Mit einem Bären und einem Kamel wird in der Region um Lindstedt der Winter ausgetrieben und der Frühling begrüßt. Am Sonnabend war es soweit. Die Herren des Lindstedter Männergesangvereins luden zur Bärenleite ein.

Lindstedt l Fast genau wie der Frühling selbst, nämlich noch etwas zögerlich, trat am Sonnabend das Kamel bei der Bärenleite des Lindstedter Männergesangvereines in Lindstedterhorst auf. Aber die Altmärker der Region können ganz beruhigt sein. Denn im Laufe ihrer Aufgabe, nämlich den Frühling herbeizurufen, liefen Michael und Tobias Lange unter dem langen Lodenfell des Kamels noch zu Hochform auf. Schon an ihrer zweiten Station in Lotsche hielten sie ihren Kamelführer Erich Feisel auf Trab und versuchten mehr als einmal, sich seinem Griff und Gängelband zu entreißen. Ja, in Lindstedt, Lotsche, Seethen, Algenstedt, und Wollenhagen war deutlich zu erkennen: Der Frühling - und auch ein Kamel - ist nicht aufzuhalten.

Wie immer und zu Recht gefürchtet trat der Bär (Rainer Lüdemann) aber überhaupt nicht schüchtern auf. Bärenführer Erhard Wischeropp hatte von Anfang an kein leichtes Spiel mit ihm. Trotz robuster Kette entwischte der Bär ihm ein ums andere Mal. Und die Folgen der Ausreißaktionen bekamen die Zuschauer in den Ortschaften hautnah zu spüren. Wo immer er konnte, versuchte Rainer Lüdemann sich unbemerkt heranzuschleichen. Ein bunt beschmiertes Gesicht bei den Überraschten war das Mindeste, das er dann hinterließ. So wie bei Anja Rohrdiek und Benedikt Müller in Lindstedterhorst oder Erika Bloch und Sieglinde Ritzmann in Lotsche.

Als traditionelle Figur der Eierfrau fungierte in diesem Jahr Stephan Mertens. Dass seine Kiepe am Ende der Bärenleite gut gefüllt war, dafür sorgte Christa Bade in Lindstedterhorst als erste.

Gut versorgt wurden die Akteure der Bärenleite aber nicht nur mit Eiern und Speck für das große Eierbackessen zum Abschluss in Lindstedt. Bei jedem Sangesbruder wurde eingekehrt und überall wartete ein kleines, wohl gefülltes Büfett auf die Herren. Schnittchen oder heiße Hähnchenkeulen, Kaffee oder manch geistiges Getränk hatten die Gastgeber vorbereitet. Und zuvor wurde gesungen, wie es sich für Mitglieder eines Chores gehört. Liedwünsche wurden dabei nur zu gern erfüllt und vom musikalischen Leiter Wolfgang Preiß umgesetzt. "Nicht so schnell Männer", musste er seine Sänger bereits in Lotsche, der zweiten Station ihrer Tour über die Dörfer, ein wenig zügeln.

Freien Lauf konnten die Herren wieder einmal ihrer Fantasie bei der Kostümierung für die Bärenleite lassen. Sportlich-gespenstisch war das Motto in diesem Jahr offenbar. Denn als Bowlingpins hatten sich einige der Männer zurechtgemacht. Vorneweg der Discopin mit grüner Perücke, alias Nico Brohmann. Als größentechnsich angepasste Bowlingkugel hatten sie einen Gymnastikball dabei, den sie den Zuschauern am Rande zu einem Wurf anboten. Aber weder Strike noch Spare waren für die Bowlingfans drin. Denn mit gekonnten Sprüngen, wichen die Pins so gut wie jedem Wurf aus.

Das Gros der Lindstedter Sänger, die auch in diesem Jahr wieder von Mitgliedern des Sportvereins Wacker Lindstedt unterstützt wurden, hatte sich jedoch mehr der Geisterwelt zugewandt. Mit gruseligen Masken, weißen, wehenden Umhängen oder in zombie-gleicher Verkleidung erschreckten sie indes fast nur die Kinder. Die Erwachsenen hatten ihren Spaß daran.

   

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