Ein im Zuge des Klein Engersener Straßenbaus einzusetzender Sedimentfang, für den die Stadt Kalbe entgegen ursprünglicher Planungen keine Fördermittel erhält, erhitzt weiter die Gemüter. Ortsbürgermeister Wilfried Hartmann legt sich sogar mit dem Planungsbüro an.

Kalbe/Engersen l "Das Planungsbüro hat eine schlechte Arbeit geleistet." Dieser Satz ist während der jüngsten Sitzung des Kalbenser Stadtrates von dessen Mitglied Wilfried Hartmann verlesen worden.

Der ist zugleich Ortsbürgermeister von Engersen sowie Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Milde/Biese. Und als solcher hatte er 2013 im Rahmen des Genehmigungsverfahrens für den Bau der Klein Engersener Ortsdurchfahrt Kenntnis davon erhalten, dass ein Sedimentfang in die Entwässerung eingesetzt werden soll. Hartmann intervenierte, weil es sich nach seiner Ansicht bei dem Oberlauf, in den das Regenwasser künftig abgeleitet werden soll, nicht mehr um ein Gewässer zweiter Ordnung handelt, die teure Anlage also unnötig ist. Die Planungsunterlagen wurden daraufhin überarbeitet.

Die Untere Wasserbehörde teilte Hartmanns Auffassung jedoch am Ende nicht und informierte im Februar 2014 die für die Regenentwässerung zuständige Stadt Kalbe darüber. Zu dieser Zeit wurde aber bereits die Ausschreibung der Gesamtbaumaßnahme von der Landesstraßenbaubehörde vorbereitet. Und die entstandene zeitliche Verzögerung führte letztlich dazu, dass der Sedimentfang nun nicht mehr mit in die Förderung einfließt. Der Stadt, aber auch den Anliegern der Klein Engersener Ortsdurchfahrt entstehen dadurch Mehrkosten (Volksstimme berichtete). Und das war auch Thema einer kurzfristigen Sitzung des Bauausschusses im Juni, bei der Planer Jan Göppel den Werdegang aus seiner Sicht dargestellt hatte, ohne Hartmann aber persönlich anzugreifen.

"Schlechteste und auf Dauer teuerste Lösung"

Wilfried Hartmann

"Der hätte diesen Termin ebenfalls wahrnehmen können", meinte Göppel nun, nachdem ihn die Volksstimme mit den Vorwürfen des Engerseners konfrontierte. Der hatte nämlich während der jüngsten Ratssitzung auch erklärt, dass das Planungsbüro "keine Variantenprüfung für die Einleitung" vorgenommen habe, sondern stattdessen "die schlechteste und auf Dauer teuerste Lösung" für die Klein Engersener Regenentwässerung gewählt habe. Schließlich sei der Sedimentfang nicht frei einsehbar, müsse aber regelmäßig gereinigt werden. Das hatte dann auch den Ratsvorsitzenden Gerhard Gansewig zu der Feststellung hingerissen: "Ein Sedimentabscheider, der nicht einsehbar ist, ist ein Schildbürgerstreich."

Bis heute gäbe es laut Hartmann auch keine plausible Erklärung dafür, warum so eine Anlage in Klein Engersen, nicht aber bei der Ortsdurchfahrt in Wernstedt, beim Siedlungsweg oder der Schulstraße in Kalbe nötig sei. Alle diese Verkehrswege wurden oder werden gerade grundhaft ausgebaut.

Jan Göppel sagte, dass ursprünglich auch in Klein Engersen ohne Sedimentfang gebaut werden sollte, dass letztlich aber den Forderungen der Unteren Wasserbehörde Folge geleistet worden sei. Der Planer äußerte sich bestürzt über Hartmanns Vorwürfe. Bereits während der zurückliegenden Bauausschusssitzung hatte er nämlich erklärt: "Wir haben ein System herausgesucht, mit dem wir die gesetzlichen Anforderungen erfüllen und das gleichzeitig die geringste Belastung für den Auftraggeber bedeutet."