Gut vier Jahrzehnte komplett verschollen und im Spätsommer 2012 überraschend wiedergefunden, soll der steinerne Soldat, errichtet 1914, jetzt restauriert werden. Der Auftrag ist vergeben. In den ersten Augusttagen soll die Statue auf dem städtischen Friedhof - in Erinnerung an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges - wieder errichtet werden.

Gardelegen l Er ist ein Teil, von in Stein gemeißelter Geschichte, ein Stück Geschichte, die letztlich 17 Millionen Menschen den Tod brachte - der erste Weltkrieg, der im Sommer 1914 seinen blutigen Anfang nahm. 100 Jahre sind seitdem vergangen. Und vielerorts wird in diesem Jahr mahnend an den Beginn des Ersten Weltkrieges erinnert. Gardelegen wird eine Station sein, die mit einer besonderen Aktion an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erinnern und der Millionen Toten gedenken will, denn auch viele Gardeleger sind unter den Kriegstoten. Allein 69 Gräber von Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind, befinden sich auf dem städtischen Friedhof an der Bismarker Straße. Dort, nahe der Gräberreihen, soll auch der steinerne Soldat gewissermaßen seine letzte Ruhe finden.

Gräberfeld auf städtischem Friedhof wurde saniert

Es handelt sich um eine Statue, die 1914 als Teil eines Monumentes auf dem Gardeleger Friedhof errichtet worden war - finanziert von Kriegsgefangenen aus mehreren Nationen.

"Damals befand sich bei Zienau ein Interniertenlager", erzählte Birgit Matthies, Sachgebietsleiterin in der Stadtverwaltung für Sicherheit, Ordnung und allgemeine Gefahrenabwehr. Sie betreut seitens der Stadt das Vorhaben. Die Toten aus dem Lager seien zunächst auf dem Gardeleger Friedhof bestattet worden. Nach Ausbruch einer Typhusseuche in diesem Lager sei dann in Lagernähe bei Zienau ein eigener Friedhof errichtet worden - mit eigener Kapelle und eben jenem Monument, das bis dato auf dem Gardeleger Friedhof stand.

"Der Friedhof soll dort noch bis Anfang der 1960er Jahre existiert haben. Um 1963 wurden die Gräber beseitigt. Die Kapelle soll wohl noch bis in den 1970er Jahren gestanden haben", erzählte Birgit Matthies.

Auch der steinerne Soldat stand noch dort, allerdings schon ohne Kopf. Irgendwann war auch der Torso verschwunden. Keiner wusste, wo die Statue abgeblieben war. Sie blieb gut vier Jahrzehnte verschollen. Im Spätsommer vor zwei Jahren machten Pilzsammler einen überraschenden Fund. Manfred Eisenhuth und sein Schwager Günter Hummelt waren dort unterwegs. Einer der beiden Männer, die beide nach eigenem Erzählen den steinernen Soldaten und den Friedhof noch aus Kindheitstagen kannten, war auf der Statue ausgerutscht, die in einem Erdloch lag und vermutlich verbuddelt worden war. Beide legten die Statue mit Schaufeln frei und benachrichtigten Anette Bernstein vom Kultur- und Denkmalpflegeverein. Gemeinsam mit der Stadt und schwerer Technik der Bundeswehr wurde die Statue geborgen und in einem Gebäude der einstigen Verwaltungsgemeinschaft Südliche Altmark eingelagert.

Heute befindet sich die Statue in einem anderen Gebäude und wartet auf ihre Restaurierung. Die Stadt hatte das Projekt ausgeschrieben. Ein Magdeburger Bildhauer hat den Zuschlag erhalten. Fördermittel für die etwa 20000 Euro teure Sanierung sind beantragt worden.

Die Zwischenzeit hatten Anette Bernstein und Wally Schulz vom Kultur- und Denkmalpflegeverein genutzt, um die Geschichte des Zienauer Gefangenenlagerfriedhofes zu erforschen, erzählte Birgit Matthies.

Unabhängig von der Soldatenstatue hat die Stadt die steinernen Kreuze auf den Gräbern der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten sanieren lassen. Die Steine seien gereinigt, die Schriften und Grabplatten erneuert worden. Saniert wurde auch das Hochkreuz aus Natursteinen. Das Land habe dieses Projekt zu 100 Prozent gefördert mit 21833 Euro.

An den Friedhof bei Zienau jedoch erinnert heute nichts mehr. Der Wald befindet sich in Privatbesitz. Im Gespräch sei, so Birgit Matthies, dort eventuell eine Gedenkplatte aufzustellen.

 

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