Salzwedel l Der Altmarkkreis weist die geringsten Impfraten in Sachsen-Anhalt auf. Die Landesvereinigung für Gesundheit hat deshalb das "Modellprojekt für mehr Impfakzeptanz im Altmarkkreis" ins Leben gerufen. Nachdem 2013 Ärzte als sogenannte Multiplikatoren geschult worden sind, informieren sich am heutigen Mittwoch in Gardelegen Hebammen und medizinische Fachangestellte über "Masern, Keuchhusten und andere sogenannte Kinderkrankheiten. Kinderarzt Dr. Rainer Genseke vom Fachärztlichen Zentrum des Altmark-Klinikums wird über seine Erfahrungen mit derartigen Erkrankungen und deren Auswirkungen in heutiger Zeit berichten. Der Mediziner erläutert die Bedeutung des Impfens als vorbeugende Maßnahme vor Infektionskrankheiten. Er engagiert sich zudem im Landkreis als "Impfbotschafter". "Bei der Fortbildung für Hebammen und medizinische Fachangestellte geht es unter anderem um Symptome und mögliche Komplikationen der oft noch als harmlos angesehenen Kinderkrankheiten, um Vermeidung und Vorbeugung, erste Hilfe sowie um Verhaltensempfehlungen im Krankheitsfall", informiert Susanne Borchert, von Landesvereinigung für Gesundheit Sachsen-Anhalt.

Mit Impfungen seien im Land die meisten Kinder vor Masern, Keuchhusten und anderen Infektionskrankheiten gefeit. Die Impfquoten liegen in Sachsen-Anhalt über dem Bundesdurchschnitt. Nachholbedarf gebe es hingegen im Altmarkkreis (siehe Infokasten). "Deshalb engagiert sich die Landesvereinigung für Gesundheit zusammen mit dem Gesundheitsamt des Altmarkkreises verstärkt für einen altersgerechten Impfstatus der Bevölkerung", sagte Susanne Borchert. Zum Projekt gehören Angebote für einen Impfparcours in den 5. und 6. Klassen der Sekundarschulen, die bislang dreimal genutzt wurden. Zudem haben die Mitarbeiter der Landesvereinigung vier Impfvorträge in Kindertagesstätten gehalten. In Arbeit seien Plakate mit Landrat Michael Ziche.

Das Gesundheitsamt des Kreises sieht verschiedene Ursachen für die Impfmüdigkeit der Westaltmärker - so eine unterschiedliche Datenerhebung. Die Impfmeldepflicht der Arztpraxen gilt nur bis zum 7. Lebensjahr und bei der Schuluntersuchung in der 3. Klasse und der 6. Klasse ist die Vorlage des Impfausweises laut Schulgesetz keine Pflicht. Hinzu komme eine nachlassende Bereitschaft und sogar ein Ablehnen des Impfens. Viele Leute würden es auch einfach vergessen, sich impfen zu lassen. Dagegen könnte eine aktive Ansprache und eine Befürwortung des Impfens bei jedem Arztbesuch helfen. Dem wirke der Ärztemangel entgegen. Ein Nachteil sei zudem, dass ein vollständiger Impfstatus keine Voraussetzung für die Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung ist, informierte Kreissprecherin Birgit Eurich.