Die Kalbenser Burgruine wird saniert, auch wenn die Maßnahme 30000 Euro teurer wird als ursprünglich geplant. Das hat der Kalbenser Stadtrat am Donnerstag nach längerer Diskussion mehrheitlich entschieden.

Kalbe l "Die Burg ist das Wahrzeichen von Kalbe", sagten Günter Pusch und Gerhard Ganse-wig unisono. Ihre Sicherung "kann nicht mit dem Bau eines Dorfgemeinschaftshauses gleichgesetzt werden", betonte auch Helmut Bender, als es am Donnerstag in einer Eilsitzung des Stadtrates um die Mehrkosten für die Burgsanierung ging.

Diese betragen rund 30000 Euro (Volksstimme berichtete). Und das liegt nicht nur an den Baukosten, die im Vergleich zur 2013 erfolgten Erstplanung stark gestiegen sind, sondern auch an den Denkmalschutz-Auflagen. Allein für Schichtenfotografie, Befunderfassung und restauratorische Voruntersuchung sind 13618 Euro zusätzlich angefallen. Doch habe das zuständige Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) signalisiert, dass diese bereits erledigten Arbeiten mit gefördert würden, erklärte Bauamtsmitarbeiter Frank Wulff. Anders sehe es da mit den Mehrkosten von 16282 Euro aus, die sich erst am 29. Juli nach der Eröffnung der Angebote ergeben hätten. Ob auch hierfür Leader-Fördermittel bereitstünden, hänge davon ab, ob noch ausreichend Geld im Topf sei. Der Antrag dafür müsse jetzt beim ALFF gestellt werden, so Wulff.

Warum das nicht längst passiert sei, wollte Ratsmitglied Otto Wienecke wissen. Doch Wulff machte klar, dass erst die Ratsentscheidung abgewartet werden sollte: "Wenn Sie hier heute Ja sagen, geht der Antrag gleich morgen früh raus."

"Das Ganze ist eigentlich nicht finanzierbar."

Ratsmitglied Otto Wienecke

Ja wollte Otto Wienecke dennoch nicht einfach sagen. Aus seiner Sicht "ist das Ganze eigentlich nicht finanzierbar. Denn es gibt genügend Beispiele, dass auch woanders etwas passieren muss", sagte er in Anspielung auf den Zustand vieler Gemeindestraßen. Wienecke wollte wissen, ob die Burgsanierung nicht in abgespeckter Form erfolgen könnte. Dazu meinte Ratskollege Wilfried Hartmann: "Wenn ich hier etwas ändern wollte, bräuchte ich auch wieder eine geänderte denkmalschutzrechtliche Genehmigung. Und die dauert." Bürgermeister Karsten Ruth erinnerte in dem Zusammenhang daran, dass die aktuelle Leader-Förderperiode 2014 auslaufe. Und über die soll ja das insgesamt 152244 Euro teure Projekt subventioniert werden. Für die ursprünglich geplante Bausumme von 122440 Euro war bereits eine 75-prozentige Förderung in Aussicht gestellt. "Eine solche erhalten wir so schnell auch nicht wieder", so Ruth.

Helmut Bender, lange Zeit selbst Bürgermeister von Kalbe, unterstrich zudem: "Es geht ja hier um Gefahrenabwehr. Wenn wir nichts machen, müssen wir die Burg großflächig absperren." Und Hans-Georg Otte fügte an: "Da gibt es direkte Anwohner. Auch an die muss man denken. Wenn etwas passiert, könnte es im Endeffekt noch teurer werden."

In der Vergangenheit hatten sich aus der Burgruine immer wieder Putz und Gesteinspartikel gelöst. Bereits seit anderthalb Jahren befasst sich der Stadtrat mit der Sanierung, die aber nun wegen des Endes der Leader-Förderperiode zwingend noch in diesem Jahr abgerechnet werden müsste.

Die Mehrkosten indes könnten aus der Summe abgedeckt werden, die vorsorglich für die Heizungsanlage der kommunalen Wohnblöcke auf dem Petersberg in den Haushalt eingestellt worden war. Das Geld wird nicht mehr dafür benötigt, weil die Stadtwerke Stendal besagte Anlage übernommen haben.

Dennoch gab es am Ende ein Nein von Otto Wienecke. Doris Beneke enthielt sich der Stimme. Die anderen zwölf Ratsmitglieder, die zur Eilsitzung erschienen waren, gaben hingegen grünes Licht. Im nichtöffentlichen Teil wurde dann auch noch der Auftrag an eine Spezialfirma aus dem Landkreis Börde vergeben. Sie soll noch in diesem Monat tätig werden.