Der Gewerbeverein hat sich zwei politische Ziele gesteckt. Radfahrer sollen in der Thälmannstraße die Mittelspur benutzen dürfen. Die Sondernutzungsbeiträge sollen abgeschafft werden.

Gardelegen l Der Mindestlohn hat auch für viele Gardeleger Konsequenzen. "Einige Händler in der Innenstadt haben jetzt über Mittag geschlossen", sagte Claudia Steffens vom Gewerbeverein. Sie bat die Geschäftsinhaber bei der Jahreshauptversammlung, die Kunden nicht noch weiter zu verunsichern. "Wir wollen die Leute schließlich in der Stadt behalten", sagte sie.

Um die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen, brachten die Händler erneut ins Gespräch, die Mittelspur der Thälmannstraße für Radfahrer freizugeben. "Wir wollen die Radfahrer von den Fußwegen kriegen", sagte Steffens am Mittwochabend im Schützenhaus. Wie dramatisch die Situation sei, schilderte Wolfgang Beyer: "Wir müssen unsere Kunden schon warnen, wenn sie aus dem Geschäft gehen, dass sie zu beiden Seiten gucken. Die Radfahrer kommen oft schnell angesaust."

Und die Händler wollen sich auch in einem anderen Bereich an den Stadtrat wenden. "Wir wollen die Stadt zwingen, uns die Sondernutzungsbeiträge zu erlassen", sagte Claudia Steffens. In der entsprechenden Satzung aus dem Jahr 2001 ist geregelt, wie viel Geld die Händler zahlen müssen, wenn sie vor ihrem Geschäft Werbung oder Sitzgelegenheiten aufbauen. Für Tische und Stühle müssen die Händler pro Quadratmeter einen Euro bezahlen. Plakataufsteller kosten pro Quadratmeter einen Euro am Tag. Pauschalbeträge gibt es für eine Woche (fünf Euro) oder einen Monat (20 Euro).

"Die Stadt möchte schließlich auch was von uns. Da muss sie uns auch entgegenkommen", sagte Reiner Schulz und fügte kämpferisch hinzu: "Wir gehen aggressiv vor und probieren es."

Zu Beginn hatte Peter Jaenicke als Vorsitzender des Vereines einen Blick zurück auf 2014 geworfen. Er lobte besonders den Weihnachts- und Hubertusmarkt. "Das Zusammenspiel zwischen Stadt und Gewerbeverein funktioniert reibungslos", sagte Jaenicke. Seine Enkeltochter habe über den Weihnachtsmarkt gesagt: "In Stendal ist das nicht so schön."

Anlaufschwierigkeiten hätte dagegen noch die Gutschein-Aktion. Für einen Betrag ab 25 Euro können diese seit Ende 2014 bei den Gardeleger Filialen der Volksbank Gardelegen oder der Sparkasse erworben werden. Damit können die Kunden in 40 Geschäften in der Stadt einkaufen. Bislang seien etwa 30 verkauft worden, berichtete Claudia Steffens.

Der Verein will auch 2015 attraktive Veranstaltung bieten. Vier sind geplant. Am Sonnabend, 14. März, wollen die Händler von 9 bis 17 Uhr zum Ladenhütermarkt öffnen. Der Frühlingsmarkt Knospenknall findet am 12. April mit einem verkaufsoffenen Sonntag statt. Am 20. September soll es ein Erntefest mit geöffneten Geschäften und vielen herbstlichen Aktionen und Spielen geben. Der Weihnachtsmarkt findet vom 11. bis zum 13. Dezember statt.