2011 trat im Zichtauer Waldbad erstmals ein Blaualgenbefall auf, der zum vorzeitigen Abbruch der Badesaison führte. Nun hat der Wiepker Franz Becker einen neuen Kontakt zu Experten hergestellt.

Zichtau l Für mehrere Wochen musste das Zichtauer Waldbad in der zurückliegenden Saison geschlossen werden. Der Grund: Blaualgenbefall, der als gesundheitsschädlich einzustufen ist, weil die Algen toxische Stoffe (Cyanotoxine) abgeben. Seit 2011 wiederholt sich diese zwangsweise Schließung wegen der gesundheitsschädigenden Cyanobakterien in jeder Badesaison, für unterschiedlich lange Zeiträume.

Nachdem verschiedene Maßnahmen nicht die erforderliche Wirkung gebracht haben, gibt es nun einen neuen Ansatz. Eine Sedimentuntersuchung des Bodens soll ein erster Schritt sein. Franz Becker aus Wiepke, Student der Agrarwissenschaften am Daniel-Albrecht-Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften in Berlin, wandte sich mit einem Hinweis an den Förderverein des Waldbades Zichtau. Er erinnerte sich an eine Exkursion auf dem Arend-see, organisiert von der Berliner Humboldt-Universität, bei der es um eine ähnliche Problematik ging. Auch der Arendsee hat seit Jahren mit massivem Blaualgenbefall zu kämpfen.

Rund 20000 Euro für neues Projekt nötig

Der Wiepker nahm mit Dr. Michael Hupfner vom Leibnitz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Kontakt auf. Hupfner leitete die Projekt-untersuchung des Arendsees. "Ich habe ihm die Zichtauer Problematik geschildert und direkt nach Vorschlägen gefragt", erzählt Franz Becker. Hupfner habe daraufhin erklärt, dass der erste Schritt darin bestehen müsse, Untersuchungen einzuleiten, die klarstellen, welche Cyanobakterien in welcher Konzentration im Waldbad vorhanden seien.

Die Kosten für die Sedimentuntersuchung hat Verwaltungsmitarbeiter Norbert Bucklitsch bereits in etwa festlegen können. Zu rechnen sei, umgelegt auf die Größe des Waldbades, mit rund 20000Euro, hatte Fördervereinsvorsitzende Astrid Läsecke während der Jahreshauptversammlung berichtet. "Norbert Bucklitsch hat viel recherchiert und ist unseren Hinweisen nachgegangen, um Hilfe für dieses Problem zu finden", berichtete Läsecke.

Um diese Summe aufzubringen, regte Astrid Läsecke die Beantragung von Fördermitteln aus dem Leader-Programm der EU an. Mit Unterstützung durch den Landtagsabgeordneten Jürgen Barth habe sie das entsprechende Formular bereits an Bucklitsch weitergegeben, informierte sie auf Nachfrage der Volksstimme.

Ob eine Förderung dieser Maßnahme durch Leader überhaupt möglich ist, wird nun seitens der Stadtverwaltung zu prüfen sein, sagte Norbert Bucklitsch.

Als die Blaualgen 2011 zum ersten Mal den Badebetrieb unmöglich machten, kam es lediglich zu einem vorzeitigen Saisonende. Bereits damals mahnte Ortsbürgermeisterin Astrid Läsecke, dass "wir diese Blaualgengeschichte in den Griff bekommen müssen".

Trinkwasserzufuhr und eine Umwälzpumpe

In Zusammenarbeit mit der Magdeburger Universität sei zunächst nach den Ursachen geforscht worden. Als Ergebnis beschrieb Jörg Hübner, Mitglied des Fördervereines Waldbad Zichtau, ein dreigeteiltes System: das Einbringen von Pflanzen, von Effektiven Mikroorganismen (EM) und von Kalk in das Gewässer. Mitfinanziert wurde diese Maßnahme durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt.

Das Einbringen der EM habe für messbare Verbesserung der Wasserqualität gesorgt, bestätigte Ortsbürgermeisterin und Fördervereinsvorsitzende Astrid Läsecke. Allerdings seien die EM für die Bekämpfung der Blaualgen nicht stark genug.

Im Jahr 2012 sei ein Teil des Bodens ausgetauscht worden. Anfang August musste dennoch der Badebetrieb wegen Blaualgenbefalls bis auf weiteres eingestellt werden.

2013 sollte sogar die Zufuhr von Trinkwasser in das Waldbad dem erneuten Wachstum der Cyanobakterien entgegenwirken. Das allerdings konnte damals nicht in großer Menge erfolgen. Es sollte lediglich eine ergänzende Zuführung sein. Auch eine Umwälzpumpe kam 2013 zum Einsatz.

Von dem neuen Kontakt nach Berlin erhoffen sich die Zichtauer nun endlich eine dauerhafte Lösung für ihr Waldbad.