Gardelegen l "Die Burgstraße ist jetzt eine archäologische Wüste." Mit dieser Feststellung schloss Dr. Uwe Fiedler am Dienstagabend seinen Vortrag über die archäologische Baubegleitung während der elfmonatigen Bauzeit. Viele Gardeleger und auch Auswärtige waren gekommen, um mit dem Archäologen aus Berlin einen Blick in die mittelalterliche und neuere Stadtgeschichte in diesem Viertel zu werfen.

Uwe Fiedler und Grabungszeichner Reinhard Heller aus Diesdorf waren im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt tätig. Dort, im Landesamt in Halle, sind derzeit alle Funde eingelagert und dokumentiert. Sie können für Ausstellungen ausgeliehen werden. "Es ist aber ungewiss, wann sie wissenschaftlich ausgewertet werden", sagte Uwe Fiedler. Die Auswertung aller Funde würde für einen Archäologen etwa zwei Jahre Arbeit bedeuten.

Im Ergebnis wird sicher "Neues über die Stadtgeschichte herauskommen", ist er sich sicher. Und: "Ohne die archäologische Baubegleitung hätte man die Stadt um einen Teil ihrer Baugeschichte beraubt." Darum sollte nicht nur auf das Geld - die Kosten teilen sich als Bauherren die Stadt und der Wasserverband - geschaut werden, "sondern auf das, was wir für die Nachwelt gesichert haben. Das ist unbezahlbar", sagte Fiedler.

Mehr als 29000 Funde - darunter allein zirka 21000 Keramikscheiben, zu fast 90 Prozent mittelalterlich, und fast 6000 Fragmente von Tierknochen - seien für eine Baubegleitung "ungewöhnlich", erklärte der Fachmann. Bei einer Ausgrabung wäre die Zahl noch viel höher, denn so konnten nur etwa 20 Prozent der Funde eingesammelt werden. Die Mitarbeiter der Baufirmen seien dabei sehr kooperativ gewesen, hätten auch beim Einsammeln geholfen, bedankte sich der Archäologe: "Es lief einigermaßen konfliktfrei." Er und Reinhard Heller haben nicht nur direkt auf der Baustelle gearbeitet, sondern auch den Abraum auf dem Lagerplatz noch einmal unter die Lupe genommen, oder besser gesagt unter den Metalldetektor.

Wichtiger als die Funde sind für die Archäologen die Befunde. Darum wurden auch 199 Profile aufgenommen mit Höhenangaben und Beschreibung der Erdschichten. "Sie geben einen Einblick in das Relief der Straße bei der Anlage", erklärte Uwe Fiedler. Während seines Vortrages stellte er als Beispiele einige Funde vor, unter anderem Tuchplomben aus Blei, mit denen Stoffballen gekennzeichnet worden waren und die ein Hinweis auf eine gewerbsmäßige Tuchherstellung sind. Gefunden wurden auch viele deformierte Scherben - vermutlich Abfall eines Töpfereibetriebes, der sich wegen der Brandgefahr nahe der Stadtmauer befunden haben muss. Zu den bedeutendsten Funden gehört eine Heinrich-von-Gardelegen-Münze, vermutlich in Salzwedel geprägt. Münzen aus der Zeit Heinrichs von Gardelegen, der von 1184 bis 1192 herrschte, gibt es nur sehr wenige. Die Münze wird in der Ausstellung gezeigt.

Das vierte Gardeleger Stadttor (in Richtung Burg, heute Schloss Isenschnibbe), das Schinderhaus, die beiden Brunnen und vieles andere schnitt Uwe Fiedler während seines Vortrages an und setzte es in Verbindung zu den Funden.

Die Ausstellung "Geschichte unter dem Straßenpflaster" kann bis zum 3. Juli im Haus 2 der Stadtverwaltung (Erdgeschoss vor Raum 007) besucht werden während der Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr sowie Dienstag von 13 bis 17 Uhr und Donnerstag von 13 bis 16 Uhr.

 

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