Ein schöner gemischter Salat, lecker. Ein gemischtes Eis – herrlich erfrischend. Eine gemischte Sauna – hängt ein bisschen von denen ab, die noch mir drin sitzen, kann aber auch schön sein. Eine gemischte Fraktion – sagen wir mal: auch interessant. Nun haben wir sie, eine Mischung, so ein bisschen zusammengewürfelt, von überall her, von jedem etwas. Mischmasch sozusagen. Und dabei aber doch so vielfarbig wie ein gemischtes Eis. Gustav Wienecke, liberaler Ortsbürgermeister aus Wannefeld, steht für das giftige Gelb eines Zitroneneises. Da zieht mancher den Mundwinkel zusammen, wenn der Wannefelder ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten lospoltert. Sein junger Kompagnon Normen Gadiel, aufstrebender Liberaler, den Blick schon nach Magdeburg gerichtet, liegt neben ihm als Heidelbeereis und sorgt damit für das liberale Blau neben dem liberalen Gelb im Mischmasch-Eisbecher. Der Genießer freut sich, wenn er dort auch das Rot des Brombeereises entdeckt. Es gehört Peter Kapahnke, dem manchmal etwas knörigen Ortsbürgermeister aus Potzehne, einst PDS-Hoffnung für ein Landtagsmandat. Ein bisschen peinlich ist es ihm schon, dass sich sein Dunkelrot nun mit dem Gelb und Blau zu einer undefinierbaren Soße vereint. Immerhin aber konnte er verhindern, dass der Eisbecher FDP-Becher heißt. Nun bildet er einen geschmacklichen Kontrast zum FDP-Blau-Gelb, eine wahre Geschmacksexplosion, ein Rausch der Sinne. Da wächst auf der Zunge zusammen, was nie zusammengehörte. Doch gleichsam zur Besänftigung der aufgewühlten Geschmacksnerven schmiegt sich die weiße Vanilleeiskugel des Bäckermeisters Christian Glatz aus Jävenitz an die kühlen Partner. Wer pro Jävenitz ist, ist sicher irgendwie auch pro Potzehner Freibad und ganz sicher auch für höhere Aufwandsentschädigungen. Das geht geschmacklich total gut zusammen. Was sieht denn da so bunt aus, irgendwie gar nicht definierbar? Es ist das exotisches Fruchteis von Henning Giggel aus Köckte. Das wollten viele in ihrem Eisbecher haben, die SPD auch. Doch Giggel hielt nichts vom Mischmasch mit den Genossen, hielt gar nichts von gemischt und so. Aber alleine schmilzt man so schnell weg, dachte er sich dann – gemeinsam hält wohl doch länger. Nun genießt er sein Ratsdasein ohne die Genossen. Über allem thront Regina Lessing an der Spitze – einst kräftig rot, inzwischen in 20 Jahren Bundesrepublik wählergemeinschaftlich gebleicht, im hellen Rot eines Himbeereises. Fehlt nur noch die Sahnehaube. Die könnten die beiden Freilistler Hannelore von Baehr und Norbert Hoiczyk bilden. Doch die Mischmasch-Eiskugeln wollen nicht. Hannelore von Baehr als süßes Sahnehäubchen könnten sie sich vielleicht noch vorstellen. Doch die Angst ist groß, dass Hoiczyk heimlich Meerrettich in die Sahne mixt. Oder, schlimmer noch: Einfach ganz viel Salz über den Eisbecher kippt, so dass das schöne Mischmasch bald auseinanderläuft. Doch wer farblich so schön harmoniert, der braucht dazu gar keinen Hoiczyk. Jörg Marten