Gardelegen l Zwei Anträge und drei Beschlussvorlagen - nachdem der städtische Sozialausschuss in seiner Sitzung Ende November gut zwei Stunden über die Zukunft der Estedter Peter-Härtling-Grundschule debattiert und Argumente ausgetauscht hatte, ging es am Dienstagabend in der ersten Sitzung im neuen Jahr alles relativ schnell. Allerdings hatte Ausschussvorsitzende Sandra Hietel (CDU) nach der ausführlichen Beratung Ende November eine "konzentrierte Diskussion" gefordert mit dem Hinweis, auf die Einhaltung von Redezeiten achten zu wollen.

Das war dann allerdings doch nicht mehr nötig. Drei Beschlussvorlagen hatte die Verwaltung vorgelegt.

Nummer eins: die Sicherung des Estedter Standortes mit den Einzugsbereichen Hemstedt, Weteritz, Jeggau, Breitenfeld, Gardelegen mit nördlich gelegenen Straßenzügen im Bereich Weteritzer Landstraße.

Nummer zwei: Sicherung des Estedter Standortes mit den Orten Solpke, Jerchel und Jeseritz.

Nummer drei: die Aufgabe des Schulstandortes Estedt zum Schuljahr 2015/2016. Alle drei Vorlagen enthalten außerdem einen weiteren Punkt, nämlich die Stärkung der Jävenitzer Grundschule mit Kindern aus dem Gardeleger Wohngebiet Kellerberge. Nummer eins und zwei sind zudem mit einem Investitionsaufwand von 2,1 Millionen Euro verbunden, um die Schule und Turnhalle zu sanieren.

Diese Summe habe sich nach einer Kostenschätzung eines Planungsbüros sogar noch auf 2,35 Millionen Euro erhöht, erläuterte Norbert Bucklitsch, in der Stadtverwaltung unter anderem für Schulen zuständig.

Außerdem lagen dem Sozialausschuss zwei Anträge vor. Die CDU-Fraktion sieht aktuell keine Notwendigkeit, die Kinder aus dem Gebiet Kellerberge Jävenitz zuzuordnen, da der Standort Jävenitz nicht gefährdet sei, wie CDU-Stadtrat Andreas Brendtner am Dienstagabend noch einmal betonte. Es sei nicht erforderlich, Estedt und Jävenitz miteinander zu verquicken.

Das sei grundsätzlich richtig, so Bucklitsch. Die Verwaltung habe indes argumentiert, dass, wenn die Thematik Einzugsbereiche ohnehin diskutiert wird, der Jävenitzer Standort gleich mitgesichert werden könne. Die Schule habe zwar um die 70 Kinder. "Es können aber auch mal weniger werden", meinte Bucklitsch. Zur dauerhaften Sicherung könne die Schule durchaus 15 Kinder mehr vertragen.

Die zweite Vorlage hat die Gemischte Fraktion eingereicht mit dem Antrag, den Standort Estedt mit Schülern aus Hemstedt, Lüffingen, Weteritz und Breitenfeld zu sichern.

Linke-Stadträtin Gudrun Gerecke sprach sich in der Diskussion für die Beschulung der Kellerberge-Kinder in Jävenitz aus. Der Schulweg würde sich dadurch verkürzen. "Große Bauchschmerzen" habe sie dagegen beim Thema Estedt, auch wenn ihre Partei gegen die Schließung von Schulen sei, würde man mit zusätzlichen Fahrschülern für Estedt neue Gefahrenpotenziale schaffen. "Ich möchte zwar auf der einen Seite die Schule erhalten, aber auf der anderen Seite fahren wir zusätzlich fünf- bis neunjährige Kinder durch die Stadt", sagte Gerecke.

Kinder müssten an die Reutter-Grundschule

Die SPD-Fraktion habe auch "hoch und runter" überlegt, sehe aber keine Möglichkeit, die Estedter Schule zu halten, erklärte Oliver Stegert (SPD). Kinder aus Breitenfeld, Jeseritz oder Jerchel nach Estedt zu schicken, lehne die Fraktion ab. Die Freie Liste sei ebenfalls für die Schließung der Estedter Schule, sagte Stadtrat Dirk Kuke. Eine Beschulung der Kellerberge-Kinder in Jävenitz dagegen werde von seiner Fraktion befürwortet.

Es folgte die Abstimmung über den Antrag der Gemischten Fraktion: mit zwei Ja-und fünf Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen abgelehnt. Der Antrag der CDU-Fraktion wurde ebenfalls abgelehnt mit zwei Ja- und vier Nein-Stimmen und drei Enthaltungen. Weiter ging es dann mit der Vorlage Nummer eins: abgelehnt mit sechs Nein-Stimmen und drei Enthaltungen. Vorlage Nummer zwei: abgelehnt mit sieben Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Vorlage Nummer drei: befürwortet mit vier Ja-Stimmen, drei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen.

Die Diskussion um die Zukunft der Estedter Grundschule geht schon seit 2012. Die Schule kann aufgrund fehlender Schülerzahlen die Mindestvorgaben des Landes nicht erfüllen. Aus diesem Grund gab es im vorigen Jahr schon keine Einschulung mehr in der Estedter Schule. Die Erstklässler wurden in die Gardeleger Reutter-Schule eingeschult. Sollte auch der Stadtrat am 2. Februar der Schließung zustimmen, werden auch die anderen Kinder der Estedter Grundschule ab Ende August die Gardeleger Reutter-Schule besuchen.