Der Stadtrat hat mit knapper Mehrheit die Schließung der Estedter Grundschule abgelehnt. Abgelehnt hat er allerdings auch die Änderung der Einzugsbereiche, um zusätzlich Schüler nach Estedt zu schicken, damit der Erhalt der Schule langfristig gesichert werden kann.

Gardelegen l "Na danke, da kann man doch alles nur noch hinschmeißen." "Ein Skandal!" "Wir machen uns doch nur noch lächerlich." "Unglaublich, was hier passiert." "Die Leute, die gegen die Schließung der Schule gestimmt haben, hätten doch wenigstens für die Änderung der Einzugsbereiche stimmen müssen. Das ist doch bescheuert." - Kommentare gab es nach den Beschlüssen am Montagabend nach den Stadtratsbeschlüssen zur Estedter Grundschule reichlich.

Die Atmosphäre im Rathaussaal war gespannt, gereizt - SPD-Stadtrat Peter Wiechmann schlug vor, Fenster und Türen weit zu öffnen, "um mit den Emotionen runterzukommen."

In der Tat, auf dem Tapet der Ratsleute lag ein Thema mit Bedeutung: die Schließung der Grundschule Estedt oder die Änderung der Einzugsbereiche.

Linke-Fraktionschef Ralf Linow mahnte eine Entscheidung an, in welcher Richtung auch immer. Er sprach sich klar für den Erhalt der Schule - solange wie möglich - und für den Antrag der Gemischten Fraktion (siehe Info-Kasten) aus.

"Das IGEK empfiehlt ganz klar den Erhalt der Estedter Grundschule."

Nico Macht, Gemischte Fraktion

SPD-Fraktionschefin Petra Müller wies darauf hin, dass die Estedter Schule schon seit Jahren mit Ausnahmegenehmigungen laufe. "Das würde sich immer weiter hinziehen", sagte Müller. Die SPD sei dafür, Planungssicherheit für die Eltern zu schaffen.

Nico Macht (Gemischte Fraktion) erinnerte an die Wahlkampfversprechen vom Mai vorigen Jahres. Demnach hätten alle den Erhalt der Schulen gewollt. Und er erinnerte an das integrierte gemeindliche Entwicklungskonzept (IGEK). "Das IGEK empfiehlt ganz klar den Erhalt der Estedter Schule, denn junge Familien sollen im ländlichen Raum ein familienfreundliches Umfeld finden", so Macht. Er stellte den Antrag auf eine namentliche Abstimmung.

Regina Lessing, Vorsitzende der Gemischten Fraktion, betonte, dass sich ihre Fraktion sehr ernsthaft mit der Thematik beschäftigt habe, insbesondere ihre Fraktionskollegin Margot Göbel in geradezu aufopferungsvoller Weise. "Es befremdet mich ein bisschen, dass sie belächelt wird", so Lessing. Sie sprach sich für den Erhalt der Schule aus. Die von der Verwaltung vorgeschlagenen Änderungen der Einzugsbereiche seien dagegen nicht praktikabel und umsetzbar. Der Vorschlag der Gemischten Fraktion schon. Eine Schule sei der Lebensnerv für kleine Orte.

Dem könne man nur zustimmen, erklärte Thorsten Bombach (fraktionslos). "Wir sollten uns für Estedt entscheiden und ein Zeichen setzen für die Region. Grüne Wiesen allein nützen uns auch nichts", betonte Bombach. Denkbar sei, die Estedter Grundschule in ökologischer Sicht zu entwickeln.

"Das wäre doch eine Idee. Der Antrag der Gemischten Fraktion gibt uns eine gute Grundlage dafür. Entscheiden wir für unsere Kinder", so Bombach. Denn schließlich seien die Schulen in Gardelegen "nicht besser und schlechter als die in Estedt".

"Ich befürchte, dass es heute wieder keine Entscheidung gibt."

Bürgermeister Konrad Fuchs

"Vor zwei Jahren hatten wir schon die gleiche Situation. Es wurde keine Entscheidung getroffen. Ich befürchte, dass es heute wieder keine Entscheidung gibt", brachte sich dann Bürgermeister Konrad Fuchs in die Debatte ein. So gut wie die Argumente alle seien. Es gebe die Landesvorgaben mit 52 Schülern pro Grundschule und 13 Schüler für eine erste Klasse. "Und das dauerhaft", so Fuchs.

Sollte es tatsächlich keine Entscheidung geben, dann würde sich der Stadtrat "ein Stück kommunale Selbstverwaltung nehmen lassen. Denn dann werden andere vom grünen Tisch entscheiden", so Fuchs weiter. "Und wenn es nur so sein wird, dass nicht ausreichend Lehrer zur Verfügung gestellt werden", meinte Fuchs.

Auch Lessing plädierte für eine Entscheidung und warb für den Antrag ihrer Fraktion. "Damit werden nicht mehr Kinder auf die Straße gebracht als bisher", sagte Lessing. Nur der Schulweg für die Lüffinger und Hemstedter Kinder würde sich etwas verlängern.

Oliver Stegert (SPD) erinnerte daran, dass es im Rahmen einer Elternbefragung eine eindeutige Ablehnung von Estedt gegeben habe.

"Die Entscheidung, die fällt, wird nicht alle glücklich machen. Irgendjemanden wird es immer treffen. Wir wollen die Schließung verhindern", betonte Lessing. Es gehe darum, eine Alternative zu finden. Und der Vorschlag der Gemischten Fraktion sei ein machbarer Weg.

Lessing: "Es hat damals auch einen Aufschrei in Letzlingen gegeben, als es hieß, unsere Kinder müssen die Sekundarschule in Mieste besuchen. Und dorthin fahren sie heute noch. Wir wollen den Schulstandort Estedt retten, weiter nichts." (Abstimmung siehe Info-Kasten)

   

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