Die Störche gehören zum Drömling. Fast täglich sind die Adebare auf der Suche nach Nahrung mit ihren eleganten Schreitbewegungen auf Wiesen und Feldern zu sehen. Das Storchenpaar in Mieste hat dabei besonders viel zu tun.

Mieste l Sie recken nicht mehr nur ihre Köpfe in die Höhe, wenn die Altvögel mit Futternachschub angeflogen kommen. Nein, die Jungstörche im Nest des Miester Storchenpaares stehen bereits auf dem Horst und machen auch schon die Flügel breit. Dass die Jungen in Mieste relativ weit in ihrer Entwicklung sind, ist nicht unbedingt bemerkenswert, wie Hans-Günter Benecke aufklärt. Viel mehr bemerkenswert ist am Miester Horst, dass sich dort fünf Jungstörche den Platz im Nest teilen.

"In den vergangenen zehn Jahren hat es insgesamt fünf Fünfer-Bruten im Drömling gegeben", entnimmt der ehrenamtliche Storchenbeauftragte aus Sachau der Bilanz. Für Mieste registriert der Sachauer dieses relativ seltene Ereignis in diesem Jahr zum ersten Mal. "Es ist nicht regelmäßig, aber es kommt vor", sagte Hans-Günter Benecke.

Die ersten Fünfer-Bruten wurden 1998 im Drömling nachgewiesen. Jeweils fünf Jungstörche wurde in jenem Jahr im Dannefelder Horst, im Horst im Belfort bei Kunrau und im Nest im Röwitzer Drömling gezählt.

"Die fünf Jungtiere sind in ihrer Entwicklung schon recht weit"

Hans-Günter Benecke

Erst 2007 war anscheinend wieder ein derart gutes Futterjahr für die Störche, dass sie im Nest am Minenberg bei Köckte wieder fünf Jungtiere satt und damit groß bekamen.

Drei Jahre später, nämlich 2010, weist die Bilanz von Hans-Günter Benecke eine weitere Großfamilie bei Adebars auf. Im Nest in Trippigleben reckten fünf Jungstörche die Schnäbel in die Höhe sobald die Altvögel mit Futter anflogen.

Für die Miester Fünflinge sieht Hans-Günter Benecke gute Chancen, dass sie es schaffen können, sich zum Ende der Saison einer Gruppe ziehender Störche anzuschließen. "Die fünf Jungtiere sind in ihrer Entwicklung schon recht weit", argumentiert der Sachauer und erklärt im Vergleich dazu, dass die Storchenpaare in Jerchel und auch in Sachau noch brütend auf den Eiern sitzen. Der zeitlich recht große Unterschied zwischen den Entwicklungsstufen der Jungstörche sei schon bemerkenswert, sagt Benecke. "Das ist aber nicht ungewöhnlich", kann er beruhigen, dass auch die noch nicht geschlüpften Störche bis zum Abflug in Richtung Süden noch rechtzeitig groß werden und fliegen lernen.

Mit Sendern sollen in diesem Jahr allerdings keine Jungvögel ausgestattet werden. Für ein weiterführendes Forschungsprojekt dieser Art, wie es im vergangenen Jahr durchgeführt wurde, seien für 2014 keine finanziellen Mittel vorhanden.

Die Flugrouten der im vergangenen Jahr mit Rucksack und Sendern ausgestatteten Jungstörche verfolgt Hans-Günter Benecke aufmerksam und täglich. So hat sich der ältere der beiden Sachauer Jungstörche aus dem vergangenen Jahr am Dienstagabend in der Türkei, an der Grenze zu Bulgarien, aufgehalten. Der etwas jüngere und kleinere hingegen "macht hier große Runden", berichtet Benecke. Zurzeit ist er im Raum Jessen. Er hatte sich aber nach seiner Rückkehr aus dem spanischen Winterquartier auch schon in der Gegend um Hamburg und Bremen entlang der Elbe bis nach Stendal hin aufgehalten. Wo sich die besenderten Störche einmal zur eigenen Brutpflege niederlassen werden, das wird sich erst in ein oder zwei Jahren zeigen, wenn sie ihr eigenes Nest bauen.