Massentierhaltung und die daraus resultierenden Gefahren waren am Dienstagabend Thema einer Podiumsveranstaltung unter der Regie der BUND-Ortsgruppe in Schenkenhorst. Dort plant ein landwirtschaftliches Unternehmen den Bau einer Hähnchenmastanlage mit 173000 Tieren.

Gardelegen l Noch steht die Anlage nicht, obwohl die Baugenehmigung bereits erteilt ist: Ihren Plänen, in Schenkenhorst eine Hähnchenmastanlage für 173200 Tiere zu bauen, schlägt Maik Volber und Frank Reboné seit Jahren massiver Protest ihrer Mitbürger entgegen. Die haben Angst vor einer Verseuchung des Bodens, vor gesundheitlichen Risiken durch Keime und die Zunahme von Verkehr sowie Angst vor dem Werteverfall ihrer Wohnhäuser.

Seit Jahren laufen Bürger aus Schenkenhorst und den umliegenden Dörfern Sturm gegen den Massentierhaltungsbetrieb in unmittelbarer Nähe zu ihrer Ortschaft. Zuletzt hatte sich 2012 eigens eine Ortsgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND) in Schenkenhorst gegründet. Sie erhob Klage gegen die Baugenehmigung des Landesverwaltungsamtes. Seither gehen die Schreiben zwischen den Anwälten hin und her. Es gibt noch keinen Gerichtstermin.

"Rund 30000 Menschen jährlich sterben, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr anschlagen."

Dr. Eberhard Puls

Ob es aber überhaupt einen geben wird, hängt offensichtlich auch von der Finanzierung ab. Daran ließ BUND-Landesgeschäftsführer Oliver Wendenkampf am Dienstag während einer Infoveranstaltung der Ortsgruppe keinen Zweifel: "Wir brauchen Geld, um den Prozess durchzuhalten." Ohne Spenden, sei dies nicht zu schultern.

Um die Dringlichkeit ihres Anliegens noch einmal zu verdeutlichen, hatte die Ortsgruppe deshalb Referenten aus verschiedenen Bereichen eingeladen. So gab es einen sehr wissenschaftlichen Beitrag über die Folgen für Menschen durch Antibiotika-Missbrauch in der Tierproduktion. "Rund 30000 Menschen jährlich sterben, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr anschlagen", mahnte der Tangermünder Internist Dr. Eberhard Puls. Dies sei eine Folge des inflationärem Einsatzes in der Massentierzucht. "1700 Tonnen werden jährlich in Ställen verballert." Der Verzehr von Fleisch der so behandelten Tiere sorge zunehmend für Resistenzen bei den Verbrauchern.

Daraus, so stimmte ihm auch Altmarkkreis-Amtsärztin Dr. Cornelia Schmidt zu, resultiere dann auch so mancher Todesfall, da eine sogenannte Sepsis nicht mehr behandelt werden könne, insbesondere, so Schmidt, wenn die nötige Hygiene und Vorabbestimmung von Keimen in Kliniken nicht eingehalten werde.

Die teilweise drastisch geschilderten Folgen wollte Maik Volber, einer der Betreiber der künftigen Schenkenhorster Anlage, so allerdings nicht stehen lassen: Es sei doch wohl nicht Aufgabe der Landwirte, für Hygiene zu sorgen, konterte Volber, sondern die der Krankenhäuser. Er wollte von den beiden Medizinern konkret wissen, "wie jemand durch meinen Stall zu Schaden kommen kann?"

"Menschen kuscheln ja nicht mit Schweinen und sie knutschen auch nicht mit den Hähnchen."

Oliver Wendenkampf

"In dem er sich daneben stellt und atmet", antwortete ihm daraufhin Oliver Wendenkampf. "Menschen kuscheln ja nicht mit Schweinen und sie knutschen auch nicht mit den Hähnchen", sagte er. Keime würden durch Atemluft und Körperkontakt übertragen: "Ich rate jedem Arbeiter in Tierställen, sich testen zu lassen. Ich wette, jeder einzelne von ihnen ist multiresistent gegen Antibiotika." Das bedeute zwar nicht automatisch eine Gefahr. "Nur leider kommt kaum jemand durchs Leben, ohne mal ein Antibiotikum zu brauchen."

"Was hier passiert, geht uns alle an", mahnte auch Dr. Katharina Molenda, die als Wiepkerin und Ärztin der Kalbenser Median-Klinik im Zuschauerraum saß: "Ich würde meinen Patienten zum Beispiel nicht raten, in Schenkenhorst spazieren zu gehen."

Gegen die "Qualzucht", in Ställen, wie sie in Schenkenhorst entstehen sollen, sprach sich auch der Havelberger Tierarzt Dr. Nis Clason aus: "Ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie mit Ihrem Vorhaben gegen deutsches Tierschutzgesetz verstoßen?", fragte er in Richtung der Betreiber. Und die Frage sei zudem, "ob Sie als Betreiber solcher Anlage überhaupt glücklich werden" zweifelte auch Günter Zogbaum, Vizegeschäftsführer des BUND Sachsen-Anhalt. "Es geht ja bereits jetzt ein Riss durch Dorf, teils durch ganze Familien," erinnerte Oliver Wendenkampf.

Uli Jelinski, Mitglied der BUND-Ortsgruppe, hatte schon am Beginn der Veranstaltung diese Befürchtung geäußert: "Langfristig werden wir wohl alle Verlierer sein."

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