Bei ihr handelt es sich zwar um ein sogenanntes Kinderkleinstheim. Aber bald ist die Altmerslebener "Arche Noah" deutlich größer. Der Kirchgemeindeverband Kalbe als Eigentümer und die Arbeiterwohlfahrt (Awo) als Betreiberin investieren in den dortigen Um- und Ausbau weit mehr als eine Viertelmillion Euro.

Altmersleben l Seit 18 Jahren gibt es das Altmerslebener Kleinstheim "Arche Noah". Begonnen wurde einst mit der Betreuung von sechs Kindern und Jugendlichen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr dauerhaft in ihren Familien belassen werden konnten. Inzwischen sind dort auf Basis einer Ausnahmegenehmigung neun Mädchen und Jungen untergebracht. Und für sie soll und muss mehr Platz geschaffen werden. Deshalb wird der bislang ungenutzte Dachboden des Hauses komplett ausgebaut.

Dies erfolgt im Auftrag der Awo-Sozialdienst Altmark GmbH, die das Heim betreibt. Wie Andrea Schmieder von der Geschäftsführung des Unternehmens informierte, solle der neue Wohnbereich zwar auch einen Gemeinschaftsraum beinhalten, aber in erster Linie den älteren Kindern und Jugendlichen als Zuhause dienen. Er solle zu deren Verselbstständigung beitragen. Denn diese würde sich ansonsten vergleichsweise schwierig gestalten. So seien im ausgebauten Dachgeschoss drei separate Jugendzimmer sowie ein extra Sanitär- und Küchenbereich vorgesehen. Zwar erfolge dann auch dort noch eine Betreuung durch Heimmitarbeiter, "aber in etwas abgespeckter Form", wie Andrea Schmieder sagte.

"Ich denke, dass wir bis Ende Februar soweit durch sind, dass wir mit den Malerarbeiten und der Möblierung beginnen können."

Andrea Schmieder von der Awo-Geschäftsführung

Rund 150000 Euro investiert die Awo in den Um- und Ausbau des Dachgeschosses, der derzeit auf Hochtouren läuft. "Ich denke, dass wir bis Ende Februar soweit sind, dass wir mit den Malerarbeiten und mit der Möblierung beginnen können", so Andrea Schmieder. Immerhin sei zum 1. April der Start für die neue "Gruppe zur Verselbstständigung", wie sie offiziell heiße, vorgesehen.

Das Dachgeschoss wird übrigens auf der gesamten Länge des ehemaligen Pfarrhauses ausgebaut, auch wenn dieses in der unteren Etage nach wie vor geteilt ist. Denn ein kleiner Bereich wird dort weiterhin vom evangelischen Kirchgemeindeverband Kalbe, zu dem auch Altmersleben inzwischen gehört, als Treffpunkt genutzt. Bei ihm handelt es sich um den Eigentümer des früheren Pfarrhauses, in das nach längerem Leerstand im Jahr 1997 das Kinderheim integriert worden war.

Und der Kirchgemeindeverband ist es auch gewesen, der im vergangenen Jahr den ersten Bauabschnitt finanziert hat. So hat er den Dachstuhl und das komplette Dach sanieren sowie neue Fenster einbauen lassen. Zudem wurde das gesamte Objekt gedämmt und die Fassade farblich neu gestaltet. Sie erstrahlt inzwischen in einem frischen Gelbton, der auch dem Bild, das sich in einem hölzernen Aufsteller neben dem Heimeingang befindet, eine noch bessere Wirkung verleiht. Es zeigt nämlich eine Szene aus der Arche-Noah-Geschichte und war nach der Jahrtausendwende vom inzwischen verstorbenen Künstler und Kalbenser Ehrenbürger Ulrich Schmidt gestaltet worden.

Wie Pfarrer Dieter Borchert mitteilte, habe der erste Bauabschnitt rund 130000 Euro gekostet. Allerdings habe der Kirchgemeindeverband dafür auch Fördermittel aus dem Dorferneuerungsprogramm sowie eine finanzielle Unterstützung des Kirchenkreises erhalten. Zweifelsohne sei dies aber die größte Baumaßnahme seit längerem in seinem Zuständigkeitsbereich gewesen, so der Kalbenser Pfarrer. Nun müsse erst einmal wieder Geld angespart werden.

Die neun Kinder und Jugendlichen in der "Arche Noah" sind zwischen 9 und 18 Jahre alt. Vier Betreuer sowie eine Hauswirtschafterin kümmern sich um ihr Wohlbefinden. "Aber nach der Kapazitätserweiterung", so Andrea Schmieder, "wurde es wirklich ziemlich eng." Umso glücklicher sei die Awo-Sozialdienst Altmark GmbH gewesen, dass der Kirchgemeindeverband beim Um- und Ausbau so hervorragend mitgezogen habe. Auch das Jugendamt, mit dem es bereits im September eine Begehung gegeben habe, begleite die Maßnahme sehr wohlwollend. Schließlich trage sie dazu bei, dass die älteren der betreuten Kinder und Jugendlichen einen leichteren Start in ein eigenständiges Leben erhalten würden.

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