser, Zimmermann und sogar noch Schuster, wenn man es ganz genau nehmen möchte", sagt er lachend. Und ein bisschen Historiker kommt auch noch dazu. Denn wenn man auch schon mal mit Glocken zu tun hat, die aus dem 13. Jahrhundert stammen, dann ist das durchaus etwas Besonderes. "Die sehen anders aus, als man es gewohnt ist", erklärt der Fachmann weiter. Ihre Form ähnele der eines Zuckerhutes, so der Glockenbauer.

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