Die Band Spektrum gehört zu den ältesten Gruppen der Region. 1972 gegründet, treffen sich die Musiker regelmäßig in Polvitz zum Proben. Auch beim Sachsen-Anhalt-Tag wollen sie präsent sein. Während einer Probe erinnerten sich die Musiker an die bewegte Bandgeschichte.

Polvitz/Gardelegen. Josef Kretschmer, Uwe Hähnsen, Dietmar Hinz, Wilfried Wiemers, Ulrich Tesarik und Uwe Herbst – das sind die Mitglieder der Band Spektrum, die sich derzeit auf einen Auftritt beim Sachsen-Anhalt-Tag in Gardelegen vorbereiten. An Kopfhaar haben die Musiker seit der Gründung der Band 1972 zwar etwas verloren, nicht aber an Energie und Freude am Rocken.

Spektrum ist eine der ältesten Bands der Region. Ursprünglich als Schülerband gegründet, spielten die Musiker schon damals handgemachte Rockmusik der Puhdys, von CCR, Deep Purple, Simon & Garfunkel und anderen namhaften Bands. Einiges war früher aber anders, berichteten die Musiker bei einer Probe in Polvitz. Nicht jeder, der Lust hatte, durfte zu DDR-Zeiten Musik machen und öffentlich auftreten. Zuerst mussten die jungen Leute ihre Fähigkeiten bei einer Einstufung beweisen, die vor einer Kommission der Abteilung Kultur des Rates des Kreises abgelegt wurde. Mindestens 60 Prozent des Repertoires sollten aus dem Osten kommen, maximal 40 Prozent durften aus dem Westen sein. "Bei Auftritten haben wir dann aber meist 100 Prozent West gespielt", sagte Schlagzeuger Uwe Hähnsen schmunzelnd.

Herrenloses Schlagzeug fand neuen Besitzer

Bis 1977 rockten die Musiker in zahlreichen Sälen in der Umgebung von Gardelegen – ausschließlich mit gecoverten Rocksongs. Und so manche Begebenheit von damals lässt die Musiker noch heute Schmunzeln. In Kakerbeck beispielsweise habe es ein herrenloses Schlagzeug gegeben, dass in einer Nacht- und Nebelaktion in Spektrum einen neuen Besitzer fand. "Das war eigentlich der Anfang", berichtete Hähnsen, der auch erzählte, dass die Musiker zu Beginn zum Teil mit geborgten Instrumenten spielten. Mobil waren die jungen Leute damals nur begrenzt. Und mit samt Equipment – Lautsprecherboxen, Verstärker und Scheinwerfer Marke Eigenbau aus alten Radios und Autoscheinwerfern, die mit Buntglasfiltern versehen wurden – blieb im Transportfahrzeug nicht für alle Musiker Platz. So kam es, dass Sänger Uwe Herbst 1973 per Anhalter zum Auftritt nach Havelberg trampte und sein Ziel mit einer Stunde Verspätung erreichte. Improvisieren war für die übrigen Bandmitglieder angesagt, die dann abwechselnd hinter dem Mikrophon standen, bis der Sänger eintraf.

Die Musiker waren schon damals ausschließlich Autodidakten, die sich nicht nur das Spielen ihrer Instrumente selbst beibrachten und so ihren eigenen Stil entwickelten, sondern auch die Harmonien und Songtexte englischer Rocktitel vom Radio abhörten, niederschrieben und so sangen, wie sie sie gehört hatten. Heute suchen sich die Musiker ihre Songtexte und Noten aus dem Internet. Damals gab es diese Möglichkeit aber nicht.

Armee, Heirat und Studium ließen das Rocksextett 1977 auseinandergehen. Fast 20 Jahre war es still um Spektrum, und jedes der einstigen Bandmitglieder ging seinen eigenen Weg. 1995 erhielt Uwe Hähnsen dann einen Anruf von Josef Kretschmer. "Rate mal, wer bei mir ist?", habe Kretschmer gefragt. Im Hintergrund habe Hähnsen dann schon Gitarrenklänge gehört, die auf Wiemers hinwiesen. Und auf die Frage, ob Hähnsen dabei sei, gab es für ihn nur eine Antwort: "Es wurde ein Schlagzeug gekauft, und dann ging es los." Anlass war damals ein Musikertreffen ehemaliger Bands aus der Region, das für 1996 geplant worden war.

Alle Bandmitglieder waren damals verheiratet, hatten Beruf und fast erwachsene Kinder und waren auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Ein Neuanfang von Spektrum war da willkommen. Seit 1995 treffen sich die Männer regelmäßig in dem urigen Nebengelass eines Polvitzer Grundstückes zum Proben. Mit ihrem Repertoire – zeitlose Rockklassiker von Santana, CCR, Tom Petty, Chris Rea, Deep Purple, Dire Straits, Eric Clapton und vielen anderen – können die Musiker locker einen Abend füllen. Auftritte bei Stadtfesten oder in Pubs standen in den vergangenen Jahren immer wieder an. Nun hoffen die Musiker, sich auch beim Sachsen-Anhalt-Tag präsentieren zu können.

Musik sei eines der schönsten Hobbys, das man haben kann, sind sich die Männer einig. Die Musik bereite nicht nur ihnen selbst, sondern auch den Zuhörern Freude, halte jung und mache einfach Spaß.

Der Spaß ist den Männern auch bei den Proben anzusehen, wenn Josef Kretschmer im Rhythmus der Musik wiegend die Bass-Linie spielt, Uwe Hähnsen in einer Schlagzeugpause mit seinen Sticks jongliert, Sänger Ullrich Tesarik beim Singen hingebungsvoll die Augen schließt, Leadgitarrist Wilfried Wiemers im Gitarrensolo leidenschaftliche Vibratos produziert und Dietmar Hinz an den Tasteninstrumenten hochkonzentriert für klangliche Effekte sorgt.

Gutes Equipment für gute Musik

In ihr Equipment haben die Musiker inzwischen etliche Euro investiert und dadurch ein semiprofessionelles Niveau erreicht. Sie sind sich sicher: Wer gute Musik machen möchte, braucht dazu auch die entsprechende Ausrüstung.

Aber auch die Chemie scheint zwischen den Männern zu stimmen. Allein mit Blicken oder drei Takten an einem der Instrumente können sich die Musiker untereinander abstimmen. Eine Band sei ein sensibles Gefüge, sagte Dietmar Hinz. Jeder trage für den anderen Verantwortung. "Beim Fußball gibt es immer Ersatzspieler, wenn in einer Band jemand fehlt, dann geht es nicht", fügte er erklärend hinzu. Die Musik fördere außerdem den Zusammenhalt und die zwischenmenschlichen Beziehungen, denn während der Probenpausen werden nicht nur regionale Themen und die große Politik ausdiskutiert. Auch persönliche Dinge kommen zur Sprache. "Nach so vielen Jahren brauchen wir uns nur anzugucken, dann wissen wir schon Bescheid", sagte Wilfried Wiemers.

Dass Musik auch verbindet, zeigt die jüngste Zusammenarbeit mit zwei Mitgliedern der Band Sommerbier aus Gardelegen. Jürgen und Gesine Biermann proben seit einigen Wochen gemeinsam mit Spektrum. Wenn es mit einem Auftritt beim Sachsen-Anhalt-Tag klappt – und das ist absolut wünschenswert – können sich die Besucher dann auch von dem bandübergreifenden Probenergebnis überzeugen.