Wohnungen in Gardelegen gibt es auf dem Papier genug. Dennoch gibt es vor allem für ältere Menschen oft nicht das passende Angebot. Experten sehen beim barrierearmen Wohnen Nachholbedarf.

Gardelegen l Offiziell liest sich der Zensus für Gardelegen nicht schlecht. Im Gebiet der Hansestadt stehen laut der Statistik von 2011 rund 900 Wohnungen leer. Damit steht die Einheitsgemeinde Gardelegen verglichen mit den anderen Gemeinden relativ gut da. Fast im gesamten Kreis liegt die Leerstandsquote höher. Trauriger Spitzenreiter ist Kalbe mit rund elf Prozent, gefolgt von Klötze und Salzwedel mit jeweils rund zehn Prozent.

"Es gibt genug Wohnraum", sagt Wolfgang Oelze, Geschäftsführer der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft (Wobau). Die Wobau als der größte Vermieter der Stadt hat an dem geringen Leerstand einen gewichtigen Anteil. Momentan stehen nur drei Prozent der Wobau-Wohnungen leer. "Das ist ein Spitzenwert unter den kommunalen Gesellschaften in ganz Sachsen-Anhalt", stellt Oelze klar.

Allerdings sei es daher auch nicht immer einfach, für jede Anfrage das Passende zu finden, erläutert Oelze. Und viele Wohnungen stehen in den umliegenden Dörfern leer.

In der Kernstadt ist das Angebot angespannter. Das bestätigt für den privaten Markt auch Immobilienmakler Christian Schwarzlose. Aus seiner Sicht fehlen vor allem preiswerte Zwei- und Dreiraumwohnungen. Besonders betroffen seien Senioren. "Der Rentner findet natürlich ganz schwierig eine schöne Zwei- bis Dreiraumwohnung im Erdgeschoss mit Terrasse", sagt Schwarzlose. Ansonsten fehlten für höher gelegene Wohnungen häufig Fahrstühle.

Auch die Wobau sieht gerade in dem Bereich barrierearmes Wohnen Nachholbedarf. Im Schlüsselkorb wird daher ein ganzer Block mit Fahrstühlen nachgerüstet.

"Singlewohnungen sind ein anhaltender Trend."

Wolfgang Oelze

Die vergangenen Jahre habe die Wobau vor allem auf kleinere Wohneinheiten gesetzt. "Singlewohnungen sind ein anhaltender Trend", sagt Oelze. Die Wobau reagierte darauf mit dem Umbau von größeren Wohneinheiten zu kleineren - wie zum Beispiel in der Bahnhofsstraße 31. Trotz rückläufiger Einwohnerzahlen in den vergangenen Jahren gelang es der Gesellschaft so, mehr Wohnungen zu vermieten.

Anfragen auf richtig große Wohnungen - zum Beispiel von Familien - seien dagegen eher selten. Viele junge Familien suchen anscheinend nach anderen Möglichkeiten. "Stark gesucht werden Häuser zur Miete", sagt Christian Schwarzlose. Allerdings sei der Markt in dem Bereich verschlafen.

Zudem ist die Nachfrage nach Bauland hoch. Die Stadt hat 34 Bauplätze Am Kämmereiforst ausgewiesen. Die ersten acht Kaufverträge sollen im November unterzeichnet werden, sagte Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs.

Auch in Jävenitz Am alten Dorfe könnten bald Bauplätze ausgewiesen werden. "Wir sind da dran", sagte Fuchs. Es gebe derzeit Verhandlungen mit anderen Eigentümern.

Für die Stadt sei es wichtig, junge Menschen zu halten. Gardelegens Vorteil im Wettbewerb mit Niedersachsen sieht Fuchs im günstigen Preis für Bauland. Am Kämmereiforst müssen die Interessenten 35 Euro pro Quadratmeter zahlen - voll erschlossen, fügt Fuchs hinzu. In den umliegenden Gemeinden sei es etwas günstiger.

Neben der Kernstadt und Jävenitz seien vor allem Letzlingen und Mieste aufgrund der Schulen und Kindereinrichtungen bei Familien beliebt. Dort verfüge die Stadt allerdings über keine Flächen zum Ausschreiben. Die Stadt versuche aber Bauland zu erwerben. "Wir bieten fünf Euro pro Quadratmeter Bauerwartungsland", so Fuchs.