Am 10. Februar 1984 hat sie zum ersten Mal ein Hochzeitspaar getraut. Seither hat Hannelore Beneke rund 700 weitere Ehen auf den Weg gebracht. Doch damit ist nun Schluss. Denn gestern hatte die Kalbenser Standesbeamtin ihren letzten Arbeitstag.

Kalbe l "Man geht mit einem weinenden und einem lachenden Auge." Der Umgang mit den Menschen, der werde ihr auf jeden Fall fehlen, auch wenn sie sich ansonsten sehr auf den Ruhestand freue, sagt Hannelore Beneke.

Gestern ist die langjährige Kalbenser Standesbeamtin von Bürgermeister Karsten Ruth in die passive Phase der Altersteilzeit verabschiedet worden. Zuvor war sie 31 Jahre lang in der Stadtverwaltung tätig. 30 Jahre davon verantwortete sie das Standesamt, zu dessen Aufgabenbereich auch Namensänderungen und Sterbefälle zählen. Aber auch kommunale Versicherungsangelegenheiten gehörten zu Hannelore Benekes Tätigkeitsfeld. "Der Kontakt mit den Menschen, der hat mir aber immer am meisten Spaß gemacht", sagt sie.

"Wir mussten uns alles von unseren Kollegen abschauen."

Dabei wusste sie anfangs gar nicht, ob sie sich die Aufgaben einer Standesbeamtin wirklich zutrauen sollte. Denn das Sprechen vor einer Hochzeitsgesellschaft erfordere Mut. Und sie habe sich auch fast alles selbst beibringen müssen. "Für Reden existierten keine Anleitungen", so die 60-Jährige. Lehrgänge, wie sie inzwischen für Nachwuchskräfte üblich seien, habe es damals nicht gegeben, ebenso wenig wie das Internet oder die guten Bücher, die heute oftmals weiterhelfen könnten. "Wir mussten uns alles irgendwie von unseren Kollegen abschauen", sagt die Kalbenserin. Entsprechend groß sei dann natürlich die Anspannung bei der ersten Trauung im Februar 1984 gewesen. Und ein bisschen Aufregung sei auch hinterher immer mit dabei gewesen. "Manchmal dachte ich, die Hochzeitsgäste könnten sehen, wie mein Herz pocht", sagt Hannelore Beneke lachend.

Einmal wurde sie allerdings richtig nervös. Denn gerade, als sie für eine Trauung den Raum für Eheschließungen öffnen wollte, klemmte plötzlich die Tür. Und draußen fand sich bereits die Hochzeitsgesellschaft ein. Der Retter in der Not, so erinnert sich die langjährige Standesbeamtin mit einem Seufzer, hieß damals Helmut Bender. Er, der zu dieser Zeit Bürgermeister war, kam zufällig im Rathaus vorbei, fragte, was los sei und ruckelte dann kräftig an der Tür des Trauzimmers. Und siehe da: Plötzlich öffnete die sich.

"Erste Eheschließung im Schloss war für mich etwas Besonderes."

"Etwas Besonderes war für mich auch die erste Eheschließung im Schloss von Goßler", sagt Hannelore Beneke. Im Juni 2007 wurde dort erstmals geheiratet, wobei das Brautpaar selbst die Initialzündung geliefert hatte. Wegen des romantischen Ambientes lassen sich inzwischen immer mehr Paare lieber dort vermählen als im Rathaus. Sogar von außerhalb kommen die Heiratswilligen.

Hannelore Beneke selbst, die im Lauf ihrer Berufszeit etwa 700 Ehen auf den Weg gebracht hat, ist seit 41 Jahren verheiratet. Und sie freut sich auf mehr Zeit, die sie nun mit ihrem Mann Bernd verbringen kann. Der ist nämlich auch schon Ruheständler. Gemeinsam wollen sich die zweifachen Eltern künftig nicht nur um Haus und Garten sowie um die beiden Enkelkinder kümmern, sondern auch schöne Reisen unternehmen. Schließlich sind sie Besitzer eines Wohnmobils und begeisterte Camper.

Hochzeiten werden Hannelore Beneke dennoch nicht ganz loslassen. Schließlich wohnt sie vis-à-vis ihrer bisherigen Arbeitsstätte, sieht also, wenn dort ein Brautpaar vorfährt. Und dass auch künftig in Kalbe standesamtlich geheiratet werden kann, dafür sorgt Nachfolgerin Kristin Schulz (Volksstimme berichtete).