Die Bürgermeisterstichwahl muss wiederholt werden. Der Landeswahlausschuss hat die Wahl für ungültig erklärt: Die Stimmzettel für die Stichwahl hatten die falsche Farbe. Sie hätten nicht identisch mit den Stimmzetteln der Hauptwahl sein dürfen.

Gardelegen l In der Stadtverwaltung ist man außerordentlich genervt. Die Botschaft, die da gestern aus dem Landeswahlausschuss die Stadt erreichte, sorgt für Missstimmung. Die Stichwahl vom 8. März ist ungültig. Sie muss wiederholt werden. Und der Grund dafür ist außerordentlich banaler Natur. Die Stimmzettel für die Stichwahl waren in der Farbgebung falsch. Sie hätten nicht, wie die Stimmzettel der Hauptwahl vom 22. Februar, orange sein dürfen. Für die Stichwahl sei pink vorgeschrieben gewesen. Die Stadt habe widerrechtlich gehandelt, in dem sie einfach die übriggebliebenen Hauptwahlstimmzettel mit den Namen der zwei Bewerber bedruckt hatte.

Für Heidi Wichmann, die in der Stadtverwaltung für Wahlen zuständig ist, geht nun wieder alles von vorne los. Der Wahlausschuss muss erneut zusammenkommen, um die zwei Bewerber für die Stichwahl, Mandy Zepig für die SPD und Kai-Michael Neubüser für die CDU, zur Wahl zuzulassen. Danach werden die Stimmzettel in der stadteigenen Druckerei gedruckt, die Wählerverzeichnisse sind zu vervollständigen. Die 222 Wahlhelfer für die 37 Wahllokale müssen geschult werden. Der Wahltermin wurde vom Landeswahlausschuss auf Sonntag, 26. April, festgelegt.

Briefwahl ab 8. April in der Stadtverwaltung

Ab Mittwoch, 8. April, ist die Briefwahl wieder möglich. Das Briefwahllokal wird im Haus II der Stadtverwaltung eingerichtet. Diese Wahlform können die gut 20000 Wahlberechtigten bis Freitag, 24. April, 12 Uhr, nutzen.

Die Mehrheit der Wähler wird dann vermutlich am 26. April in die Wahllokale gehen. Am Abend gibt es ab 18 Uhr auch wieder ein Wahl-Public-Viewing im Rathaussaal, das mit Sicherheit wieder sehr gut angenommen wird, denn die Karten werden schließlich neu gemischt.

Bürgermeister Konrad Fuchs zeigte sich gestern sehr verärgert über die Bürokratie. Auf die Verwaltung komme seiner Ansicht nach jede Menge unnütze Arbeit zu. "So ein Quatsch. Nur weil die Stimmzettel nicht pink waren, müssen wir alles wiederholen. Das kostet wieder viel Geld. Am besten, wir machen buntkarierte Zettel, damit werden wir alle Vorgaben einhalten. Aber, wie sagt Otto Reutter: Ick wundre mir über jarnüscht mehr", schimpfte Fuchs.

Die beiden Bewerber um das Bürgermeisteramt reagierten da viel entspannter. "Ich habe von Anfang an gesagt, die Farbe ist falsch. Für mich hätten die Stimmzettel rot sein müssen", stellte Mandy Zepig klar. Für sie läuft die Wahlkampfmaschinerie gleich morgen wieder voll an.

Ihren Urlaubsschein hat die Verwaltungsmitarbeiterin bereits beim Bürgermeister abgegeben. Ihren ersten Wahlkampfbesuch wird sie bei den Weltmeisterschaften im Ostereiertrudeln auf dem Jävenitzer Weinberg am Ostersonntag absolvieren.

Bewerber starten erneut in den Wahlkampf

Auch für Kai-Michael Neubüser war die Stimmzettelfarbe ein Problem. "Wir wollten schwarz mit weißer Schrift", stellte der CDU-Politiker klar. Zum Glück habe er seine Wahlplakate noch nicht entsorgt. Die wird er nun wieder aus seiner Abstellkammer herausholen. "Ein paar Flyer sind auch noch übrig. Wir können auch schnell noch welche nachdrucken", so Neubüser. Auch er wird sofort wieder in den Wahlkampf starten, mit den Bürgern ins Gespräch kommen.

"Aus der Erfahrung heraus haben wir noch einen ganz anderen, viel höheren Wissensstand, was den Wahlkampf betrifft", so Neubüser. Er hofft, dass die Wahlbeteiligung am 26. April wesentlich besser aussehe als bei der Stichwahl am 8. März (36 Prozent).

Für den Wahlsonntag plant der Wernitzer von daher eine ganz besondere Aktion, die logistisch ein Meisterstück sein werde. Er wird jeden Wahlunwilligen persönlich abholen und zum Wahllokal fahren.